Ab 29. April in der Städtischen Galerie: Felix Martin Furtwängler - Malerei und Zeichnungen


Felix Martin Furtwänglers Porträts, Figurenbilder und Landschaften sind nicht das, was man sich zunächst unter diesen Begriffen vorstellen würde. Etwas Wildes, Gespenstisches und Geheimnisvolles ist ihnen eigen, das beim näheren Hinschauen auch deutliche - und dabei dennoch mehrdeutige - Sprache spricht. Furtwängler malt, zeichnet, arbeitet in unterschiedlichen druckgraphischen Techniken und macht Buchobjekte sowie Skulpturen.

Felix Martin Furtwängler

Die Galerie der Stadt Tuttlingen zeigt eine Auswahl seiner neueren, bis zu drei Meter großen Tafelbilder und Zeichnungsfolgen, vorwiegend vom Ende der 80er und Ende der 90er Jahre. Die Zeichnungen sind der Malerei sehr nahe, denn auch sie weisen zum Teil große Formate und eine sehr malerische Technik auf.

Mit Erzählfreude legt Furtwängler den Finger auf die Wunden der Welt. Seine Bildsprache enthält Bekanntes wie beispielsweise Zitate der christlichen Tradition oder politische Fragmente sowie eigene Zeichen, die der Betrachter für sich deuten kann. Seine Traum- und Seelenlandschaften steigern sich bis hin zu apokalyptisch-expressiven Visionen. Politische und gesellschaftliche Themen durchziehen sein Werk, in dem es Verbindungen zur Kunst und Literatur des Ersten Weltkrieges gibt. Aber auch Phänomene der Zeitgeschichte und ethisch-philosophische Überlegungen werden ironisch gebrochen vorgeführt. Diese Kunst entspringt einem stark ausgeprägten Schaffensdrang und innerer Notwendigkeit. Die Unmittelbarkeit und Energie des Ausdrucks ist mitreißend, lässt aber hinter der Oberfläche auch Entsetzen und Beklemmung vermuten.

In einigen Werkgruppen dient leuchtend eruptive Farbigkeit als Ausdrucksträger, andere ziehen den Betrachter durch eine düstere, nahezu monochrome Palette in Bann. Furtwänglers Lust am Übermalen und Überdrucken, an der Collage und der Décollage zeigt sich auf den Arbeiten in einer lebendigen, vielschichtigen - und damit manchmal "doppelbödigen" - Oberfläche.

Der Mensch spielt eine zentrale Rolle, wenngleich man die kürzelhaft gezeichneten Figuren oftmals erst auf den zweiten Blick wahrnimmt. In der Dramatik innerer Konflikte, in seinem bisweilen spielerischen Galgenhumor zeigt sich eine gewisse Verwandtschaft mit der Künstlergruppe COBRA und der Art Brut. Dieser Balanceakt zwischen Tragik und Komik beflügelt die Einbildungskräfte.

Der 1954 in Karlsruhe geborene Furtwängler studierte an der Hochschule der Künste Berlin. 1992 erhielt er den Lucas-Cranach-Preis für Malerei. Er lebt und arbeitet im Allgäu, in Berlin und Katalonien.

Es erscheint ein umfangreicher Katalog zu Furtwänglers Malerei und Zeichnung auf Papier zum Preis von 19 Euro.