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Gleichstellungs-beauftragte und Beschwerdestelle

25. November: „Nein zu Gewalt gegen Frauen und Mädchen“ – Internationaler Gedenktag

Die Fakten

  • Partnerschaftsgewalt macht das eigene zu Hause zum gefährlichsten Ort für Frauen.
  • Bedrohung, Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Vergewaltigung: Gewalt kommt in Paarbeziehungen nach wie vor erschreckend häufig vor.
  • Auch 2020 sind die Fälle von Gewalt in bestehenden und ehemaligen Partnerschaften weiter gestiegen, im Vergleich zum Vorjahr um 4,9 Prozent.
  • Die Zahl der Gewaltopfer in Partnerschaften stieg um 4,4 Prozent von 141.792 Opfern im Jahr 2019 auf 148.031 Opfer im Jahr 2020.
  • Ganz überwiegend trifft diese Gewalt Frauen: 80,5 Prozent der Opfer sind weiblich. Von den Tatverdächtigen sind 79,1 Prozent Männer. 37,9 Prozent der Taten werden durch Ex-Partner oder Ex-Partnerinnen begangen, der übrige Teil innerhalb bestehender Ehe- und Lebenspartnerschaften.
  • Am häufigsten betroffen waren Opfer zwischen 30 und 40 Jahren. 139 Frauen und 30 Männer wurden im Jahr 2020 durch ihre aktuellen oder ehemaligen Partner oder Partnerinnen getötet.
  • Das zeigt die Kriminalistische Auswertung Partnerschaftsgewalt 2020. Die Dunkelziffer ist vermutlich sehr hoch.
  • Für viele Frauen und manche Männer kann das eigene Zuhause ein Ort des Schreckens sein. Jede Stunde werden in Deutschland durchschnittlich 13 Frauen Opfer von Gewalt in Partnerschaften. Alle zweieinhalb Tage stirbt eine Frau durch die Gewalttat ihres Partners oder Ex-Partners.
  • Opfer von Partnerschaftsgewalt wurden im Jahr 2020 (jeweils vollendete und versuchte Delikte):
    • Opfer von Tötungsdelikten: 359 Frauen, 101 Männer
    • Opfer von vorsätzlicher einfacher Körperverletzung: 72.013 Frauen und 19.199 Männer
    • Opfer von Bedrohung, Stalking und Nötigung: 29.301 Frauen und 3.721 Männer
    • Opfer von Freiheitsberaubung: 1.567 Frauen und 192 Männer
    • Opfer von gefährlicher Körperverletzung: 12.449 Frauen und 5.570 Männer
  • Mehr als die Hälfte der Opfer (51,2 Prozent) lebte in einem gemeinsamen Haushalt mit der tatverdächtigen Person.
  • Die Zahlen von polizeilich registrierter Partnerschaftsgewalt steigen seit 2015 kontinuierlich an. Das ist ein Indiz dafür, dass mehr Opfer Hilfe bei der Polizei suchen und Gewalttaten zur Anzeige bringen.

Video zum #bornequal gegen Gewalt an Frauen und Mädchen

Zur Gleichstellungsbeauftragten

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Tuttlingen, Lucia Faller, ist gleichzeitig auch zuständig für die Beschwerdestelle. Durch ihre Beratung und aktive Unterstützung kann Sie den Bürgern sowie den Mitarbeitern der Stadtverwaltung bei allen möglichen Fragen, Sorgen und Anliegen weiterhelfen.

Mögliche Themen sind:

  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Wiedereinstieg nach Elternzeit, Krankheit oder Fortbildung
  • Ausgleich bestehender Benachteiligungen und Ungleichbehandlungen, das gilt für Männer und für Frauen gleichermaßen
  • Wege der beruflichen Förderung
  • Darüber hinaus: Beschwerdestelle, beispielsweise bei Mobbing, sexueller Belästigung, Diskriminierung, unfairer Behandlung und vieles weiteres

Für die Aufgaben der Gleichstellungsbeauftragten gibt es auch eine gesetzliche Verankerung, die es inzwischen zur Pflicht macht, genau auf die Einhaltung des Chancengleicheitsgesetzes zu achten. Mit dem Ziel, in der Gesellschaft sowie und gerade im Arbeitsleben eine Strukturveränderung hervorzurufen.

Frauenquote – Ein Meilenstein in der Frauen- und Gleichstellungspolitik

Jahrelange freiwillige Selbstverpflichtungen von Unternehmen zur Erhöhung des Frauenanteils an Führungspositionen führten nicht zum erhofften Erfolg. Am 1. Mai 2015 trat deshalb das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst (FüPoG) in Kraft, um den Frauenanteil in Führungspositionen signifikant zu erhöhen. Dieses enthält Regelungen in drei Bereichen: Privatwirtschaft, Gremien des Bundes und öffentlicher Dienst.

Regelungen für die Privatwirtschaft

Aufsichtsräte von Unternehmen, die börsennotiert sind und der paritätischen Mitbestimmung unterliegen, müssen seit dem 1. Januar 2016 eine feste Geschlechterquote von 30 Prozent bei allen Neubesetzungen beachten. Gesellschaften, die entweder börsennotiert oder mitbestimmt sind, werden verpflichtet, Zielgrößen für den Aufsichtsrat (sofern dieser nicht der festen Quote unterliegt), für den Vorstand sowie für die ersten beiden Führungsebenen unterhalb des Vorstands festzulegen, um auch hier die Frauenanteile kontinuierlich zu erhöhen. Die Unternehmen müssen sich außerdem Fristen setzen, bis wann sie die selbst gesetzten Zielgrößen erreichen wollen.

Regelungen für die Gremien des Bundes

Für Aufsichtsgremien, in denen dem Bund mindestens drei Sitze zustehen, hat der Bund bei der Besetzung seiner Sitze seit 2016 eine Geschlechterquote von 30 Prozent zu beachten. Seit 2018 soll der Geschlechteranteil weiter auf 50 Prozent erhöht werden. Bei wesentlichen Gremien, die keine Aufsichtsgremien sind, in denen dem Bund mindestens drei Sitze zustehen, haben die Institutionen des Bundes darauf hinzuwirken, dass eine paritätische Vertretung von Frauen und Männern geschaffen oder erhalten wird.

Regelungen für den öffentlichen Dienst

Die Novellierung des Bundesgleichstellungsgesetzes (BGleiG) enthält: die Konkretisierung der Vorgaben für Gleichstellungspläne ähnlich den Zielgrößen‐Vorgaben in der Privatwirtschaft, die Stärkung der Gleichstellungsbeauftragten in großen Dienststellen und die Einführung eines jährlichen öffentlichen Gleichstellungsindex für die obersten Bundesbehörden.

Wirken die Regelungen und Gesetze?

Über das interaktive Datentool für ein transparentes Monitoring
www.bmfsfj.de/quote werden die Entwicklungen in allen drei Bereichen transparent und öffentlich einsehbar gemacht.

Machen Sie sich jetzt selbst ein Bild über die Entwicklung der Frauenquoten! Im Einzelnen haben Sie nun die Möglichkeit festzustellen, ob die Quote – Frauen in Führungspositionen – in der Privatwirtschaft, den obersten Bundesbehörden und den Gremien des Bundes umgesetzt wird.

Bilanz nach vier Jahren FüPoG

  • Privatwirtschaft – feste Quote
    • Nur die feste Quote wirkt
    • Frauenanteil in Aufsichtsräten mit fester Quote von 2015 bis heute um 9 Prozentpunkte auf mittlerweile 31 Prozent gestiegen
    • Die feste Quote strahlt in das gesamte Unternehmen hinein: Unternehmen mit fester Quote setzen sich ambitioniertere Zielgrößen und engagieren sich mehr als die übrigen Unternehmen
  • Privatwirtschaft – Zielgrößen
    • Besonders niedrig bei den Vorständen
    • Frauenanteil in Vorständen steigt kaum und liegt bei gerade einmal 6 Prozent
    • 70 Prozent der Unternehmen geben sich die Zielgröße „Null“ für den Vorstand
    • „Thomas Kreislauf“ in deutschen Vorständen
    • Zu viele Unternehmen kommen ihrer gesetzlichen Pflicht zur Festlegung von Zielgrößen gar nicht nach
    • Aber: Zielgrößen für die beiden Führungsebenen unterhalb des Vorstands deutlich positiver
  • Gremien des Bundes
    • In allen Gremien des Bundes, in die der Bund mindestens drei Mitglieder entsenden kann, liegt der Frauenanteil bei den Sitzen des Bundes bereits bei 41 Prozent
    • Frauenanteil an Sitzen des Bundes bei Aufsichtsgremien: 40 Prozent
    • Frauenanteil an Sitzen des Bundes bei wesentlichen Gremien: 42 Prozent
    • Ziel: Parität
  • Öffentlicher Dienst – Frauen in Leitungsfunktionen
    • Hindert die „Hans-Bremse“ Frauen in den Bundesministerien an Führungspositionen? – hier gehts zum Artikel in der Zeit
    • Frauenanteil an Leitungsfunktionen im gesamten Bundesdienst: 35 Prozent
    • Zwar steigt der Frauenanteil kontinuierlich, aber zu langsam
    • Frauenanteile an Leitungsfunktionen in den Bundesministerien auf sehr unterschiedlichem Niveau
  • Öffentlicher Dienst – Teilzeitbeschäftigung und Leitungsfunktionen
    • Frauen im öffentlichen Dienst des Bundes stecken in der „Teilzeitfalle“
    • Frauenanteil an Teilzeitbeschäftigung im Bundesdienst bei 88 Prozent
    • Führen in Teilzeit leider noch die Ausnahme
    • Beispiel oberste Bundesbehörden: unter 25.000 Beschäftigten finden sich nur 257 Führungskräfte in Teilzeit

Projekte

Kooperationsvereinbarung des Tuttlinger Frauenhauses mit allen Sportvereinen unter dem Dach von „run&fun“ (TG, TSF, Schneeschuh, Stadtverband  für Sport) Hier sind verschiedene Aktionen laufen(d) geplant.

Derzeit: Teilnahme an der Ausschreibung des BMSFSJ und DOSB, unter dem Titel:  „Starke Netze gegen Gewalt“. Nähere Infos unter: www.starkenetzegegengewalt.de
www.hilfetelefon.de
Kostenlose und anonyme Hilfe und Beratung für Frauen und Mädchen: 08 000 11 60 16

Seit mehr als 30 Jahren setzen sich Menschen an diesem Tag weltweit für die Beseitigung von Gewalt und Diskriminierung an Frauen ein. So auch in Deutschland, wo Gewalt gegen Frauen noch immer trauriger Alltag ist. Jede dritte Frau ist von körperlicher oder sexueller Gewalt betroffen. Rund 25 Prozent aller Frauen erleben Gewalt in ihrer Partnerschaft. Mehr als die Hälfte der Frauen wurde mindestens einmal in ihrem Leben sexuell belästigt – zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie der Europäischen Union. Doch nur 20 Prozent dieser Frauen nutzen die bestehenden Beratungseinrichtungen.