Künstlerinterview mit Thomas Finkbeiner

Was ist im Video zu sehen?

Im Video ist Künstler Thomas Finkbeiner in den Räumlichkeiten der Galerie zu sehen. Er sitzt und beantwortet verschiedene Fragen. Während er spricht werden Bilder seiner Werke eingeblendet.

Was wird im Video gesagt?

Wie kommen Sie zur Kunst?

Das war schon früh in meiner Jugend: Ein Onkel von mir, das ist der Romuald Hengstler, und bei mir in der Familie war das einfach so, man hat sich oft besucht mit Kind und Kegel, und bei ihm war man eigentlich am liebsten, weil wenn man da gestört hat, dann hat man können ins Atelier vom Onkel Romuald und dann hat der einen also irgendwo hingesetzt und einem einen Stift oder sonst was auf den Tisch gelegt und hat gesagt: „So, jetzt mach mal.“ Und so ist man also neben dem Onkel gesessen und das hat sich also…ergeben. Hat mir einfach Spaß gemacht, war gerne in dem Atelier, die Gerüche und die Düfte, das hat mir eigentlich immer gut gefallen. Und über den Onkel Romuald hab’ ich dann quasi den Franz Bucher kennengelernt und mit dem Franz dann damals auch schon g’schwätzt. Und als sich rausgestellt hat, er ist von Fridingen, wo wir damals auch gewohnt haben und dass sein Bruder da noch wohnt und da jetzt eine Steinmetz-Firma hat – und den soll ich doch einfach mal besuchen. Und so bin ich dann eigentlich an den Willi Bucher gekommen. Und im Weiteren hab’ ich dann nach dem Abitur – ich wollte nicht gleich studieren, ich wollte eigentlich eher zuerst was mit den Händen machen – hab’ ich dann die Lehre beim Willi Bucher gemacht.

Was ist das Wesentliche in Ihrer Kunst?

Also, das war anfangs natürlich, dass ich so einen Wert gelegt hab’ auf malerische Mittel wie Duktus etc., das dann aber halt einfach weiterentwickelt hab’, dass der Duktus jetzt in den Hintergrund gerückt ist eher, und ich einzelne Elemente, die bei der Malerei entstehen in den Vordergrund gestellt hab’, also denen quasi – ob’s jetzt ein Pinselstrich ist oder eine Linie – quasi ein Eigenleben gegeben hab’, dass die wie zu so einer Art Gegenstand werden. Das verschwindet dann aber auch nach und nach, also auf Linie verzichte ich zwischenzeitlich ganz, verzichte drauf, das Gegenständliche von einem Pinselstrich großartig in den Vordergrund zu stellen, sondern versuche auch mit so wenig wie möglich konventionellem Werkzeug zu arbeiten, also ich benutze immer noch Pinsel natürlich etc., aber auch Stöcke, Spritzen und so weiter und fertig ist es eigentlich, wenn ich das Gefühl habe, das Bild braucht mich jetzt nicht mehr. Ich hab’ natürlich Kataloge gesammelt und so weiter, und das sind zwei Katalogblätter, die ich übermalt hab’: das eine ist von Walter Stöhrer, den ich eigentlich immer verehrt hab’ und das andere vom Helmut Sturm, und die haben ja sehr viel Wert auf Duktus gelegt, und ich hab’ dann eigentlich gesagt: „Beruhigt euch! Er ist jetzt nicht so wichtig, dieser Duktus.“, und ich bin dann quasi mit einem anderen Duktus drüber gegangen, der das Ganze beruhigt hat.

Wozu brauchen wir Kunst?

Also Kultur braucht die Gesellschaft glaub’ ich auf jeden Fall, dass sie weiß, woran sie sich orientieren kann, und Kunst ist einfach (etwas), in dem kann die einzelne Person genauso wie die Gesellschaft eigentlich was Neues erfinden, also über den Tellerrand, das Gewöhnliche drüber raus gucken…so würde ich sagen. Also dass jeder was erfinden kann, was er vielleicht selber noch nie gesehen hat und im besten Fall auch die Gesellschaft auch noch nie gesehen hat.