Einweihung Garten der Erinnerung – Rede von EBM Emil Buschle - 20. November 2011


Sehr geehrte Pfarrerin Sigloch,
sehr geehrter Herr Diakon Keinert,
sehr geehrte Damen und Herren,

Totensonntag ist ein Tag der Erinnerung. Ein Tag des Gedenkens und auch der Hoffnung auf das Leben nach dem Tode – und nicht zuletzt deswegen wird er ja auch als Ewigkeitssonntag bezeichnet.

Einen passenderen Termin für unsere heute Veranstaltung gibt es daher fast nicht – und ich freue mich, Sie im Namen der Stadt Tuttlingen hier auf unserem Friedhof begrüßen zu dürfen. Herzliche Grüße soll ich Ihnen auch von unserem Oberbürgermeister Michael Beck ausrichten, der heute leider verhindert ist.

Meine Damen und Herren,
mit der heutigen Feier weihen wir einen neuen Bereich auf unserem Tuttlinger Friedhof ein. Es ist ein weiterer Schritt hin zu einem Friedhof, der sich immer mehr den neuen Formen der Bestattungskultur widmet. Und der so trauernden Angehörigen eine weitere Möglichkeit eröffnet: Sie können jetzt eine weitere Bestattungsform wählen, die ganz persönliche Wünsche berücksichtigt und gleichzeitig ein würdevolles Gedenken ermöglicht.

Die Bestattungskultur, meine Damen und Herren, wandelt sich. Gab es früher zwar regional unterschiedliche aber dennoch vor Ort jeweils übliche Formen der Bestattung, so haben wir heute eine ständig größer werdende Vielfalt.

Dies hat mehrere Gründe: Zum einen ist unsere Gesellschaft heterogener geworden: Menschen verschiedener Herkunft und unterschiedlichen Glaubens leben miteinander und werden auch auf dem selben Friedhof begraben. Und gleichzeitig haben wir es heute mit einer großen Vielfalt der Lebensstile und –entwürfe zu tun, was sich auch nach dem Tode bemerkbar macht.

Tuttlingen war in dieser Hinsicht schon vor vielen Jahrzehnten seiner Zeit weit voraus. Ich darf daran erinnern, dass unsere Stadt eine der ersten war, die im Jahr 1927 ein Krematorium baute und somit auch Urnenbestattungen ermöglichte.

In den letzten Jahren nun kamen auf unserem Friedhof die unterschiedlichsten Angebote hinzu:

- Rasen- und Wiesengräber
- Baumgräber
- Grabstätten für Frühgeborene
- das Grabfeld für Muslime
- Grabkammern

und ab heute auch den Garten der Erinnerung.

Der Garten der Erinnerung bietet eine neue Möglichkeit für alle Menschen, die zwar einerseits ein individuelles Urnengrab für ihre Angehörigen wünschen, andererseits aber nicht in der Lage sind, dieses regelmäßig auch zu pflegen:

– weil sie vielleicht selber gebrechlich sind
– weil es keine weiteren Angehörigen gibt, die bei der Grabpflege helfen können
– oder weil alle Angehörigen weit entfernt leben.

Der Garten der Erinnerung übernimmt somit Aufgaben, die früher im Rahmen eines großen und an einem Ort ansässigen Familienverbundes übernommen wurden – und die in Zeiten der Mobilität und auch der kleiner werdenden Familien immer häufiger zum Problem werden.

Ich bin froh, dass es dieses Angebot auf dem Tuttlinger Friedhof nun gibt. Denn ich bin sicher, dass viele Familien nun von der quälenden Frage befreit sind, wie sie ihren Angehörigen nun eine würdevolle letzte Ruhestätte verschaffen können.

Ich danke daher allen, die sich am Garten der Erinnerung beteiligt haben:

- der Genossenschaft Württembergischer Friedhofsgärtner für den Entwurf
- der städtischen Grünplanung und der Friedhofsverwaltung für die Konzeption und Koordination
- den beteiligten Firmen Annettes Blumenladen, Gärtnerei Hosch, Grabmale Salzmann, Natursteine Sommer, Bildhauer Teufel und Steinmetzwerkstatt Schnell für die Umsetzung
- sowie dem evangelischen Posaunenchor für die Umrahmung der heutigen Feier.

Ich bin sicher, dass alle gemeinsam etwas geschaffen haben, was gut angenommen werden wird und darf nun den Posaunenchor um ein weiteres Musikstück bitten.