Künstlerinterview mit Anja Luithle

Was ist im Video zu sehen?

Im Video ist Künstlerin Anja Luithle in den Räumlichkeiten der Galerie zu sehen. Sie sitzt und beantwortet verschiedene Fragen. Während sie spricht werden Bilder ihrer Werke eingeblendet.

Was wird im Video gesagt?

Wie kommen Sie zur Kunst?

Es gibt so einen Spruch von Joseph Beuys, den jeder kennt: „Jeder ist ein Künstler.“. Dazu gibt’s ein relativ bekanntes Interview, das in der Fortführung nie zitiert wird: nämlich es geht weiter, dass er ausführt, dass nicht jeder Künstler von Beruf ist. Und insofern habe ich mir überlegt: Was ist denn eigentlich der Startpunkt für diese Frage? Als Kind habe ich natürlich auch wie alle Kinder gemalt und gezeichnet und als Jugendliche auch, da war ganz viel, das war wirklich schon sehr ausgeprägt, aber wirklich zur Kunst – also als Beruf – gefunden habe ich natürlich auch später, also erst an der Akademie war mir klar, dass ich das wirklich machen will, und sogar noch viel später erst, dass ich das wirklich zu meinem Beruf machen möchte, und nicht Lehrerin werden will oder irgendwelche anderen Dinge machen will, die auch nah an der Kunst sind, aber eben doch nicht dieses ganz Freie – diesen Weg so beschreiten, dass es so existenziell auch wird.

Was ist das Wesentliche in Ihrer Kunst?

Verblüffung! Überraschung! …Nein, also ich denke, ich arbeite so im Wesentlichen aus meiner Sicht mit den Menschen. Mich interessiert das auch dazwischen, mich interessieren tiefere psychologische Zusammenhänge…ja, ob mir das immer gelingt, das weiß ich natürlich auch nicht, aber ich denke, da sehe ich schon die Menschen, wie sie reagieren, da kommt schon viel rüber. Ich halt’ auch ein Stück, glaub’ ich, einen Spiegel vor – es gibt Dinge, die haben eine Brisanz, es gibt Anderes, das kommt ganz leicht daher: es ist so ein Spektrum, sagen wir mal, an Möglichkeiten und an Befindlichkeiten und so wie ich erlebt habe, wie Menschen auf meine Arbeit reagieren, fühle ich mich auch bestärkt, den Weg weiterzugehen.

Wozu brauchen wir Kunst?

Also, die Menschheit braucht auf jeden Fall Kunst, weil Kunst ist immer da. Kunst ist einfach. Kunst lässt sich auch nicht ausrotten, und Kunst gibt’s in allen Ecken und Enden und überall, auch wenn jetzt alle Menschen sagen: „Wir brauchen jetzt nichts für die Häuser“, es wird immer wieder aufkeimen, man sieht das ja auch…man hat das gesehen im Syrienkrieg, wo plötzlich einer dann am Klavier sitzt in den Trümmern und die Welt schaut und kriegt Gänsehaut – das ist auch Kunst. Ja, ich denke es ist für viele ein Lebenselixier: Seelenfutter, habe ich mir schon sagen lassen, sei es. Das ist es für mich natürlich auch, aber wesentlich ist ja auch der Betrachter, wir machen das ja auch nicht nur für uns, sondern wir leben in der Gesellschaft, wir brauchen auch das Feedback und da kommt ganz viel. Ja, es hat glaub’ ich ‘ne ganz wichtige Funktion, es kann ein Katalysator sein, es kann Gedanken überhaupt mal ermöglichen – und ja, wie gesagt die Seele zum Schwingen bringen.