Tuttlingen – gut fürs Klima

E-Fahrzeuge des Bauhofs


Tuttlingen fängt beim Klimaschutz nicht bei Null an. Seit 1993 ist die Stadt Mitglied im Klimabündnis der Städte, viele Einzelprojekte wurden seither umgesetzt. Doch um die globale Erderwärmung zu verlangsamen, sind weitere Schritte nötig.

Damals war es ein Nischenthema. Es gab weder „Fridays for Future“ noch „Extinction Rebellion“. Von Flugscham sprach noch niemand, und bei der Idee, dass man eines Tages über ein Plastiktütenverbot reden würde, hätten vermutlich die meisten den Kopf geschüttelt. Trotzdem fällte der Tuttlinger Gemeinderat im Jahr 1993 einen wegweisenden Beschluss: Die Stadt trat dem Klima-Bündnis Europäischer Städte bei. Denn dass es einen Klimawandel gibt und dieser eine Gefahr für die Menschheit darstellt, war bereits damals bekannt.

Die bisherige Bilanz kann sich durchaus sehen lassen. Einer der größten Erfolge wurde bereits 2007 erreicht: Der Energieverbrauch der städtischen Gebäude hatte sich im Vergleich zu 1993 halbiert – deutlich früher als erhofft. Neue Haustechnik, ein Energiemanagementsystem, aber vor allem auch Schulungen für Hausmeister und Nutzer hatten es möglich gemacht.

Weitere Schritte folgten. Die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED gehört hier ebenso dazu, wie die flächendeckende Einführung von Tempo 30 oder die schrittweise Umstellung des städtischen Fuhrparks auf Elektroautos. Die werden – sonst würde die Rechnung nicht aufgehen – ausschließlich mit Ökostrom betankt. Und die SWT beliefern die Stadt und alle Privatkunden schon seit Jahren ausschließlich mit Strom aus regenerativer Erzeugung.

Den nächsten Schritt beschloss jetzt der Gemeinderat: Künftig werden alle Entscheidungen der Stadt auf ihre Klimarelevanz überprüft – in den Sitzungsunterlagen wird dies entsprechend aufgeführt. Der Gemeinderat kann somit zukünftig bei allen Entscheidungen dem Klimaschutz noch mehr Beachtung schenken und Varianten diskutieren. Damit schafft die Stadt die Voraussetzung dafür, das Thema noch breiter aufzustellen. Künftig geht es darum, die Klimabilanz der Stadt insgesamt zu verbessern.

Mögliche Auswirkungen wären: Bei der Planung von Baugebieten könne man zum Beispiel Vorgaben für die Dichte der Besiedlung oder die Art der Energienutzung machen. Und bei der Verkehrsplanung liege es an der Stadt, ob man vor allem das Auto oder auch den ÖPNV , das Fahrrad und den Fußgänger vor Augen habe. Selbst durch die Verpachtung städtischer Grundstücke kann Einfluss auf den Klimaschutz genommen werden. Auch soll die Stadt noch stärker begrünt werden – ein Projekt, das unter dem Titel „Klimafolgen-Anpassung“ läuft. Denn eines ist klar: Trotz aller Anstrengungen wird es wärmer werden.

Solidarität mit den Völkern des Regenwaldes: Das Klimabündnis

Das Klima-Bündnis (vollständiger Name: "Klima-Bündnis der europäischen Städte mit indigenen Völkern der Regenwälder / Alianza del Clima e. V.") wurde 1990 als Netzwerk von Städten, Gemeinden und Landkreisen gegründet. Die Mitglieder verpflichten sich, das Weltklima zu schützen – unter anderem durch eine Halbierung der CO2-Emissionen bis 2030. Dem Bündnis sind mittlerweile 1700 Städte und Gemeinden aus 26 europäischen Ländern beigetreten. Ein inhaltlicher Schwerpunkt des Bündnisses liegt außerdem auf dem Schutz der Lebensgrundlagen der indigenen Völker der Regenwälder – schließlich hatte man schon damals erkannt, dass die Bedeutung der Regenwälder für den Klimaschutz entscheidend ist. Folglich haben sich die Kommunen des Bündnisses auch dazu verpflichtet, ihren Beitrag zum Schutz der Regenwälder zu leisten – unter anderem durch den Verzicht auf die Nutzung von Tropenholz.

Pfandbecher und Stadtradeln: Aktuelle Initiativen für Nachhaltigkeit

Es sind viele kleine Schritte, aber die Gesamtheit macht es aus. In den letzten Monaten hat Tuttlingen mehrere Projekte gestartet, die sich mit Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Müllvermeidung befassen.
  • Auf städtische Initiative wurde auch in Tuttlingen das Pfandbecher-System „Recup“ gestartet. Es soll eine Alternative zu Einwegbechern bieten, die Tag für Tag millionenfach nach einmaligem Gebrauch im Müll landen. Zehn Bäckereien und Cafés machen bislang mit – weitere Mitstreiter werden gesucht.
  • Auf dem Wochenmarkt wurde die Initiative „Tuttlingen plastikfrei“ gestartet. Mehrfach verwendbare Beutel aus Bio-Baumwolle sollen Plastiktüten ersetzen. Eine erste Charge an Beuteln gab die Stadt kostenlos an die Markthändler weiter – Nachschub ist bestellt.
  • Zum zweiten Mal war Tuttlingen beim Stadtradeln dabei – und belegte bundesweit Platz zwei unter den Städten bis 50 000 Einwohner. Die mit dem Rad gefahrenen Kilometer entsprechen einer CO2-Einsparung von 52 Tonnen.