IMPRESSIONEN UND Rückblicke

Stöbern Sie doch einmal durch unsere Bildergalerien und unsere Rückblicke und sehen, welche tollen und interessanten Ausstellungen die Tuttlinger Galerie bereits gezeigt hat.

Bildergalerien

Rückblicke

Kunstwerke der Ausstellung "Einblicke", 2020


Seit den 1950er-Jahren baut die Stadt Tuttlingen ihre Kunstsammlung auf. Durch Aufkäufe, Erbschaften und Schenkungen kamen rund 2200 Arbeiten zusammen. Die aktuelle Ausstellung präsentiert herausragende Werke der Sammlung und zeichnet somit auch die künstlerischen Tendenzen von 1950 bis zur Gegenwart nach.

Kunstwerk "Weggefährte" von Künstler Udo Braitsch, 2000, Öl auf Leinwand

Udo Braitsch, Weggefährte, 2000, Öl auf Leinwand. Foto: Stanislaus Plewinski.
Figurentypologie IV von Jürgen Brodwolf, 2014, Collage
Jürgen Brodwolf, Figurentypologie IV, 2014, Collage


Die Städtische Kunstsammlung umfasst rund 2200 Werke aus den Bereichen Malerei, Grafik, Fotografie und Skulptur/Plastik. Die Sammeltätigkeit der Stadt reicht bis in die 1950er Jahre zurück. Neben dem Ankauf einzelner Werke bildeten zunächst auch Schenkungen und Dauerleihgaben den Grundstock der Sammlung. Seit den 1980er Jahren werden die städtischen Ankäufe aus den Wechselausstellungen getätigt, die sowohl von der Stadt Tuttlingen selbst als auch vom Kunstkreis Tuttlingen e.V. (gegründet 1973) im Wechsel veranstaltet werden. Hierzu tagt anlässlich jeder Ausstellung die vom Gemeinderat beauftragte Kunstkaufkommission.

So besitzt die Stadt vor allem Arbeiten vieler renommierter Künstler der Region und des deutschen Südwestens, aber auch Positionen des gesamtdeutschen Raumes und des Auslandes sind vertreten. Der Grafikbestand ist aus einer Stiftung von Dr. Alexander Paul, dem Begründer der Tuttlinger Volkshochschule, hervorgegangen.

Teile der städtischen Sammlung bereichern die öffentlichen Räume sowie die Arbeitsräume der Stadtverwaltung. Die Sommerausstellung gibt anhand einer Auswahl „Einblicke“ in einen stetig wachsenden Kunstschatz, der mit seinen Bestandteilen nicht nur ein Stück Kunstgeschichte repräsentiert, sondern auch für die Ausstellungs- und Vermittlungstätigkeit der Galerie der Stadt Tuttlingen steht.

Skulptur "Knochen und Splitter" von Hans-Jürgen Kossack, 2003, Sandstein / Pigmente
Hans-Jürgen Kossack, Knochen und Splitter, 2003, Sandstein / Pigmente


Kunstwerk "Würfelstern 9/5/15" des Künstlers Hans Peter Reuter, 2009, Ultramarin / Leinwand / Styrodur / Holz
Hans Peter Reuter, Würfelstern 9/5/15, 2009, Ultramarin / Leinwand / Styrodur / Holz, Fotos: Stanislaus Plewinski



Bildergalerie der Ausstellung "Einblicke in die Sammlung der Stadt Tuttlingen"

Ausstellungsliste und Künstlerbiografien zur Ausstellung Einblicke in die Sammlung der Stadt Tuttlingen (PDF)
Im Rahmen der traditionellen Jahressausstellung der Galerie der Stadt Tuttlingen sind Künstler der Region im Umkreis von 50 km sowie Mitglieder des Kunstkreises Tuttlingen e.V. eingeladen, sich mit ihren neuen Arbeiten zu bewerben.

Über die Zulassung zur Ausstellung entscheidet eine jährlich unterschiedlich besetzte, unabhängige Jury, die sich aus Mitgliedern des Gemeinderats und Vertretern des Kunstlebens zusammensetzt.

Hieraus resultiert eine abwechslungsreiche Schau, die dem Besucher Einblick in das reiche und vielfältige Kunstschaffen in der Region vermittelt.

Kunstwerke von verschiedenen Künstlern der Jahresausstellung in der Galerie

Im Werk von herman de vries (geb. 1931 in Alkmaar, NL) spielt seit Jahrzehnten die Natur eine zentrale Rolle, insbesondere die Welt der Pflanzen mit ihren botanischen Eigenheiten als auch ihren heilkundlichen und mythologischen Aspekten.

Bereits seit den 50er Jahren künstlerisch tätig, hat er noch bis 1968 als Gärtner, Biologe und Botaniker gearbeitet und verfügt über einen beeindruckenden naturkundlichen Wissens- und Erfahrungsschatz. Er ist aufs engste vertraut mit der Naturumgebung seines Wohnortes in Unterfranken am Steigerwald, die er fast täglich suchend erwandert. Dort gesammelte Blätter, Moose, Hölzer, Samen und Blüten werden als objets trouvés zu Elementen einer fein arrangierten und poetischen Kunst, die das Auge für die Vielfalt und die Einzigartigkeit der Natur öffnet und ihm das faszinierende Geheimnis von Zeit, Schönheit und Sterblichkeit offenbart.

herman de vries war mit seinen Werken an zahlreichen prominenten Ausstellungsorten zu sehen und trat mit einer Vielzahl von Aktivitäten im öffentlichen Raum auf. 2015 vertrat er die Niederlande auf der Biennale von Venedig. Als Herausgeber von Schriftenreihen zur Kunst, Autor von Büchern und Beiträgen zur Kunsttheorie verdeutlicht er die philosophische und konzeptionelle Fundierung seiner Arbeit. Den Kern der Tuttlinger Ausstellung bilden Werke aus dem Privatbesitz einer mit dem Künstler befreundeten Familie, die in den vergangenen Jahrzehnten eine kleine und feine Sammlung aufgebaut hat.

Ergänzt wird die Ausstellung durch raumgreifende Bodeninstallationen sowie fotografische und filmische Werke.

Kunstwerk des Künstlers Herman de Vries

Werk der Künstlerin Bettina van Haaren

Bettina van Haaren präsentiert in ihrer Malerei Partien des menschlichen Körpers in einem ungewohnten Kontext mit anderen Gegenständen aus dem häuslichen Bereich, der Natur und vor allem der Tierwelt. Wie Collagen aus Fragmenten der sichtbaren Welt wirken zunächst ihre Gemälde mit sowohl fotorealistisch als auch eher skizzenhaft gemalten Details.

Das Zusammenfassen verschiedener Blickwinkel unterläuft den traditionellen Bildraum und widerspricht der alltäglichen Sehgewohnheit des Betrachters. Ein surreales Eigenleben jenseits der Wirklichkeit vollführen diese Bilder, in denen Körperteile auf Dinge treffen, zu Mensch-Tier-Wesen mutieren, sich duplizieren. Bettina van Haarens Bildwelt beruht auf dem Standpunkt, dass der Körper Ausgangspunkt und Maßstab aller menschlicher Wahrnehmung und Erfahrung ist, dass visuelle Äußerung immer auch Selbstreflexion zum Thema Menschsein ist.

Die meisterhaft gemalten Werke von Bettina van Haaren entspringen über lange Zeiträume reichender Beobachtung und sorgfältiger Erforschung der Beziehungen von Körper, Sehen und Gefühlen zur Umwelt, die immer zum großen Teil subjektiv sind.
Im Rahmen eines kulturellen Austauschprogrammes zwischen der Region Rhône-Alpes und dem Land Baden-Württemberg präsentiert das Musée d‘Art Moderne et Contemporain St. Etienne in den Räumen der Galerie der Stadt Tuttlingen eine Ausstellung mit Arbeiten von Tom Castinel (geb.1984), Simon Feydieu (geb. 1984) und Sebastien Maloberti (geb. 1976). Die drei Künstler greifen zurück auf verschiedene Denk- und Arbeitsweisen aus Dadaismus, Arte Povera, Art Brut, Fluxus und Werbegraphik. Sie bewahren – zumindest an der Oberfläche – das Gegenständliche, treiben dieses jedoch an seine Grenzen, bis hin zu seiner Auflösung.

Tom Castinels Vorgehen ist verwandt mit dem Sampling in der zeitgenössischen Musikszene. In raumgreifenden Assemblagen bringt er verschiedenste Medien zum Zusammenspiel: Skulptur, Text, Zeichnung, Video, Performance und lenkt den Blick auf die elementaren Beziehungen zwischen den Dingen.

Simon Feydieu geht es in seiner Arbeit um die Objektivierung des Herstellungsprozesses, den er systematisch protokolliert, abruft und neuen Gegebenheiten anpasst. Zudem beschäftigt er sich mit den traditionellen Bildtechniken von Illusionismus, Trompe l´oeil und Fälschung und stellt damit die Frage nach der Beziehung von Täuschung und Realität.

Sebastien Maloberti spielt mit der Veränderbarkeit des Bildes durch die Vorbereitung des Bildträgers, die Arbeit mit digitaler Technik und die Abwandlung industrieller Druckverfahren. In seiner Erforschung des Visuellen lenkt auch er den Blick auf die Grundlagen der Wahrnehmung.
Werk des Künstlers Reihold Adt

Von der Unordnung zur Ordnung und zurück ist der Weg manchmal kürzer, als man denkt. Als bekennender Messie- beziehungsweise Anti-Messie-Künstler versucht Reinhold Adt die täglich eintreffenden Informationen so zu organisieren, dass sie ihn und andere nicht zu sehr quälen; historische Referenzgrößen sind dabei beispielsweise irische Pubs oder die Altöttinger Gnadenkapelle, deren Wände, komplett mit Votivbildern überzogen, psychedelische Wirkung entfalten können. Adt schafft in seinen Bildermontagen und großformatigen Diagrammen die Möglichkeit, Bilder und Sachverhalte zu vergleichen und gleichzeitig zu überblicken. Dabei macht er keinen Unterschied zwischen eigenen Werken und angeeigneten Werken anderer KünstlerInnen, in Entsprechung des Ephemera-Archivs, das Adt seit über 30 Jahren betreibt und das Tausende von Einladungskarten, Plakaten, Zeitungsrezensionen usw. enthält. Er hält es mit dem nordamerikanischen Schriftsteller Paul Auster: „Der wahre Sinn der Kunst liegt nicht darin, schöne Objekte zu schaffen. Sie ist vielmehr eine Methode, um zu verstehen. Ein Weg, die Welt zu durchdringen und den eigenen Platz zu finden.“ Reinhold Adt wurde 1958 in Stuttgart geboren und studierte an der dortigen Kunstakademie von 1979 bis 1984.
Wie kein anderer prägt Roland Martin (geb. 1927 in Tuttlingen) das Kunstleben und Erscheinungsbild unserer Stadt. Der Bilderhauer, der seine Ausbildung in der unmittelbaren Nachkriegszeit an der Bernsteinschule sowie an der Kunstakademie Freiburg absolviert hat, ist bekannt durch seine zahlreichen Werke im öffentlichen Raum, nicht nur in Tuttlingen, sondern auch im Olympischen Dorf in München, in San Francisco und in Mexico City. Begonnen hat er als junger Künstler mit der Formensprache der Abstraktion. So schuf er beispielsweise aus vielen Schichtungen bestehende Raumsäulen, die mit ihrer Drehung und ihrem facettierten Licht-Schatten-Spiel für Dynamik und Entfaltung im Raum stehen. Auch amorphe Figurengruppen und Reliefs aus Gips, Beton und Bronze gehörten zu seinen frühen Arbeiten. Die radikale Wende weg von der Abstraktion, hin zum Figürlichen vollzog sich am Ende der 1970er Jahre. Seither steht ganz klar der Mensch als typisch feingliedrige kleine bis lebensgroße Bronzefigur im Mittelpunkt seiner Arbeit. Für diese hat er in neuerer Zeit – als Sinnbild für den Ort des Lebens – das Gestell oder Gerüst erfunden, auf dem die Menschen je nach Lebenslage in die Höhe streben, innehalten, nachdenken, herunterschauen, sich verzweifelt festhalten oder abrutschen. Die Tuttlinger Ausstellung zeigt einen repräsentativen Überblick aus dem Werk des Künstlers von seinen Anfängen in den 50er Jahren bis heute.
Der 1932 in Dübendorf/Schweiz zur Welt gekommene Jürgen Brodwolf ist aus der deutschen Kunstszene nicht wegzudenken. Bahnbrechend war 1959 für den damals dem Informel zugewandten Maler die Entdeckung der Tubenfigur.

Die leere Farbtube enthielt für ihn „in der zufälligen, unabsichtlichen Verformung figurative Züge, die dem Ur- und Vorbild meiner inneren Figur entsprachen.“ Brodwolfs Tubenfiguren und deren Nachfolger, von den Bleimantel-Torsi und mumienhaften, bandagierten Figuren bis hin zu den Pappmachéfiguren, leben aus dem Verweis auf das Fragmentarische und Transitorische. Poetisch erzählen sie vom Leben, das der Vergänglichkeit anheim gegeben ist. Thematisch beschäftigt er sich in Werkzyklen mit all dem, was sich zwischen Geburt und Tod abspielt. Aber auch anhand des visuellen Dialogs mit bewunderten Vorbildern – wie Giotto, Bellini, Michelangelo, Paula Modersohn-Becker und Paul Klee – lässt er die menschlichen Botschaften und die Empfindungstiefe seiner Kunst hervortreten.

Ein neuer Werkkomplex, der auch in der Ausstellung in Tuttlingen vertreten sein wird, widmet sich den Flutkatastrophen neuerer Zeit. Jürgen Brodwolf lebt und arbeitet in Kandern/Südschwarzwald.
Werk des Künstlers Rui Chafes

Rui Chafes gelingt das scheinbar Unmögliche, er verleiht dem Material Eisen den Eindruck von Leichtigkeit. Er hämmert, schneidet, schleift und schweißt Eisenbleche zu fliegenden, gedrehten Linien, die geradezu schwerelos scheinen, oder zu messerscharfen Gebilden, die Libellen gleichen, oder zur geheimnisvoll schwebenden Kugel. Rui Chafes (geb. 1966 in Lissabon) ging nach seinem Studium der Bildhauerei an der Faculdade de Belas-Artes in Lissabon zu Beginn der 1990er Jahre nach Düsseldorf, wo er ein Meisterstudium bei Gerhard Merz absolvierte. Während seines Deutschlandaufenthaltes übersetzte er die „Blütenstaubfragmente“ von Novalis vom Deutschen ins Portugiesische. Wie für den Denker und Naturforscher der deutschen Frühromantik ist auch nach seiner Auffassung künstlerische Arbeit mit dem Ausloten von Grenzerfahrung gleichzusetzen. Wenn er dabei nach nichts anderem als dem Ausdruck des Wesentlichen strebt, ist seine Haltung in ihrer Radikalität mit der von Josef Beuys vergleichbar, der forderte, stets nach dem zu suchen, was auch angesichts des Todes noch Wichtigkeit hat. Rui Chafes gehört zu den bekanntesten Künstlern Portugals. Er hat sowohl in seiner Heimat als auch in vielen Ländern der Welt in herausragenden Häusern ausgestellt und repräsentierte Portugal auf der Biennale von Venedig (1995 mit José Pedro Croft und Pedro Cabrita Reis) und auf der Biennale von São Paulo (2004). Rui Chafes lebt und arbeitet in Lissabon.

Werk des Künstlers Per Kirkeby

Der bekannteste zeitgenössische Künstler Skandinaviens ist auch in Deutschland längst kein Unbekannter mehr. Denn Per Kirkeby, geboren 1938 in Kopenhagen, lehrte von 1978 bis 1989 an der Kunstakademie Karlsruhe und von 1989 bis 2000 an der Städelschule in Frankfurt am Main. Die Galerie der Stadt Tuttlingen führt mit ihrer Auswahl von Malerei, Graphik und Skulptur die erstaunliche Vielseitigkeit des Künstlers vor Augen, der neben seiner künstlerischen Ausbildung (an der Experimental Art School in Kopenhagen) das Fach Geologie studiert und mit einer Promotion abgeschlossen hat. Ein geologischer Charakter ist auch seinen in vielfachen sedimentartigen Schichten aufgebauten Farbkompositionen eigen, die Gesteinsoberflächen gleichen, ohne je die Natur abzubilden. Neben dem Einfluss der Naturwissenschaft spielen kunsthistorische Vorbilder eine Rolle. So verweisen die in der Ausstellung gezeigten Bronzeskulpturen auf die Beschäftigung Kirkebys mit dem Bildhauer Auguste Rodin.

Neben zahlreichen Ausstellungen in den großen Museen der Welt nahm Kirkeby mehrfach an der Biennale in Venedig sowie an der Documenta 7 (1982) und der Documenta 9 (1992) teil. Per Kirkeby lebt und arbeitet in Kopenhagen, Læsø und Arnasco.
Werk der Künstlerin Fabrice Hyber

Fabrice Hyber (geb. 1961) ist der Erschaffer eines polymorphen Universums, in das all seine künstlerischen, philosophischen und naturwissenschaftlichen Recherchen einfließen.

Vergleichbar mit Netzwerken, Lichtbündeln oder Rhizomen, die sich ständig fortpflanzen und im Fluss befinden, ist auch seine Gedanken- und Formenwelt weit verzweigt. Spielerisch und stets offen für das Unvorhergesehene nimmt er das Verhältnis von Mensch und Umwelt unter die Lupe. „Ich möchte Dinge, Kontakte oder Formen niemals zum Stillstand bringen, geschweige denn sie in allzu einfachen Protokollen fixieren“, beschreibt der Künstler selbst seine Mission. Seit dem Jahr 1986 entstehen die sogenannten „homöopathischen Bilder“, in denen die wesentlichen Gedanken seiner Arbeit zu Collagen verdichtet sind. Sie bestehen aus Konglomeraten von Skizzen, Notizen, Fotografien und vorgefundenen Gegenständen und sind von einer transparenten Harzschicht überzogen, die den Blick auf die überbordende Komplexität lenkt und zugleich den inneren Zusammenhang aller Elemente betont.

Fabrice Hyber ist einer der bekanntesten Künstler Frankreichs. 1997 wurde er auf der Biennale von Venedig mit dem „Goldenen Löwen“ geehrt.
DONAUGALERIE Tony Cragg

DONAU GALERIE 2014 ist ein Skulpturenprojekt mit internationalen und regionalen Künstlern, das im Sommer den städtischen Raum, vor allem die Grünanlagen, bereichern wird. Die sorgfältige Platzierung von Werken unterschiedlichster Prägung schafft neue Sichtweisen auf die Werke selbst und auf den landschaftlichen und architektonischen Kontext, in dem sie präsentiert werden. Titelgebend für die Ausstellung ist die Donau, die eine einzigartige landschaftsprägende Wasserstraße mitten durch Europa darstellt und für eine viele Regionen übergreifende Verbindung steht. In den jahrhundertlangen Beziehungen von Natur und Kultur entlang der Donau spiegelt sich das Leben und die vielfältige Erfahrung mit dem Fluss. In unmittelbarer Nähe zum Element Wasser ist somit der geeignete Ort, dieses Zusammenspiel in der Kunst zu reflektieren.
Kuratoren: Anna-Maria Ehrmann-Schindlbeck und Jörg Bach
Werk des Künstlers Klinge

Dietrich Klinge hat sich als Bildhauer der menschlichen Figur verschrieben. Auf der Grundlage seiner genauen Kenntnis der umfangreichen Geschichte dieses zentralen und klassischen Themas der Kunst nimmt er dabei eine eigene und unverwechselbare Position ein.

Ungewöhnlich ist sein technischer Ansatz: Er stellt zunächst mit der Kettensäge Modelle aus Holz her, um diese dann in Bronze zu gießen. Damit erzeugt er ein eigenwilliges Spannungsverhältnis zwischen der rauhen Natur des Holzes und der feinen Glätte des Metalls. Seine Figuren sind von eindrucksvoller Zentriertheit und Ausdruckskraft, die er erzielt, indem er ihre Form auf wesentliche Züge reduziert. Sie sind teilweise in sich gekehrt und wirken ähnlich archaisch wie Totemstelen, sie können aber auch mit expressiven Bewegungsmotiven überraschen, die schwere Erdverbundenheit mit tänzerischer Leichtigkeit in Einklang bringen. Dietrich Klinge, geboren 1954 in Heiligenstadt im Thüringer Eichsfeld, kam mit seiner Familie im Alter von 6 Jahren nach Stuttgart, wo er aufwuchs und von 1979 bis 1984 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste studierte.

Seit 1999 lebt und arbeitet er in Weidelbach in Mittelfranken. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland. Sein Werk ist in namhaften Sammlungen vertreten.
Werk des Künstlers Helge Leiberg

Im Zentrum von Helge Leibergs Arbeit steht die menschliche Figur in Bewegung. Durch den spontanen Pinselstrich, Charakteristikum seiner Malerei und Zeichnung, fängt er diese, mit scheinbarer Leichtigkeit und einprägsam wie eine Chiffre, ein. In der impulsiven Strichführung bilden Form und Ausdruck eine kraftvolle Einheit.

Der menschliche Körper wird durch tänzerische Posen und spirituelle Aufladung zum Sinnbild für den Fluss des Lebens und seine wiederkehrenden Grundsituationen. Stets in Aktion ist Leibergs Figur. Durchdrungen von (Über-)Lebenswillen und niemals zur Ruhe kommend, scheint sie sich gegen jegliche Erstarrung aufzulehnen. Eros ist ein wichtiger Impulsgeber für den Tanz des Lebens, der immer auch ein Tanz des Todes ist. Die Tuttlinger Ausstellung zeigt ausschließlich neu entstandene Bilder zur „Göttlichen Komödie“, dem Hauptwerk des italienischen Dichters Dante Alighieri (1265-1321), das in seiner bildreichen Sprache und durch seine existentielle Sinndimension seit Jahrhunderten Künstler zur Auseinandersetzung herausgefordert hat.

Wie die meisten bisherigen Illustratoren der „Göttlichen Komödie“, zu denen u. a. Sandro Botticelli, Eugène Delacroix, Gustave Doré, Auguste Rodin, Salvador Dali und Robert Rauschenberg gehören, wird sich auch Helge Leiberg vor allem mit dem Teil des Infernos befassen.

Einen Höhepunkt des Jahres 2013 in der Galerie der Stadt Tuttlingen stellt die Ausstellung mit Werken des Hauptvertreters der Pop-Art ANDY WARHOL dar. Provokativ und zugleich ansprechend, plakativ und doch rätselhaft – Andy Warhol (geb. 1928 in Pittsburgh/PA – gest. 1987 in New York City) hat sich seinen eigenen schillernden Mythos geschaffen.

Er hat die Entwicklung der Kunst nachhaltig geprägt, indem er Phänomene des Alltags und der Massenkultur zum Gegenstand der Kunst erhoben hat. Die Ausstellung geht seinen Verbreitungsstrategien auf den Grund und wird deshalb neben einigen Leinwandarbeiten vor allem Beispiele seiner Siebdruckserien zeigen. Die Nutzung der fotografischen Vorlage sowie die Vervielfältigungsmöglichkeit der Graphik sind ebenso Bestandteil der Popularisierungsstrategie seiner Kunst wie das Spiel mit der allgemeinen Bekanntheit seiner Motive.
Heinz Mack (Jahrgang 1931), international bekannt als Pionier der Licht-Kunst und Mitbegründer der legendären Künstlergruppe ZERO (1957-1966), stellte in Tuttlingen sein zeichnerisches Werk aus. Die große Bedeutung dieses Mediums als Grundlage und „Grammatik seiner Kunst“ wurde in seiner ganzen Vielseitigkeit herausgestellt. Gezeigt wurden – in den unterschiedlichsten Formaten und Ausführungen – Zeichnungen mit Tusche und Feder, Kohlezeichnungen, Frottagen und Farbpastelle. Macks Zeichnungen folgen scheinbar zwanglos den Bewegungen seiner Hand, ihrem Duktus, ihrem Rhythmus, und werden so mehr oder minder unbewusst zur Sprache seiner Empfindungen: „Zeichnungen sind quasi seismographische Diagramme unserer inneren Erregung und Emotion“ (Heinz Mack).
Genau 10 Jahre nach seiner letzten großen Präsentation aktueller Arbeiten in Deutschland stellte der US-amerikanische Künstler im Sommer 2011 in der Galerie der Stadt Tuttlingen aus. Im Jahr seines 75. Geburtstags wurde eine repräsentative Auswahl seiner Arbeiten aus den letzten zehn Jahren gezeigt.
Kunstwerk "Würfelstern 9/5/15" des Künstlers Hans Peter Reuter, 2009, Ultramarin / Leinwand / Styrodur / Holz
Hans Peter Reuter, Würfelstern, 2009

Das Quadrat, die Farbe Blau und der Raum sind die Konstanten, die Hans Peter Reuter seit nunmehr vierzig Jahren in seiner Malerei begleiten. Auch die neuesten Arbeiten, die den größten Teil der Tuttlinger Ausstellung ausmachten, basieren auf den Konstanten Quadrat, Blau und Raum.

rosalie, creation_2009, 49teilig, Acryl und Acrylgranulat auf Leinwand, ca. 60 x 60 cm

Die dem Experiment aufgeschlossene Künstlerin präsentierte in Tuttlingen ihre aus Kunststoffgranulat bestehenden Arbeiten. Neben Bildern von überdimensionalen, scherenschnitthaft stilisierten Blüten in starken, von innen heraus leuchtenden Farben waren ebenso zu sehen wie  ihre „Pixelbilder“, die den virtuellen Charakter unserer mediengeprägten Wahrnehmung thematisieren.
Die Fotografin Candida Höfer präsentierte in Tuttlingen ihre im Jahr 2007 entstandene Serie mit Motiven der Stadt Philadelphia/USA: Innenansichten der Pennsylvania Academy of the Fine Arts, der Fisher Library, des Girard College, des Masonic Temple, der Beth Shalom Synagoge von Frank Lloyd Wright.