Von Tuttlingen nach Shavei Zion - Ausstellung im Fruchtkasten erinnert an jüdische Emigration


Am Freitag, 25. September, wird um 19 Uhr im Foyer des Rathauses die Ausstellung „Ort der Zuflucht und Verheißung: Shavei Zion“ eröffnet. Die Schau erinnert unter anderem an die Geschichte von Julius Fröhlich, nachdem Anfang Oktober auch der Platz an der Kreuzung Hermannstraße/Mittelstraße benannt wird.

Im Mittelpunkt der Ausstellung, die dann im Fruchtkasten bis 27. Oktober zu sehen ist, steht die Emigration von Tuttlinger und Rexinger Juden im Jahre 1938 in das britische Mandatsgebiet Palästina und dem Aufbau der dortigen Siedlung Shavei Zion.

Bürgermeister Willi Kamm begrüßt die Gäste, Barbara Staudacher, Heinz Högerle und Carsten Kohlmann vom Träger- und Förderverein Ehemalige Synagoge Rexingen führen gemeinsam mit der Museumsleiterin Gunda Woll in die Ausstellung ein. Darja Godec und Klaus Steckeler umrahmen die Eröffnung mit jüdischen Liedern.

1938 verließ der jüdische Viehhändler Julius Fröhlich mit seiner Familie Tuttlingen und floh vor Entrechtung, Verfolgung und Ausgrenzung in das britische Mandatsgebiet Palästina. Die Fröhlichs ließen ein florierendes Geschäft und ein eigenes Haus mit seinem ganzen Komfort hinter sich, um in eine politisch unsichere und klimatisch schwierige Region zu ziehen. Sie gingen gemeinsam mit einer Gruppe aus Rexingen, dem Heimatort von Julius Fröhlich.
 
Vor der Auswanderung hatte eine Gruppe bereits das Terrain erkundet und sich für ein Landstück nördlich von Haifa, unweit der libanesischen Grenze entschieden, das sie vom jüdischen Nationalfond vermittelt bekamen. Bei dieser Erkundungsfahrt war auch Julius Fröhlich als markante Figur und Entscheidungsträger dabei gewesen. Die Siedlung, die neu angelegt werden musste, nannten die Auswanderer Shavei Zion – Heimkehr nach Zion.

Sie gründeten eine genossenschaftliche Siedlung, eine so genannte Gemeinschaftssiedlung (Moschaw), die stark landwirtschaftlich geprägt war, und die als schwäbisches Dorf in Israel bekannt wurde. Der Boden dort musste gerodet und bewässert, Häuser gebaut und Vieh gekauft werden. Die ersten Kühe erwarb der erfahrene Viehhändler Julius Fröhlich, der auch der erste Leiter dieses Wirtschaftszweiges in Shavei Zion wurde. Bis er 1957 gesundheitshalber seine Arbeit aufgeben musste, arbeitete er im Kuhstall. Seine Frau Elise packte wie andere Frauen zunächst in der Landwirtschaft mit an, dann im örtlichen Laden. Für beide war es eine große Umstellung, da sie das ungewohnte Klima schlecht verkrafteten und die schwere Arbeit nicht gewohnt waren. Deshalb verbrachten sie ab 1956 die Sommer wieder in Tuttlingen. Es war ihnen persönlich möglich Jahre nach Kriegsende und nach dem Sturz des Nazi-Regimes hierher nach Tuttlingen zurückzukehren - vor allem wohl deshalb, weil sie keine persönlichen Übergriffe erlebt hatten. Schließlich war Julius Fröhlichs Mutter, die in Rexingen lebte, sowie sein Bruder und seine Schwägerin im KZ ermordet worden.

Die Ausstellung dokumentiert über 70 Jahre nach der Auswanderung das Schicksal der Juden, die aus Tuttlingen und Rexingen in ein großes Abenteuer aufbrachen, und erläutert die Geschichte der Siedlung Shavei Zion. Außerdem schließt sich eine Dokumentation über das Schicksal der in Tuttlingen lebenden Juden an.

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Stammte aus Tuttlingen: Viehhändler Julius Fröhlich

INFO:
Die Eröffnung „Ort der Zuflucht und Verheißung: Shavei Zion“ ist vom 26. September bis 27. Oktober immer dienstags, donnerstags, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr im Fruchtkasten in der Donaustraße 50 zu sehen.