Stadtportrait

Die Stadt im Quadrat – und was dahinter steckt

Übersicht Tuttlingen
Blick vom Honberg auf die Stadt Tuttlingen

Das Logo der Stadt ist unverkennbar: Vier blaue Winkel und ein leicht schräg stehendes gelbes Quadrat. Wofür das steht? Da lohnt sich ein Blick in die Stadtgeschichte und auf deren markantestes Datum. Denn das stand zunächst zwar für Unglück und Leid – und wurde dann zum Symbol für Mut, Zuversicht, Fleiß und Erfindungsreichtum.

Binnen weniger Stunden brannte Tuttlingen am 3. November 1803 komplett ab. Doch auf die Zerstörung folgte der Neuaufbau. Und der machte Tuttlingen auf einen Schlag zu einer der damals modernsten Städte Württembergs: Denn als Ersatz für die verwinkelten mittelalterlichen Gässchen entwarf der württembergische Landplaner Carl Leonard von Uber eine für ihre Zeit revolutionäre Neuplanung: Er griff auf die römische Idee der Rasterstadt zurück – man lebte schließlich in der Epoche des Klassizismus – und entwarf die schachbrettartige „Stadt im Quadrat“ mit ihren rechtwinklig verlaufenden Straßen und dem quadratischen Marktplatz in der Mitte, dessen Häuserkanten heute im Logo angedeutet sind.

Donaubergland Postkarte kleinkariert
"Von wegen kleinkariert ... Tuttlingen beweist das Gegenteil!" - eine Postkarte von Donaubergland Tourismus

Trotz des strengen Rasters im Stadtplan: Nur nach Schema F leben die Tuttlinger trotzdem nicht – und das verdeutlicht das schräge Quadrat im Logo, das auch optisch aus dem Raster fällt. Seit jeher ist die Stadt ein Ort der Tüftler und Querdenker, von Menschen, die Grenzen überschreiten und Neues ausprobieren. Das mag schon an der Lage der Stadt direkt an der Donau liegen – diesem europäischsten Fluss aller Flüsse, der zehn Länder durchfließt und in Tuttlingen noch ganz am Beginn seiner Reise steht. 2747 Kilometer hat die Donau noch vor sich, wenn sie durch Tuttlingen geflossen ist. Und die Ufer des Flusses, der Donaupark und neue Stadtquartiere mit Blick aufs Wasser haben die Stadt vor allem während der letzten Jahre entscheidend geprägt.

Bild vom Golem
Blick auf die Golem - Sommerlounge direkt am Donauufer

In den Jahrzehnten davor hatte man dafür noch nicht so viel Sinn. Denn Tuttlingen war über lange Jahre eine Stadt, in der man eher still und unauffällig vor sich hin geschafft hat. Früher schuftete man in der Schuhindustrie, vor allem seit den 1970er-Jahren in der Medizintechnik. Vor allem diese Branche legte dann aber auch die Grundlagen für den heutigen Wohlstand der Stadt, die sich mittlerweile zum High-Tech-Cluster und Hochschulstandort weiter entwickelt hat. Über 400 Firmen allein aus dem Bereich der Medizintechnik gibt es heute in Tuttlingen – vom kleinen Familienbetrieb bis zu Konzernen mit mehreren tausend Mitarbeitern. International aufgestellt sind die meisten dieser Firmen. Und das verschafft der Stadt eine gewisse Weltoffenheit.

Skulptur namens Instrumentenmacher
Skulptur "Instrumentenmacher"

In der Stadt, in der früher vor allem geschafft wurde, genießt man heute auch gerne. Auch das wird vor allem wieder entlang der Donau sichtbar: Ob Strandbar oder Stadthalle, Skateranlage oder Freizeitbad TuWass: Entlang des Ufers und in Tuttlingens Grünanlagen spielt sich das Leben ab. Und mit Veranstaltungen wie dem Honberg-Sommer tanzt man auch gerne mal aus der Reihe – wie das schräge Quadrat im Stadtlogo.