Das pädagogische
Konzept 

Früher war alles anders. Der Schulalltag war von Frontalunterricht geprägt, Fachräume erinnerten eher an Hörsäle, und Ganztagesunterricht war im Deutschland der 1960er-Jahre ein Fremdwort. Vor diesem Hintergrund wurden einst auch IKG und OHG geplant. Wie aber transportiert man solche Schulgebäude in die Gegenwart? Und ist zeitgemäßer Unterricht in solchen Bauten überhaupt möglich?

Die Planer standen daher vor zwei Aufgaben, die unterschiedlicher nicht sein können: Einerseits sollten sie ressourcenschonend im Bestand sanieren. Und andererseits sollten sie Schulgebäude entwickeln, die heutigen pädagogischen Vorstellungen gerecht werden. Eigentlich eine Unmöglichkeit. Was die Aufgabe aber etwas lösbarer machte: Sowohl beim 1964 - 1967 erbauten IKG als auch beim 1977 eingeweihten OHG gibt es jeweils eine Besonderheit, die jetzt zum Vorteil wurde: Im IKG sind die Klassenzimmer deutlich großzügiger bemessen als heute üblich. Mit knapp 80 Quadratmetern bieten sie also viel Raum für flexible Nutzungen. Und im OHG gab es so gut wie keine tragenden Innenwände, so dass man bei der neuen Einteilung der Räume weitgehend freie Hand hatte.

Innenansicht des IKG

Was aber macht nun eine neue Schule aus? Um diese Frage ging es bereits 2014 in mehreren Workshops, in denen Lehrer, Schüler und Vertreter der Stadt gemeinsam mit den Planern von bueroschneidermeyer erste Konzepte erarbeiteten. Diese flossen dann in die aktuelle Planung des Büros Krug Grossmann Architekten ein.

Das Ergebnis: Wie eine neugebaute Schule ermöglichen auch die sanierten Gebäude von OHG und IKG einen Unterricht, in dem Differenzierung, individuelles Lernen und Gruppenarbeit eine zentrale Rolle spielen. Auch die Anforderungen, die Inklusion, Ganztagesunterricht und Teamentwicklung stellen, wurden berücksichtigt.

Innenansicht des OHG

Was aber heißt das konkret? Ein paar Beispiele:

  • Die Klassenzimmer sind in beiden Schulgebäuden jeweils für ein oder zwei Jahrgangsstufen zu Clustern zusammengefasst. Pro Cluster gibt es für Gruppenarbeit, Austausch und Begegnung der Schülerinnen und Schüler einen eigenen Differenzierungsraum im OHG beziehungsweise Differenzierungsinseln und offene Lernbereiche in den weiten Fluren des IKGs.
  • Die Fachräume im Turm des IKG wurden komplett umgestaltet. Auch sie bilden jetzt Raumgruppen, die flexibel und fächerübergreifend genutzt werden können, so dass es viel Platz für Gruppenarbeit und Experimente gibt.
  • Zusätzlicher Raum am OHG wurde durch den Anbau geschaffen. In ihm sind vor allem Fachräume untergebracht, die über kurze Wege zu den Jahrgangsclustern schnell von allen Schülerinnen und Schülern erreicht werden.
  • Eine seltene Besonderheit auf dem Schulcampus bildet der gemeinsame Kursstufentrakt. Durch die Kooperation beider Gymnasien in der gemeinsamen Kursstufe können die Schülerinnen und Schüler auf ein deutlich breiteres Kursangebot zurückgreifen.
  • Für schulische Veranstaltungen bieten die Aula der Gymnasien und das Lernatelier im IKG sowie die Mediothek im OHG beste Voraussetzungen für alle denkbaren Zwecke, vom Schülergottesdienst bis zur professionellen Musicalproduktion.

Das moderne pädagogische Konzept schlägt sich aber nicht nur in der Architektur nieder: Beide Schulen sind auch komplett digitalisiert. So gibt es in jedem Klassenzimmer interaktive Smartboards. Auch wurden beide Schulgebäude voll verkabelt, so dass es überall eine stabile Internetverbindung gibt – auch im IKG mit seinen massiven Betonwänden.

Innenansicht des IKG

Ihre ursprüngliche Architektur sieht man beiden Gebäuden weiterhin an. Das ist auch so beabsichtigt. Schließlich erinnert sie an die Zeit der Bildungsreformen der Nachkriegszeit – und an ihr Ziel, Bildung für alle zu ermöglichen. Gleichzeitig stehen sie auch für moderne Ansätze. Um es mit den Worten des Konzepts von 2016 auszudrücken: Auf der Grundlage der Gegebenheiten wurden die Schulen „neu erfunden.“