Redensammlung

Verleihung der Staufermedaille an Petra-Schmidt-Böhme, 1.7.2014, Rathaus


Verleihung der Staufermedaille an Petra Schmidt-Böhme
Dienstag, 1. Juli, 19 Uhr
 

) Ablauf- Musikbeitrag
- Begrüßung und Würdigung durch Sie
- Gruß- und Dankesworte
- Musikstück
 
2.) Grußwort
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Frau Schmidt-Böhme,
 
ich begrüße Sie herzlich zu unserer heutigen Feierstunde, die zwei Lehrer unserer Musikschule so wunderschön eingeleitet haben – einen herzlichen Dank an Heinz Imrich und Peter Woelke. Musik und besonders auch unsere Musikschule sind bekanntermaßen eine Leidenschaft von Petra  Schmidt-Böhme – passender hätten wir unsere Feier also nicht beginnen können.
 
Ich begrüße meine Bürgermeisterkollegen
- Emil Buschle
- und Willi Kamm
sowie zahlreiche Vertreter des Gemeinderates.
 
Wie es bei einem kirchlich sehr engagierten Menschen wie Petra Schmidt-Böhme nicht anders zu erwarten war, sind auch die Kirchen heute gut vertreten – stellvertretend begrüßen möchte ich
 für die evangelische Kirche Dekan Sebastian Berghaus und Pfarrer Jens Junginger
für die katholische Kirche Dekan Matthias Koschar und Pfarrer Richard Grotz 
Herzlich willkommen heißen möchte ich auch zahlreiche Verwandte, Freunde und Weggefährten von Petra Schmidt-Böhme und natürlich die zu Ehrende selber.
 
Herzlich willkommen, liebe Petra Schmidt-Böhme.
 
Meine Damen und Herren,
 
unter den Gemeinderätinnen und Gemeinderäten der Stadt Tuttlingen dürfte es keine geben, die der Stadtverwaltung und vor allem mir als Oberbürgermeister über viele Jahre so nahe war wie Petra Schmidt-Böhme. Zumindest, so lange ihr Mann noch praktizierte und auch sie oft in seiner Praxis anzutreffen war – keine zehn Meter Luftlinie von meinem Dienstzimmer entfernt – mit direktem Blick von Fenster zu Fenster.
 
Heute nun, nach über zehn Jahren gemeinsamer kommunalpolitischer Arbeit, darf ich Petra Schmidt-Böhme im Namen und mit den besten Grüßen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Staufermedaille überreichen. Ich überreiche sie damit an eine Kommunalpolitikerin, die sich diesem Amt auf ganz besondere Weise verpflichtet fühlt:
 
Engagiert und streitbar
Stets bestens vorbereitet und kompetent
Nah an den Bürgerinnen und Bürgern mit all ihren Sorgen, Wünschen und Ideen 
20 Jahre gehört Petra Schmidt-Böhme dem Gemeinderat nun an – erst gestern durfte ich sie auf eine weitere, ihre nunmehr fünfte, Wahlperiode verpflichten. Und ich bin sicher: Sie wird auch in den kommenden Jahren entscheidend dazu beitragen, dass man vom Tuttlinger Gemeinderat eines nicht behaupten kann: Dass es langweilig und angepasst zugeht.  
 
Wie mir erzählt wurde, kam sie eher zufällig an das Amt. Genauer gesagt: Es war das Ergebnis einer Zugfahrt Anfang der 1990er-Jahre. Bei Durchhausen und Talheim plante das Land Baden-Württemberg damals eine Sondermülldeponie. In Stuttgart wurde dagegen demonstriert, und im Sonderzug in die Landeshauptstadt saß auch Petra Schmidt-Böhme – schon damals war sie in Umweltfragen sehr engagiert.
 
Mit in der Reisegruppe war Paul Roder, einer der Gründerväter der LBU. Und der sprach damals Dr. Frieder Böhme an, ob er nicht für den Gemeinderat kandidieren wolle – was dieser aus Zeitgründen aber ablehnte. Petra Schmidt-Böhme dagegen sagte spontan ja – und wurde prompt gewählt. Sieben Jahre später löste sie  dann Paul Roder auch als Fraktionssprecherin ab – und bekleidet dieses Amt bis heute.
 
Vor allem durch ihr Amt als Stadträtin und Fraktionssprecherin wurde Petra Schmidt-Böhme zu eine der profiliertesten kommunalpolitischen Persönlichkeiten in Tuttlingen – der Stadt, in die sie im Alter von 34 Jahren gezogen war. Denn in den Jahren davor hatte sich ihr Leben überwiegend im Norden Deutschlands abgespielt.
 
Geboren wurde Petra Schmidt-Böhme in Bonn-Bad Godesberg, in verschiedenen Orten Nordrhein-Westfalen verbrachte sie ihre Kindheit und ihre Jugend. Nach der mittleren Reife absolvierte sie zunächst eine Ausbildung als Kinderkrankenschwester am Klinikum Lüdenscheid.
 
1976 zog es sie noch weiter in den Norden – in der Klinik Bremen-Ost bildete sie sich zur sozialpsychiatrischen Fachkrankenschwester weiter.
 
In Bremen stellten sich entscheidende Weichen für ihr weiteres Leben – und zwar nicht nur beruflich: An der Klinik lernte sie nämlich auch den jungen Psychiater Dr. Frieder Böhme kennen. Nach der Heirat im Jahr 1981 folgten sie ihm nach Heidelberg, Sinzheim – und schließlich in seine Heimatstadt Tuttlingen. Mittlerweile gehörten auch die Kinder Tilman und Lina zur Familie. Ihnen zuliebe stellte sie für einige Jahre ihren eigenen Beruf in den Hintergrund. Inzwischen ist sie wieder regelmäßig in Tuttlingen und Umgebung unterwegs: Als Soziotherapeutin versorgt sie psychisch kranke Menschen. Und dass Petra Schmidt-Böhme die meisten dieser Wege auf dem Fahrrad zurücklegt, braucht man bei ihr nicht besonders erwähnen. Immerhin: Ein e-Bike gesteht sie sich mittlerweile zu.
 
Als wortgewaltige Interessenvertreterin der Fahrradfahrer hat sie sich auch im Gemeinderat einen Namen gemacht. Und an diesem Beispiel wird auch deutlich, wie Petra Schmidt-Böhme an Themen herangeht: Fundiert und vor allem beharrlich.
 
Nun ist Tuttlingen als Industriestadt im ländlichen Umfeld keine klassische Fahrradstadt wie zum Beispiel Freiburg. Und Kommunalpolitik muss sich immer auch an dem orientieren, was mehrheitsfähig und von der Bevölkerung akzeptiert ist. Das schließt Änderungen natürlich nicht aus – sie brauchen aber manchmal etwas Zeit. Und sie brauchen während dieser Zeit auch Menschen, die nicht die Geduld verlieren. Und dafür ist Petra Schmidt-Böhme ein Idealbeispiel.
 
Denn Petra Schmidt-Böhme ist beharrlich – und auch nur bedingt kompromissbereit. Sie lässt sich nur ungern mit halbgaren Lösungen abspeisen – und einwickeln kann man sie schon gar nicht. Denn sie ist eine rundherum aufrechte und klare Persönlichkeit. Manche empfinden sie als streng und manchmal auch scharf  – andere sprechen eher von ihrer norddeutschen Art, die sie auch nach über 30 Jahren im Süden nicht abgelegt hat.
 
Petra Schmidt-Böhme kämpft  für ihre Positionen. Und das mit Nachdruck. Ob es um Umwelt- oder Verkehrsfragen geht, um das Thema Flächenverbrauch und Siedlungsentwicklung – und natürlich um die vielen sozialen Themen. Sie informiert sich, fragt nach und lässt nicht locker. All dies macht sie zu einer engagierten und aktiven Gemeinderätin – auf keinen Fall aber zu einer bequemen. Dass sie und ich schon des Öfteren zusammen gestoßen sind, ist kein Geheimnis.
 
Um es genauer zu sagen: Mit keiner Gemeinderätin bin ich schon so oft zusammengestoßen – wenn man unsere Kollisionen beim Morgenschwimmen im Freibad oder bei der Einweihung des Trampolins in der LURS-Bewegungslandschaft mit dazu rechnet. Ich hoffe, die Verletzungen sind alle wieder komplett verheilt.
 
Meine Damen und Herren,
Petra Schmidt-Böhme ist eine Frau, die viel für ihre Überzeugungen gibt: Die Zeit und Nerven opfert, nie den Weg des geringsten Widerstands geht. Der Begriff der Harmoniesüchtigkeit ist ihr fremd.
 
Das heißt allerdings nicht, dass sie streitsüchtig wäre – im Gegenteil. Fairness steht bei ihr ebenso weit oben auf der Skala wie Aufrichtigkeit. Im Zweifelsfall ist sie eher die Streitschlichterin, die sich zwischen die Parteien stellt. Dies ging sogar schon so weit – so berichtete man mir – dass sie sich bei Demonstrationen zwischen Steinewerfer und Polizisten aufbaute. Im Gemeinderat war dies zum Glück noch nie erforderlich.
 
Diese generelle Friedfertigkeit ist - ebenso wie ihr Einsatz für die Schwachen - natürlich auch ein Resultat ihres Glaubens. Und dass Petra Schmidt-Böhme aktive Christin ist, stellte sie schon mehrfach unter Beweis.
 
So engagierte sie sich in Tuttlingen zunächst nicht in der Politik sondern in der Kirche – genauer gesagt: in der kirchlichen Jugendarbeit. Ab 1992 war sie Vorsitzende des evangelischen Jugendwerks. In diese Zeit fiel unter anderem die Sanierung des Landheims Kraftstein – eine Aufgabe, die das Jugendwerk vor organisatorische und finanzielle Herausforderungen stellte. Unter Petra-Schmidt-Böhmes Leitung wurde das Projekt zum Erfolg.
 
Ihr starkes soziales Engagement wurde auch bei einem weiteren Projekt deutlich: 2004 war sie federführend bei der Gründung der Initiative zur Bestattung Frühgeborener. Es war ihr ein tiefes Bedürfnis, dass Menschen nach solch schweren Schicksalsschlägen die Möglichkeit bekommen, in einer angemessenen Umgebung Abschied zu nehmen und zu trauern.
 
Dieser starke soziale Aspekt ihrer Arbeit ist freilich auch ein Ergebnis ihres Berufes: Wer im sozialpsychiatrischen Bereich tätig  ist, hat Tag für Tag mit Menschen zu tun, die nicht nur auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Die Hilfe brauchen. Und die vor allem eine Stimme brauchen, die ihre Interessen vertritt.
 
Petra Schmidt-Böhme ist eine solche Stimme. Eine laute und deutliche Stimme. Im Gemeinderat, im öffentlichen Leben der Stadt, in der Kirche.
 
Sie ist für Tuttlingen da, die Stadt, die ihr zur Heimat wurde. Und vor allem für die Menschen in dieser Stadt.
 
Es freut mich daher sehr, dass ich Ihnen, liebe Frau Schmidt-Böhme, heute die Staufermedaille als persönliche Auszeichnung des Ministerpräsidenten für Verdienste um das Land Baden-Württemberg überreichen darf.