Von Wirtschaften und Tavernen: Ausstellung im Fruchtkasten über Gastlichkeit in Tuttlingen


Die Geschichte der Tuttlinger Gasthöfe, Wirtschaften und Tavernen steht im Mittelpunkt der Ausstellung "Im Zeichen guter Gastlichkeit". Die Schau wird bis zum 19. April 2009 im Hugo-Geißler-Saal des Fruchtkastens zu sehen sein. Eröffnet wird sie am Sonntag, 30. November, um 17 Uhr im Foyer des Rathauses.

"Rössle-Stammtisch" - Darstellung aus dem Jahr 1786
"Rössle-Stammtisch" - Darstellung aus dem Jahr 1786

Bereits das älteste Tuttlinger Stadtbuch von 1489 enthält einen Abschnitt, der das Abmessen des Weines in den Wirtschaften betrifft und damit belegt, dass es im ausgehend 15. Jahrhundert schon Einkehrmöglichkeiten gab. Die ersten Wirte Hans und Bastian Vogler und Hans Würstlin werden etwa hundert Jahre später erwähnt. Bereits vor dem Stadtbrand existierten Adler, Bären, Engel, Hecht, Hirsch, Lamm, Löwen, Ochsen, Schiff, Rössle, Krone und Sonne. Alle waren Schildwirtschaften, die Gäste beherbergten, verköstigten, schützten und unterhielten. Außer dem Ochsen brauten alle Wirtschaften ihr eigenes Bier.

Tuttlingen war seit dem späten Mittelalter eine Hauptstation im Verkehr zwischen Süddeutschland und der Schweiz. Die Gasthöfe lagen sowohl vor als auch nach dem Stadtbrand von 1803 an der Durchgangsstraße und hatten auch Ställe für die Pferde. Berühmte Gäste wie Johann Wolfgang von Goethe oder Ludwig Uhland kamen auf diese Art nach Tuttlingen und übernachteten hier.

Mit der dem Bau der Eisenbahn kam ein gravierender Einschnitt. Die Gäste logierten, wenn überhaupt, in den bahnhofsnahen Hotels. Die Züge wurden immer schneller, die Notwendigkeit, in Tuttlingen Halt zu machen, wurde immer geringer, und somit nahm die Zahl der Gäste immer mehr ab. So mussten in den 1920er und 1930er Jahren große Hotels wie das Hotel Hecht oder das Hotel Post am Marktplatz schließen.

Inzwischen waren aber in den Neubaugebieten auch immer mehr Wirtschaften entstanden, die für die zunehmende Zahl an Fabrikarbeitern zur zweiten Heimat wurde. "Das einzige Bollwerk der politischen Freiheit des Proletariats <...> ist das Wirtshaus", urteilte der Sozialist Karl Kautsky 1890. So wurden auch in Tuttlingen in den Hinterzimmer Politik gemacht und am Stammtisch Luft abgelassen. Der erste Tuttlinger Gewerkschaftsverein und die Ortsgruppen der polische Parteien wurden in Gaststätten begründet, denn immer schon bot das Gasthaus einen Raum, der irgendwo zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre liegt.

In den Sälen der großen Gasthäuser fand Hochzeit und Leichenschmaus statt, es wurden Theaterstücke aufgeführt, Konzerte gegeben, die ersten Filme an die Wand projiziert und Bildung durch Vorträge vermittelt. Ohne Fernsehen und Radio war man neugierig auf neue politischen und weltanschauliche Ideen. Es wurde diskutiert, aber auch gefeiert und getanzt. Man traf sich in der Wirtschaft mit Gleichgesinnten, tauschte sich aus bei gutem Essen, einem Glas Bier oder Wein oder einem Milchshake.

Die Ausstellung folgt der Geschichte der Tuttlinger Gaststätten, zeigt Bilder, Gläser Krüge, Schilder, Speisekarten und vieles mehr aus den Tuttlinger Wirtschaften.

INFO:

Die Ausstellung "Im Zeichen guter Gastlichkeit" ist im Fruchtkasten, Hugo-Geißler-Saal, Donaustraße 50, bis zum 19. April 2009 zu sehen. Geöffnet ist dienstags, donnerstags, samstags und sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr.