Ausstellung macht Geschichte des Lagers Mühlau noch deutlicher


Durch Gedenkpfad und Buch wurde die Geschichte des Lagers Mühlau umfassend aufgearbeitet. Eine parallel dazu stattfindende Ausstellung im Fruchtkasten macht die Geschichte nun noch greifbarer – mit Fotos, Modellen und Erinnerungsstücken.

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Sakralkunst hinter Stacheldraht: Altarbild von Carolus Vocke.

Zunächst sind es nur einfache Fotos. Unscheinbare Schwarzweißaufnahmen aus privaten Fotoalben. Doch hinter den Bildern verbergen sich Geschichten - Geschichten, die tiefe Einblicke in den Alltag des Lagers Mühlau geben, das von 1942 bis 1955 in Tuttlingen existierte.

Da ist zum Beispiel das Bild mit den essenden Menschen. Sie sitzen an einem grob gezimmerten Tisch, löffeln aus einem Blechkanister ihr Essen – und man erfährt dazu, dass die Gefangenen oft mit 1200 Kalorien am Tag auskommen mussten. Oder das Bild mit den kahlgeschorenen Männern, die auf einer Wiese etwas pflücken – sie waren auf der Suche nach Gänseblümchen, die ihren Speiseplan wenigstens etwas bereicherten.

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Spuren der Zwangsarbeit: Karteikarten mit Daten der Häftlinge.

Diese Bilder machen die Geschichte des Lagers noch plastischer, und Museumsleiterin Gunda Woll zeichnete bei der Eröffnung der Ausstellung anhand einiger ausgewählter Exponate nochmals die Geschichte des Lagers Mühlau nach: Zwangsarbeiterlager, Durchgangslager für Kriegsgefangene, Flüchtlingslager, Notunterkunft für „Displaced Persons“.

Doch zu sehen sind nicht nur Fotos: Originalpläne gehören ebenso dazu wie private Erinnerungsstücke. Da sieht man einen Original-Entlassschein ebenso wie einen Holzschuh oder Modelle des Lagers, die nochmals die Ausdehnung deutlich machen. Besonders eindrucksvoll: Die Arbeiten des Künstlers Carolus Vocke: Er war selber im Lager gefangen, gestaltete in dieser Zeit die Lagerkirche künstlerisch und lebte auch danach noch einige Jahre in Tuttlingen. In der Ausstellung sieht man nun unter anderem das Altarbild der Lagerkirche – vom Eingangsbereich des Saales durch Stacheldraht abgetrennt.

pm2014-167_Ausstellung_Lager_Muehlau_4-1000 „Mit unserem Geschichtsprojekt erinnern wir an verschiedene Aspekte der Geschichte“, sagte OB Michael Beck bei der Eröffnung: Die Unterdrückung der Zwangsarbeiter während des NS-Regimes gehöre hier ebenso dazu wie die Schicksale der Soldaten, die nach dem Krieg ernüchternd erkennen mussten, wie sie durch die NS-Ideologie verführt wurden. Die  Ausstellung trage dazu bei, dass das Lager im Bewusstsein bleibe – auch wenn die Generation derer, die es noch persönlich erlebt hat, zunehmend geringer werde.

Vor allem unterstreiche das Projekt, so Beck, die überregionale Bedeutung, die das Tuttlinger Lager einst hatte. Denn früher sei es gang und gäbe  gewesen, dass Tuttlinger auf Reisen regelmäßig Sätzen wie diesen zu hören bekamen: „Aus Tuttlingen? Da wurde mein Vater aus der Kriegsgefangenschaft entlassen…“

INFO:
Die Ausstellung ist bis zum 14. September im Fruchtkasten zu sehen. Sie kann dienstags, donnerstags, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden.

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Dokumentiert die Ausmaße des Lagers: Von Schülern angefertigtes Modell