Sozialpreis für Initiative Asyl – OB Beck: „Dank für Engagement und Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit“


Die Initiative Asyl wurde am Mittwoch mit dem Sozialpreis der Stadt Tuttlingen ausgezeichnet. Damit, so Oberbürgermeister Michael Beck, „würdigt Tuttlingen das langjährige und selbstlose Engagement für Flüchtlinge - und setzt gerade in diesen Tagen ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und für christliche Nächstenliebe.“

Seit 1999 betreut die Initiative Asyl ehrenamtlich Flüchtlinge in Tuttlingen und auf dem Witthoh. Sie betreut sie während des Asylverfahrens, begleitet sie zu Ärzten oder Anwälten, organisiert Spielnachmittage für Kinder – und dann sind die derzeit 50 Aktiven auch persönliche Ansprechpartner bei allen möglichen Sorgen oder hören einfach nur zu. Zwei Mitarbeiterinnen der Initiative, Rose Lovrekovic und Hildegard Kieliba, sind vom ersten Tag an dabei.

„So aktuell war ein Sozialpreis noch nie“, erklärte OB Michael Beck bei der Feierstunde im kleinen Saal der Stadthalle. Doch gerade in diesen Zeiten sei es wichtig, dass auch eine Stadt Zeichen setze – „gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, für Mitmenschlichkeit und christliche Nächstenliebe.“ Denn hinter jedem der weltweit 50 Millionen Flüchtlinge stehe ein Schicksal. Daher müsse es eine Selbstverständlichkeit sein, dass man in einem wohlhabenden Land den Menschen auch  hilft. Beck weiter: „Ich würde mir wünschen, dass Europa hier mehr tut.“

Auch wenn eine Kommune nicht alleine die Flüchtlingsproblematik lösen könne, könne man doch vor Ort viel bewegen – mit menschenwürdigem Wohnraum, Unterstützung im Alltag oder bei der Arbeitssuche. „Wir müssen den Menschen eine Perspektive bieten.“ Gerade hier leiste die Initiative Asyl Großes – und trage so ganz entscheidend dazu bei, dass in Tuttlingen ein offenes Klima gegenüber Flüchtlingen herrsche. Hier gebe es einen breiten Konsens – auch im Gemeinderat, bei den Behörden, Kirchen und Sozialverbänden.

Dies unterstrich auch Pfarrer Matthias Kohler: „In manchen Städten kippt gerade die Stimmung und dumpfe Ängste kommen hoch – in Tuttlingen nicht.“ Hierzu leiste auch die Initiative Asyl einen wichtigen Beitrag. Sie habe von vornherein klargemacht, dass Flüchtlinge keine Probleme, sondern Menschen seien. Und diese kontinuierliche Arbeit habe die Initiative auch verrichtet, als das Thema nicht in der Öffentlichkeit stand. Durch ihre Arbeit mache die Initiative Mut: „Sie zeigen, dass der Mensch nicht des Menschen Wolf sein muss, sondern dass er auch anders kann.“

Stellvertretend für die Initiative bedankte sich Rose Lovrekovic für die Ehrung. Sie berichtete aus der Praxis ihrer Arbeit, von den Schwierigkeiten, zunächst das Vertrauen von traumatisierten Menschen zu gewinnen, und diese dann in schwierigen Phasen zu begleiten – zum Beispiel im Falle einer drohenden Abschiebung. „Viele mussten wir in den letzten Jahren in die Ungewissheit ziehen lassen“, berichtet sie, von anderen bekäme sie später wieder Lebenszeichen, die auch Mut machten. Ohnehin sei es beeindruckend, wie viele Flüchtlinge unter schwersten Bedingungen ihr Leben meistern – wie zum Beispiel der junge Iraker, der im Alter von 16 Jahren ohne Sprachkenntnisse ankam und heute studiert. „Wir erleben hier Menschen, die sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen lassen“, berichtete sie. Und auch persönlich habe sie viel gelernt: „Von euch“, so dankte sie den Flüchtlingen aus aller Welt, „habe ich erfahren, was im Leben wirklich wichtig ist.“

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Dank für jahrelanges Engagement in der Flüchtlingshilfe: OB Michael Beck überreicht den Sozialpreis der Stadt an Rose Lovrekovic von der Initiative Asyl.