Redensammlung

Verleihung der Staufermedaille an Herbert Tiny - 10. April 2017
Rede von Oberbürgermeister Michael Beck


Sehr geehrte Damen und Herren,
 
ich begrüße Sie herzlich zur Verleihung der Staufermedaille an Herbert Tiny.
 
Besonders begrüßen darf ich als Vertreter des Landes unseren  Abgeordneten, Justizminister Guido Wolf. Er wird nachher stellvertretend für Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Ehrung vornehmen.
 
Als weiteren Abgeordneten begrüße ich Lars-Patrick Berg.
 
Ich freue mich, dass meine Kollege Emil Buschle heute hier ist, ebenso die Vertreter des Gemeinderates – einem Gremium, dem Herbert Tiny ja selber über viele Jahre angehört hat.
 
Herbert Tiny wird heute für sein vielfältiges Engagement geehrt. Und Herbert Tiny engagiert sich in unterschiedlichen Bereichen. Zahlreiche seiner Weggefährten sind heute hier, zwei von ihnen möchte ich stellvertretend für alle begrüßen
 
Als Vertreter der Sports den TG-Vorsitzenden Thomas Ulrich
Und als Vertreterin des Narrenvereins Honberger die Ehrenpräsidentin Brigitte Wiede
 
Ich freue mich, dass Herbert Tinys Familie heute vollständig anwesend ist:
 
Seine Frau Irmgard Tiny
Seine Tochter Susanne Tiny
Und sein Sohn Ulrich Tiny
 
Und last not least ein besonderer Gruß an den Mann, der im Mittelpunkt unseres heutigen Abends steht: Herbert Tiny
 
Lieber Herr Tiny,
meine Damen und Herren,
 
wer man etwas über Tuttlingen erfahren möchte, über die Stadt, ihre Menschen, ihre Geschichte und ihre Anekdoten, hat man mehrere Möglichkeiten:
 
Man kann danach googeln
Man kann sich durch sämtliche Ausgaben der Tuttlinger Heimatblätter durcharbeiten
Oder man kann einfach Herbert Tiny fragen. Und letztere Variante ist zuverlässiger als die erste und schneller als die zweite.
 
Ich kenne nur wenige Menschen, die sich so intensiv mit der Stadt auseinandergesetzt haben wie er, die sich so stark mit Tuttlingen identifizieren  - und umso erstaunter  war ich, als ich eines Tages erfuhr, dass Herbert Tiny gar kein gebürtiger Tuttlinger ist: Er stammt aus dem donauschwäbischen Ort Stefansfeld. Es liegt im Banat, gehört heute zu Serbien, und wie viele andere musste die Familie von Herbert Tiny nach dem Zweiten Weltkrieg fliehen. Nach einer Zwischenstation in der Nähe von Passau kam er 1955 im Alter von 15 Jahren nach Tuttlingen.
 
Vielleicht  sind es gerade die Menschen, die ihre Heimat verloren haben, die dann eine neue Heimat so richtig zu schätzen wissen. Die erkennen, was es bedeutet, sich einem Ort zugehörig zu fühlen. Die nach dem Verlust ihrer ursprünglichen Heimat der neuen Heimat mit viel mehr Liebe und Begeisterung entgegen  treten als manche, für  die diese schon immer selbstverständlich war.
 
Herbert Tiny wurde in Tuttlingen aufgenommen – und er hat Tuttlingen viel zurückgeben, wofür er  heute geehrt wird. Seinen Werdegang, seine Leistungen und Verdienste als Sportler, Fasnetsmensch, Stadtgeschichtler und Kommunalpolitiker wird nachher Guido Wolf in seiner Laudatio genauer schildern. Lassen Sie mich daher auf ein paar persönliche Erlebnisse und Eindrücke eingehen.
 
Kennen gelernt habe ich Herbert Tiny zunächst als Gemeinderat. Von 2004 bis 2014 gehörte er dem Gremium als Mitglied der FW-Fraktion an. Dort war er nie der verbissene Streiter, er hatte vielmehr eine ausgleichende Funktion. Denn wenn es einen Menschen gibt, der tief in seiner Mitte ruht, dann ist es Herbert Tiny - vielleicht liegt’s ja an der Arbeit in seinem Schrebergarten. Verbissenheit ist ihm fremd. Ihm lag eher etwas daran, die Stimmung im Gremium aufzuheitern und zu verbinden. Auf jeden Fall ist er der einzige mir bekannte Gemeinderat – und im Laufe der Jahrzehnte habe ich viele erlebt – der sich regelmäßig in Reimform einbrachte: Wenn eine Sitzung auf den 11.11. fiel – und sogar zum Haushaltsplan.           
 
Das soll nicht heißen, dass er seine Pflichten als Gemeinderat nicht ernst  nahm – im Gegenteil. Er war ein Muster an Pflichtbewusstheit. Wenn Fraktionskollegen mal ausfielen, sprang er auch kurzfristig ein, damit bei den Ausschusssitzungen kein Platz leer blieb. Und aus Kreisen der Fraktion wurde mit berichtet, dass er in den Vorberatungen immer als erster im Fraktionszimmer war. Wenn er – was selten vorkam - mal später erschien und seine Fraktionskollegen vor ihm ins FW-Zimmer kamen, glaubten sie erst einmal, sie hätten sich im Kalender vertan.
 
Thematisch war Herbert Tiny vor allem ein engagierter Interessenvertreter der Senioren – was er ja bis heute im Seniorenrat ist. Auf politischer Ebene setzte er sich hartnäckig für ihre Rechte ein – gerade für die der weniger betuchten Senioren. Dass Tuttlingen heute – analog zum Familienpass – auch einen Seniorenpass hat, ist auch sein Verdienst. Mit der gleichen Hartnäckigkeit setzte er sich für den Sport ein – schließlich ist er ja auch ASV-Ehrenpräsident und Run&Fun-Organisator.  
 
Während seiner aktiven Zeit als Gemeinderat war Herbert Tiny mit Abstand der häufigste Gast in der Geschäftsstelle des Gemeinderats. Er war so oft im Rathaus anzutreffen, dass viele davon ausgingen, er arbeite hier – und wunderten sich vermutlich, dass er beim Betreten des Rathauses nicht einstempelte. Seine häufigen Besuche im Rathaus pflegt er bis heute – nur dass er jetzt nicht mehr als inoffizieller Mitarbeiter der Geschäftsstelle Gemeinderat unterwegs ist, sondern der Abteilung Tourismus. Dort ist er bis heute fast jeden Tag anzutreffen.
 
Dies hängt freilich mit seiner nächsten Leidenschaft zusammen: Der Stadtgeschichte. Als Stadtführer bringt er Einheimischen und Gästen die Geschichte Tuttlingens nahe – lebendig, kompetent und immer mit vielen  Anekdoten gewürzt. Seine ganz besondere Liebe gilt dabei dem Honberg. Er ist unser „Mister Honberg“ – als offizieller Honbergwächter, Turmführer und Hüter der gelben Fahne. Die hisst Herbert Tiny nämlich persönlich – und zwar immer dann, wenn vom Witthoh aus die Fernsicht bis zu den Alpen möglich ist. Für ihn ist der Honberg, unsere Burg mitten in der Stadt, ein verborgener Schatz, den es noch zu heben gilt. „Tuttlingen macht zu wenig aus dem Honberg“ – dieser Satz ist sein Credo. Und er kämpft dafür, dass der Honberg  noch stärker bespielt wird, stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung kommt. In seinen Augen arbeiten wir als Verwaltung da viel zu langsam. Wenn es nach ihm ginge, gäbe es auf dem Honberg schon längst ein perfektes Trauzimmer nebst Speisesaal, und der Standesbeamte würde im Gewand des Burgvogts alle Tuttlinger Ehen dort schließen. Idealerweise würde sogar das Klinikum seine Geburtsstation auf den Honberg verlegen, damit alle Tuttlinger Kinder künftig auf der Burg das Licht der Welt erblicken.
 
Die besondere Affinität zum Honberg hat natürlich auch etwas mit seiner nächsten großen Liebe zu tun: Als Ehrennarrenrat der Honberger hat er einen ganz besonderen Bezug zu dem Ort, an dem das „Kischtemännle“ schläft. Er und Brigitte Wiede sind bis heute das Dreamteam der Tuttlinger Fasnet – und das bekomme ich jährlich am Schmotzigen zu spüren. Auch wenn sich die Vorwürfe der beiden stets als völlig haltlos erweisen und sie nach meiner Absetzung noch nie danach die Amtsgeschäfte im Rathaus übernommen haben: Eine Rathausbefreiung ohne Herbert Tiny – das wäre wie Tuttlingen ohne Honberg. 
 
Lieber Herbert Tiny, auch wenn Sie und Ihre Mitstreiter mich schon ein gutes Dutzendmal aus dem Amt gejagt haben – ich freue mich, dass Sie heute diese Ehrung erhalten. Ich wünsche Ihnen noch viele schöne Jahre – als Mann des Sports, der Fasnet, und der Heimatgeschichte. Und immer, wenn ich vom Rathaus aus die gelbe Fahne auf dem Honberg wehen sehe weiß ich: Heute ist das Wetter gut – und Herbert Tiny ist wohlauf. Alles Gute!