Lokale Bergbaugeschichte im Fruchtkasten - Neue Exponate erinnern an Erzabbau


Das Museum im Fruchtkasten wird um ein besonderes Exponat reicher: Am 25. November 2016 übergibt der Förderkreis Eisenerzstollen Weilheim e.V. dem Tuttlinger Museum historische Holzfunde, die an den Beginn der Tuttlinger Metallverarbeitung erinnern. Sie werden künftig in die Abteilung Hüttenwerk Ludwigstal integriert.
 
Vor einigen Jahren wurden in Rietheim-Weilheim Balken geborgen, die aus einem Bergbaustollen stammen, der 1857 bis 1861 vom Hüttenwerk Ludwigstal betrieben worden war. Die Holzfunde wurden bei Sondierungsgrabungen entdeckt, die stattfanden, nachdem in archivalischen Unterlagen Hinweise auf den Stollen gefunden worden waren.
 
Das Bergwerk war 1857 angelegt worden, als für das Königlich Württembergische Hüttenwerk Ludwigsthal das Bohnerz (kugelförmige Eisenerzanreicherungen) knapp zu werden drohte. Jetzt wurde das für die Verhüttung aufwendiger aufzubereitende Doggererz, ein Eisenrogenstein mit einem Eisenanteil von rund 20 Prozent, interessant. Friedrich August Quenstedt entdeckte im Raum Weilheim ein Eisenflöz, das sich lohnte, bergmännisch abgebaut zu werden. Das Flöz war etwa 1,30 bis 1,60 Meter stark. 1857 wurde der Stollen in der Nähe der Maria Hilf-Kapelle unweit westlich und oberhalb von Weilheim angeschlagen und bis auf eine Länge von etwa 3,5 Kilometer in den Berg getrieben, wobei verschiedene Verzweigungen (Querschläge) im Stollenverlauf vorhanden sind. Bis 1861 war das Bergwerk in Betrieb bevor es durch Unrentabilität geschossen wurde und langsam verfiel.
 
Nach Abschluss der konservatorischen Maßnahmen und der wissenschaftlichen Aufbereitung der Bergbaugeschichte werden die Holzfunde als Dauerleihgabe dem Museum Tuttlingen zur Präsentation der Bergbaugeschichte und der regionalen Wirtschafts- und Industriegeschichte übergeben – dies auch im Hinblick auf die Neukonzeption des Museums. Gerade die Thematik der Industrie- und Wirtschaftsgeschichte geben interessante Einblicke in die Entwicklung der Region um Tuttlingen das ein Standbein die Erzverarbeitenden Industrien ist.  An der feierlichen Übergabe nehmen Oberbürgermeister Michael Beck, der Rietheimer Bürgermeister Jochen Arno, der Vorsitzende des Förderkreis Eisenerzstollen Weilheim e. V., Bernhard Häck, sowie weitere Interessierte teil.
 

Bergbau bei Tuttlingen: Historiasche Darstellung der Weilheimer Erzgrube