Redensammlung

Verleihung der Staufer-Medaille an Frau Dr. Ulrike Martin – Dienstag, 2. Oktober 2018 – 18.30 Uhr - Rathaus


Sehr geehrte Damen und Herren,
ich begrüße Sie herzlich zur Verleihung der Staufer-Medaille an Dr. Ulrike Martin.
Besonders begrüße ich den Laudator des heutigen Abends, den Minister der Justiz und für Europa des Landes Baden-Württemberg, unseren Landtagsabgeordneten Guido Wolf.
Ich heiße die Ortsvorsteher Herwig Klingenstein und Franz Schilling herzlich willkommen – und natürlich zahlreiche aktive und auch ehemalige Mitglieder des Gemeinderates.
Ich begrüße Dekan Sebastian Berghaus als Vertreter der evangelischen Kirche und Dieter Meyer, den Gesamtleiter und pädagogischen Vorstand von Mutpol.
Herzlich willkommen heiße ich auch alle persönlichen Gäste von Dr. Ulrike Martin – ihre Familie, viele Freunde und Bekannte, Mitstreiter und Weggefährten.
 
Meine Damen und Herren,
erst vor zwei Tagen lud Mutpol zum Tag der offenen Tür. Bei wunderbarem Herbstwetter konnte man erleben, wie eine moderne Jugendhilfeeinrichtung arbeitet. Man sah, wie vielfältig die Aufgaben sind. Und vor allem wurde deutlich, was für eine wertvolle Arbeit dort geleistet wird. Denn die Arbeit von  Mutpol kommt vor allem den Kindern und Jugendlichen zu Gute, die uns besonders am Herzen liegen müssen – weil sie mehr als andere auf solche Unterstützung angewiesen sind.
Wer am Sonntag bei Mutpol war, war beeindruckt. Und hinter einer besonderen Einrichtung wie Mutpol stehen immer auch besondere Menschen – und einen solchen Menschen ehren wir heute: Dr. Ulrike Martin. Denn ohne sie gäbe es Mutpol in dieser Form sicher nicht. Man kann es auch so ausdrücken: Sie ist die Mutter von Mutpol.
 
Mutpol ist eine Einrichtung, die sich die Hilfe für Schwächere auf die Fahnen geschrieben hat. So etwas funktioniert nur mit viel Engagement, Empathie und auch Herzlichkeit. Es braucht Ausdauer und Beharrlichkeit. Und all dies trifft auch Dr. Ulrike Martin selber zu. Und weil sie all diese Eigenschaften im Sinne der Allgemeinheit einsetzt, wird sie heute geehrt. Mit der Staufermedaille – einer persönlichen Auszeichnung des Ministerpräsidenten. Verliehen wird sie – so heißt es in den Kriterien des Landes - für  „Verdienste um das Gemeinwohl, die über die eigentlichen beruflichen Pflichten hinaus erworben wurden und über viele Jahre hinweg erbracht worden sind.“
Auf den Werdegang und die Verdienste von Dr. Ulrike Martin wird Minister Guido Wolf gleich näher eingehen. Ich möchte daher nur kurz schildern, wie ich sie seit vielen Jahren erlebe, wie sich ihr Wirken hier in Tuttlingen niederschlägt.
 
Der etwas sperrige Begriff der Verwaltungsratsvorsitzenden beschreibt nur unzutreffend das, was Dr. Ulrike Martin für Mutpol leistet. Seit 2000 bekleidet sie diesen Posten – und zwar ehrenamtlich. Gemessen am zeitlichen Aufwand und vor allem der Verantwortung hat dies aber nur wenig mit einem herkönmmlichen Ehrenamt zu tun. Genauso, wie der Mutpol e.V. auch mehr ist als ein Verein. Mutpol ist ein mittelständisches Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitern. Und Dr. Ulrike Martins Tätigkeit könnte auch mit der einer Aufsichtsratsvorsitzenden vergleichen. Denn sie ist die Repräsentantin von Mutpol schlechthin. Dass sie in Tuttlingen bestens vernetzt ist, kommt ihr und dem Verein dabei entgegen.
Als sich das ehemalige Kinderdorf im Jahr 2004 umbenannte, war Dr. Ulrike Martin es, die den neuen Begriff „Mutpol“ mit erfand. Seither steht auch ein Leuchtturm als Logo für die Einrichtung – ein Symbol, das für Orientierung steht. Für ein Ziel, das man erreichen will und auch kann – auch wenn der Weg dorthin vielleicht schwierig und voller Risiken ist. Und so, wie Mutpol vielen jungen Menschen zu dieser Orientierung verhilft, so gibt Dr. Ulrike Martin dem Verein Orientierung. Und dies tat sie vor allem in den schwierigen Jahren der Umstrukturierung. Diese begann 2000 – da war Dr. Ulrike Martin war gerade erst Verwaltungsratsvorsitzende geworden.  Und ich erinnere mich noch gut an die Verhandlungen, als es darum ging, welche Grundstücke an die Stadt verkauft werden. Wo Mutpol sich weiter entwickelt, wo Mutpol in eigener Regie Wohnhäuser baut. Das Ergebnis sehen wir heute in der Nordstadt. Hier hat Dr. Ulrike Martin aktiv an der Stadtentwicklung mitgearbeitet. Und dass eine der dort neu angelegten Straßen den Namen „Astrid-Lindgren-Straße“ trägt, war auch ihre Idee.
 
Der Name passt zu ihr, ihren Ideen, ihrem Handeln. Denn bei Astrid
Lindgren denkt man an verschiedene Bilder:
-      An die heile und beschützte Welt in Bullerbü.
-      An die freche und unangepasste Pippi Langstrumpf.
-      Und an verschrobene und nicht immer einfach Charaktere wie Karlsson vom Dach.
In Dr. Ulrike Martin findet sich vieles davon wieder. Sie ist der Familienmensch, die Mutter, die ihrer Familie das behütete Umfeld gab und gibt, wie man es aus den Bullerbü-Büchern kennt – für ihre Kinder, ihren Mann Dr. Helmut Martin – und auch gleich noch dem ganzen Team seiner Praxis. 
Sie ist aber auch mutig, unerschrocken und mit dem Herz stets an der richtigen Stelle - wie das freche Mädchen Pippi mit den Zöpfen.
Und weil ihr das Leben viel gab, ist es ihr ein Bedürfnis, auch denen etwas zu geben, die weniger Glück haben – auch denen, die es einem nicht einfach machen, die unangepasst oder schwierig sind – die Karlssons dieser Welt eben.
 
Wer sich für andere engagiert, muss auch kämpferisch sein – auch wenn es unbequem ist. Und so erlebe ich Dr. Ulrike Martin seit vielen Jahren im Gemeinderat. Seit 2004 ist sie Stadträtin, seit Dezember 2017 auch Vorsitzende der LBU-Fraktion. Und es sind diese ganz besonderen Momente in Gemeinderatssitzungen, wenn Dr. Ulrike Martin den Moment gekommen sieht, um einer Diskussion eine etwas andere Richtung zu verleihen. Sie hört immer lange zu. Sie meldet sich nicht wegen jeder Kleinigkeit. Aber wenn sie es für nötig hält, dann wird sie umso deutlicher. Sie sagt es offen, wenn sie etwas ärgert. Sie scheut keine Auseinandersetzung mit anderen Stadträten. Sie ist aber nie verletzend. Sie bleibt – bei aller  Deutlichkeit in der Sache – immer versöhnlich und umgänglich. Um ihre Position deutlich zu machen, braucht sie weder Aggressivität noch Lautstärke – eine ruhige und gleichzeitig brillante  Art der Argumentation reicht ihr völlig aus. Und die dafür nötige Kompetenz bringt sie ohnehin mit – egal, ob es um ihre Kernthemen Kinder, Schulen und Soziales geht oder um Fragen der Stadtentwicklung, des Verkehrs oder des Umweltschutzes.
 
Meine Damen und Herren,
der Einsatz für andere begleitet Dr. Ulrike Martin ihr Leben lang. In einer Arztfamilie wuchs sie in Idar-Oberstein auf, sie selber studierte Medizin. Und auch, wenn sie nur wenige Jahre selber als Ärztin praktizierte, hat sie dieses dem Beruf eigene Bedürfnis, anderen zu helfen, zutiefst verinnerlicht.
Die Stadt Tuttlingen und viele, vor allem junge Menschen, haben davon über all die Jahre profitiert. Und daher freue ich, dass dieses Engagement heute mit der Verleihung der Staufer-Medaille angemessen gewürdigt wird.

Michael Beck, Oberbürgermeister

02.10.2018, Tuttlingen

Es gilt das gesprochene Wort.