Square Dance - Kunst im öffentlichen Raum

Einer Kunstausstellung vom 25. Juni bis 31. Juli 2017 mit Studenten der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart in der Tuttlinger Innenstadt

Der Blick von außen wirkt meist belebend: Wer sich eine Stadt neu erschließt, entdeckt oft Dinge, an denen Einheimische achtlos vorbeigehen. Darum empfiehlt es sich, auch die eigene Stadt immer wieder mit dem Blick des Auswärtigen anzusehen – oder gezielt Menschen dazu einzuladen. Zum Beispiel eine Gruppe junger Künstlerinnen und Künstler aus Stuttgart. Das Projekt „SQUARE DANCE“ funktioniert nach genau diesem Muster. Und es ist überraschend, auf welche Ideen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen. Bei der Umsetzung ihrer Ideen benutzen sie die Stadt als Bühne, als Projektionsfläche, als offene Galerie. Bei manchen Werken ist die Stadt nur Kulisse, oft aber auch Teil des Kunstwerks. Und die Tuttlingerinnen und Tuttlinger sind eingeladen, die Kunst zu einem Teil ihres Alltags werden zu lassen und sich mit den dahinterstehenden Gedanken auseinander zu setzen. Denn alle Arbeiten, die wir im Rahmen von „Square Dance“ sehen können, funktionieren nur hier: Sie sind Werke, die in und für diese Stadt entstanden sind – auch wenn sie in den meisten Fällen nur temporären Charakter haben.

1 Jonas Ried "Schönheitsfleck"      
                           

gesetzt am richtigen Eck wird ein           
Makel zum Schönheitsfleck seit
der Renaissance sitzt er auf der
koketten Dame und strahlt dunkel
auf einem Gesicht wie Sahne auch
ein Stück Holz weder Bild noch Skulptur
behauptet sich als Teil der Architektur





2 Theresa Dorn "24/7" Live vom 24.06.- 01.07.2017

Überwachung. Wie weit darf sie private Grenzen unseres Alltags überschreiten? Inwiefern beeinflusst ihre totale Präsenz unser Sein? In einem Selbstversuch über eine Woche stelle ich mich 24 Stunden am Tag der extremen Überwachung auf engstem Raum. Nicht nur über Kameras, sondern auch über die offene Geometrie des Ausstellungsraumes setze ich mich der ständigen Beobachtung durch Passanten in der Tuttlinger Innenstadt aus. Ohne einen bewusst geregelten Tagesablauf werde ich mit bestimmten Emotionen wie Angst, Panik und Selbstzweifel konfrontiert.

          
       
Das Experiment soll als Gegenstand zur Selbstfindung und Identifikation in einer ständig überwachten Gesellschaft dienen.

3 Jochen Fischer "Leierkastenautomat I 2017"

Der Leierkasten war seit Beginn des 18. Jahrhunderts in ganz Europa ein Instrument der Gaukler und Straßenmusiker und oft einzige Einkommensquelle. Der „Leierkastenmann“ ist so gut wie aus dem Stadtbild verschwunden, vielerorts werden Randgruppen bewusst aus der Öffentlichkeit verdrängt, da sie nicht ins Stadtbild passen. Der LEIERKASTENAUTOMAT solidarisiert sich mit den Menschen die am Rande der Gesellschaft leben. Alle im Automaten gesammelten Spenden kommen dem FÖRDERVEREIN WÄRMESTUBE für den Landkreis Tuttlingen e.V. zugute. Die WÄRMESTUBE  in Tuttlingen ist zentraler Anlaufpunkt für Menschen ohne festen Wohnsitz und Menschen die von Obdachlosigkeit bedroht sind.

   












             Granit, Beton, Kastenmelodie I,II,III

4 Markus Gehrig  "23,5 Grad"

KONZEPT UND IDEE: Ein aufgestelltes Bauschild, 3 Meter breit und 2 Meter hoch, auf der „Groß Bruck“ in Tuttlingen, kündigt dem Betrachter eine Projektrealisierung auf der Brücke an. In Wirklichkeit aber handelt es sich um ein fiktives Vorhaben, was der Betrachter jedoch nicht weiß.
Die Drehung einer Straßenleuchte um 23,5° auf der Brücke bedeutet einen subtilen Eingriff in das Gewohnte, eine unterschwellige Veränderung im Alltag, die der zufällig Vorübergehende möglicherweise als solche gar nicht wahrnehmen würde. Es gibt einen Fehler im System, der nur auffällt, wenn man genau hinsieht. Über ein Infotelefon wird ein Anrufbeantworter geschaltet, der Fragen und Kommentare der Bürger aufnimmt. Diese Tonaufnahmen dienen als Dokumentation der Reaktionen auf das geplante Bauvorhaben und werden zum Teil der Arbeit.
KONSTRUKTION:                                        
Das Bauschild  ist eine Holzpfostenkonstruktion, auf der ein Plakat befestigt wird. Dieses wird als Digitaldruck gefertigt, um ein reales Bauvorhaben zu suggerieren.

          
 5 Lis Klein "Stacked"
                                                                 "Aus vielen Einzelteilen zusammengesetzt ist eine einfache und dennoch komplexe Skulptur entstanden.

Die Methode der Stapelung lässt zwischen den Schichten Freiräume entstehen und die einzelnen Elemente kommen trotz der massiven Anmutung zur Geltung."
                                                              


6 Hyunjeong Ko "Irgendwann wird sie auch verschwinden"

Ende des 19. Jahrhundert brannte die komplette Innenstadt von Tuttlingen ab. Die Künstlerinhat mit  blauer Farbe die Grundrisse der alten Gebäude auf dem Marktplatz nachgezeichnet. Sie möchte auf diese Weise an die Geschichte von Tuttlingen erinnern.

















7 Christoph Kuttner "De-Quadratur"

Ausgehend vom quadratischen Grundriss Tuttlingens wird durch abstrakte Formen und Körper die vermeintliche Symmetrie der Stadt aufgebrochen.
Rätselhaft verschlungen weisen die zeichenhaften Straßenschilder auf die Hinterhöfe und Innenstrukturen der einzelnen Quadrate hin.
Dieser Kontrast schafft einen zweiten, tieferen Blick auf die Umgebung und lädt den neugierigen Besucher zum Erkunden ein.















8 Gaku Nakano "Beständige Straße"      

Bei der Sanierung der Fußgängerzone fallen die reparierten Stellen im Straßen-belag als Überreste der Vergangenheit auf, welche komplett verschwinden würden. Darum kam mir die Idee, diese Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart zu bewahren, indem ein Monument der alten Straßenpflaster auch nach der Sanierung als Straße fortbesteht.



9 Caroline d'Orville "Organis"
     
  Das Projekt "organis" transformiert
  die Orgel der Stadtkirche Tuttlingen
  durch grafische Auseinandersetzungen
  in eine musikalische Notation, die am
  Tag der Vernissage auf eben dieser 
  Orgel performt wird. Die Materialität
  der Orgel (z.B. Holz, Orgelmetall, Zink,
  Kupfer, Rinderknochen) wird hierbei
  berücksichtigt. Die Visualisierung lässt
  Entsprechungen im musikalischen Raum
  zu: Tonhöhen, Klangfarben, Dynamik,   
  Tempo, Rhythmik, Charakter, 
  Artikulation etc. Aufgrund dieser
Untersuchung ermittle ich Gesetzmäßigkeiten nach denen die Partitur entsteht.

10 Carmen Weber "Erweiterungen"

 "Die Arbeit befasst sich in Form eines performativen Versuches mit der Wirkung des öffentlichen Raumes auf die persönliche zeichnerische Tätigkeit. Die zentralen Aspekte dieses Versuches sind die gedanklichen und motorischen Veränderungen, die sich im Verlauf von Ruhe- und Unruhezuständen in öffentlichen Räumen ergeben können. Carmen Weber hat hierfür mehrere Male ihre alltägliche Tätigkeit des Zeichnens auf Lithografiesteinen in verschiedene öffentliche Locations wie Cafes etc. (Orte, an denen diese Tätigkeit nicht dem Alltäglichen entspricht) verlagert,  um Situationen der Unsicherheit herauszufordern."















11 Laura Becker "Neu in Tuttlingen Geschichten einer Fremden"

 In meinem Projekt „Neu in Tuttlingen“, starte ich den Selbstversuch als absolut Orts-Fremde die Stadt mit all ihren Eigen-heiten und Menschen zu entdecken. Dabei werde ich alles, was ich erlebe und
entdecke so detailliert wie möglich aufschreiben und Auffälligkeiten skizzieren. Diese Beobachtungen werden dann in Form von Tagebucheinträgen im Schaufenster (Obere Hauptstraße 8) aushängen, sodass die Tuttlinger meine Entdeckungstour mit „ihrer Stadt“ detailliert verfolgen können.

2. Lesungstermin 10. Juli 19.00 Uhr beim Baubüro, Obere Hauptstraße 8

12 Valentino Biagio "Lichtecho"


Mit einem Lichtecho wird Unsichtbares sichtbar. 
Eine echoartige Streuung des Lichtes wird durch vier runde flache Spiegel in Tuttlingen erzeugt und durch dunklere Stadtwinkel geleitet. Strahlen der Sonne gehen auf diese Spiegelkonstellation zwischen 12:00 Mittags bis ca.13:30 ein, sodass zu diesem Zeitpunkt ein Lichtstrahl an der hinteren Treppe im Rathaus wandert. Das Lichtecho wandert von der Fußgängerzone (Bahnhofstr.) durch den Innenhof  des Rathauses und gelangt in der ausgerichteten Zeitspanne in den hinteren Bereich des Rathauses hinein.















13 Shirley Cho "Der Nase nach"

Folgen Sie der Nase und entdecken
Sie die Besonderheiten der Stadt
Tuttlingen aus neuen Perspektiven.

 







14 Damaris Wurster "Leuchtkasten/ Tuttlinger Erde-Fotografie"

 An verschiedenen Orten in Tuttlingen und Umgebung wurde unbelichteter Film vergraben. Nach zwei Wochen wurde der  Film ausgegraben und ans Licht gezogen. Die Witterung veränderte die Oberfläche und ließ Bilder entstehen.








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