Erfolgsmodell Jugendbus: Der Treff auf vier Rädern kommt gut an – Modell für andere Städte


Seit gut zwei Jahren ist der Tuttlinger Jugendbus unterwegs. Für die städtische Jugendarbeit hat er neue Perspektiven eröffnet – und wird mittlerweile von anderen Städten als Modell aufmerksam betrachtet.


Zu Besuch im Berufsschulzentrum: Der Jugendbus

Auf manche Termine freuen sich die Jugendsozialarbeiter  Florian Rieß und Marius Schad ganz besonders: Zum Beispiele jene, bei denen der Jugendbus auf den Schulhof von Fritz-Erler- und Steinbeisschule rollt. Denn hier treffen sie sehr viele alte Bekannte wieder: Jugendliche, die aus dem Jugendtreff-Alter zwar herausgewachsen sind, aber nach wie vor viel mit den Sozialarbeitern zu bereden haben: Mal geht es um den Übergang von der Schule in den Beruf, aber auch über heiklere Dinge wie Sucht oder Mobbing wird gesprochen. Ort der Gespräche: Der schwarze Jugendbus.

„Der Bus ist bekannt, es kommen sofort sehr viele auf uns zu!“, so Florian Rieß. Und der Bus erfüllt dabei zwei Aufgaben: Zum einen ist er ein Markenzeichen der Tuttlinger Jugendarbeit geworden. Zum anderen ist er das ideale Vehikel für das, was Sozialarbeiter „aufsuchende Jugendarbeit“ nennen. Anders ausgedrückt: Man wartet nicht an einem festen Ort, bis die Jugendlichen kommen. Man geht direkt zu ihnen – oder besser: Fährt und bringt auch gleich einen rollenden Treffpunkt mit. Und die Hemmschwelle diesen zu nutzen, ist deutlich geringer als bei einem Jugendhaus.

„Je mehr wir unterwegs sind, desto mehr bekommen wir von den Jugendlichen mit“, so Daniela Alber-Bacher, Leiterin der Abteilung Jugend und Soziales. Und darum steuert der Jugendbus gezielt die Orte an, an denen sich Jugendliche ohnehin aufhalten: Schulhöfe, das Umläufle, die Innenstadt oder im Freibad. Auch bei Veranstaltungen wie “Run & Fun“ ist er vor Ort. Mittlerweile dürfte der Bus so bekannt sein wie nur wenige Fahrzeuge in der Stadt: „Jedes Tuttlinger Kind, jeder Jugendliche und die meisten Erwachsenen mit Kindern im entsprechenden Alter kennen unseren Bus“, so Alber-Bacher.

Der flexibel einsetzbare Jugendbus passt gut zum generell geänderten Konzept der Tuttlinger Jugendarbeiter. Die zuvor klare Trennung zwischen Schulsozialarbeit und offener Jugendarbeit wurde aufgelöst – alle der zwölf Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter sowie die drei in der Abteilung Jugend Studierenden sind irgendwann mit dem Bus unterwegs. So erreicht man noch mehr Jugendliche. Denn diese können gezielt die- und denjenigen aus dem Team ansprechen, zu denen das größte Vertrauen besteht. Die Arbeit mit den Jugendlichen ist individueller geworden, strenge Zuständigkeiten wurden aufgehoben.

Mittlerweile macht das Tuttlinger Modell Schule: „Andere Städte fragen bei uns nach, wie wir das machen“, sagt Daniela Alber-Bacher. Eine Frage, die dabei immer wieder gestellt wird: Braucht man dann eigentlich noch das Jukuz? „Auf jeden Fall“, sagt Alber-Bacher. „Für feste Treffs und Gruppen ist ein stationärer Ort nach wie vor wichtig. Und vor allem: Jugendtreffs, zu denen 50 bis 60 junge Leute kommen, würden gar nicht in den Bus passen. Der Trend dürfte sogar noch weiter in diese Richtung gehen: „Seit wir den Bus haben“, so Alber-Bacher, „kommen auch ins Jukuz mehr Besucher.“

INFO:
Was im Jugendbus so alles drinsteckt, zeigt ein kurzer Film auf www.jugend-tuttlingen.de/pages/mobiler-bus/