Volkstrauertag 2020 (15. November 2020)

Was ist zu sehen?

In dem Video sieht man Vertreter des Gemeinderats auf dem Friedhof stehen. Sie tragen einen Trauerkranz an das Denkmal. Außerdem wird auf dem Mahnmal ein Feuer entzündet.

Was wird gesagt?

In Zeiten der Pandemie konnte auch der Volkstrauertag nicht in der gewohnten Form stattfinden. Ohne öffentliche Feierstunde trafen sich OB Michael Beck und Vertreter der Gemeinderatsfraktionen auf dem Ehrenfriedhof: Martin Brenndörfer vom Verband der Siebenbürger Sachsen entzündete symbolisch die Flamme am Mahnmal der Vertriebenen.
 
OB Michael Beck ist es aber wichtig, dass der Gedenktag auch ohne öffentliche Feier bewusst wahrgenommen wird:
 
"Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
ein Volkstrauertag ohne öffentliche Feierstunde – bis vor kurzem wäre das undenkbar gewesen. In Zeiten der Corona-Pandemie ist vieles anders, auch dieses. In Zeiten, in denen wir möglichst wenig Kontakt haben sollten, gibt es auch keine öffentliche Gedenkstunde, auch wenn es schwerfällt. Ich wende mich deswegen auf diesem Weg an Sie. Denn den Volkstrauertag ausfallen zu lassen, wäre der falsche Weg gewesen.

Die Botschaft des Volkstrauertags ist nämlich nicht weniger wichtig geworden – auch wenn Corona derzeit alle anderen Themen überlagert. Kriege und Konflikte gibt es weiterhin auf der Welt. Das Virus vermag es zwar, unser Sozialleben, unsere Kultur und vieles mehr, das uns lieb und teuer ist, lahmzulegen, leider aber nicht den Hass und die Gewalt. Am Volkstrauertag gedenken wir traditionsgemäß den Opfern von Kriegen und Gewalt, von Vertreibung und von Diktaturen, von Rassismus und Hass. Das Gedenken an die Verbrechen der Vergangenheit darf nicht verschwinden, vor allem weil es uns Lehren für die Gegenwart gibt. Leider müssen wir immer wieder sehen, dass diese Lehren nicht überall ankommen, und dass manche Entwicklungen in eine bedrohliche Richtung gehen. Man kann auch sagen: Wir dachten, wir wären schon weiter. Und wir müssen erkennen, dass sich Hass und Gewalt leider nie auslöschen lassen. Dass sie wie ein Schwelbrand immer wieder aufflackern können. In diesen Tagen gilt es ganz besonders. Wir erleben immer wieder Gewalt und Rassismus auch bei uns. Dass im Jahr 2020 jüdische Mitbürger in Deutschland wieder Angst haben müssen, ist eine Schande. Wir haben mittlerweile wieder Vertreter im Deutschen Bundestag, die sich über unser Gedenken lustig machen und die NS-Diktatur verharmlosen. Vor ein paar Jahren wäre das undenkbar gewesen. Wir erleben mit steigender Tendenz islamistischen Terrorismus, zuletzt in Paris und in Wien. Und wir haben keine richtigen Antworten darauf. Wir wissen nur, dass eine Ausgrenzung unserer muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger sicher nicht der richtige Weg ist. Und wir erleben gerade, wie die USA, ein Land, das für uns immer symbolhaft für Demokratie und westliche Werte stand, in einem Supf von Hass bis hin zur rohen Gewalt versinken. Solange es Menschen gibt, werden die Themen des Volkstrauertags aktuell sein – leider. An Frieden, Versöhnung und Gerechtigkeit werden wir auch dann noch erinnern müssen, wenn Corona schon lange kein Thema mehr sein wird. Lassen Sie uns auch in diesem so außergewöhnlichen Jahr für diese Werte eintreten – und bleiben Sie gesund."