Ortsvorsteher Klingenstein verabschiedet - OB Beck: „Er liebt Möhringen innig“


Herwig Klingenstein, bisheriger Ortsvorsteher von Möhringen und langjähriger SPD-Stadtrat, wurde am Donnerstag von OB Michael Beck feierlich verabschiedet. Beck würdigte vor allem Klingensteins Verdienste um den badischen Stadtteil: „Er liebt Möhringen innig.“


Abschiedsfeier: OB Michael Beck, Herwig Klingenstein, Vera Klingenstein. Als Geschenk für den Weinkenner gab’s Weine aus den Partnerstädten.

Allein schon die Zahlen sind beeindruckend: 43 Jahre war Klingenstein Gemeinderat – zunächst in der noch selbstständigen Stadt Möhringen, dann in Tuttlingen. 38 Jahre war er Ortschaftsrat, zehn Jahren war er Ortsvorsteher. „Wir haben viel miteinander erlebt“, so Beck, „da fällt mir der Abschied nicht leicht.“

In seiner Würdigung zitierte Beck den früheren SPD-Fraktionsvorsitzenden Prof. Erich Weber, der Klingenstein einmal eine „große physische und emotionale Kraft“ sowie „Mut zu Risiko und Widerspruch“ attestierte. „All dies kann ich unterstreichen.“ Bemerkenswert sei aber auch die Energie, die Klingenstein über all die Jahre an den Tag gelegt habe: Neben dem Hauptberuf als selbstständiger Bauunternehmer und nebenberuflicher Ölhändler sei er stets im Interesse Möhringens unterwegs gewesen. Und dies nicht nur in der Kommunalpolitik sondern auch in zahlreichen Vereinen. Becks Dank galt daher auch besonders Klingensteins Frau Vera, die dieses Engagement immer mitgetragen habe. „Er liebt Möhringen innig“, so Beck, und aus Verantwortung für Möhringen aber auch Tuttlingen sei er auch bereit für Kompromisse gewesen. „Ich bedaure, dass dies vom Wähler möglicherweise nicht honoriert wurde.“

Klingensteins Nachfolger, Ortsvorsteher Günther Dreher, würdigte ebenfalls Klingenstein Leistungen: „Er hat sich um Möhringen gekümmert, er hat gezeigt, dass er ein Schaffer ist.“ Dem „Altmeister Klingenstein“ attestierte er ein „enormes politisches Wissen und ein beeindruckendes Durchhaltevermögen.“ Die Art des Abschieds aus dem Amt bedauere er sehr.

SPD-Stadträtin Susi Hein erinnerte daran, dass Herwig Klingenstein schon zu ihren Kinderzeiten ein Begriff war. „Als Kind dachte ich, der Herwig kann alles regeln.“ In all den Jahren als Kommunalpolitiker sei er nie nur ein „Grüß-Gott-August“ gewesen, vielmehr sei er ein „toleranter, spontaner und weltoffener Mensch“, von dem viele profitierten.

Klingensteins Amtsvorgänger Michael Seiberlich blickte süffisant aus „44 Jahre Streit“ zurück. Über Jahrzehnte seien er und Klingenstein die „Gegenpole in Möhringen gewesen. Klingenstein sei dabei immer ein „Kämpfer, der Möhringen liebt“, gewesen – und auch unter dem früheren SPD-Ortsvorsteher Hegele habe der Sozialdemokrat Klingenstein aktive Oppositionspolitik betrieben.

In seinen Dankesworten blickte Klingenstein vor allem auf die Eingemeindung zurück, die er als letzter noch aktiver Stadtrat erlebte und mitgestaltete. „Wir haben damals einen guten Vertrag ausgehandelt – und Tuttlingen hat alles eingehalten“, bilanzierte er: „Wir sind heute eine Stadt.“ Die Abwahl habe er mittlerweile überwunden: „Das ist das Los des Politikers. Auch Helmut Kohl organisierte erst die lang ersehnte deutsche Einheit und wurde dann ein paar Jahre später in die Wüste geschickt.“