Zum zweiten Mal in Tuttlingen: Frank Stella zeigt „Abstract Narration“ in der Galerie


Der US-amerikanische Künstler Frank Stella stellt erneut in der Galerie der Stadt Tuttlingen aus. Nach seiner fulminanten Schau im Jahr 2011 zeigt Stella nun Grafiken. Eröffnet wird die Ausstellung „Frank Stella – Abstract Narration“ am Freitag, 5. Oktober, um 19 Uhr im Beisein des Künstlers.


Frank Stella, 2011 in Tuttlingen

Der 1936 geborene und in New York lebende Frank Stella hat in den letzten Jahrzehnten immer wieder die Gemarkungen des Bestehenden in der Kunst verschoben. Nicht zuletzt deshalb ist er der einzige lebende Künstler, der bereits mit zwei Personalausstellungen im Museum of Modern Art New York geehrt wurde.

Während bei der Ausstellung 2011 in Tuttlingen schwungvollen polychromen Reliefs gezeigt wurden, stehen nun Grafiken im Mittelpunkt. Auf seiner ständigen Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten für die abstrakte Kunst zog Stella dabei literarische Inspirationen hinzu. Wie dies geschah, beleuchtet die Ausstellung „Frank Stella – Abstract Narration“. Einen markanten Aufbruch zu Neuem markiert dabei die zwölf großformatige  Graphiken umfassende Serie „Illustrations After El Lissitzky´s Had Gadya“ (1982-84), die den Kern der Schau bildet. Frank Stella suchte in dieser Serie Inspiration in den Anfängen der abstrakten Kunst, bei dem einflussreichen russischen Konstruktivisten El Lissitzky und seiner Illustration des jüdischen Volksmärchens „Hand Gadya“. Im Dialog mit diesen schuf er seine eigenen energiegeladenen Arrangements.


Bene Come il Sale

Mit den Had Gadya-Graphiken betrat Frank Stella in vielerlei Hinsicht Neuland. Der Künstler richtete für diese in seinem Haus eine komplette Druckwerkstatt ein, in der er mit seinem Team frei nach seinen Vorstellungen arbeiten und in jedem Moment des Arbeitsprozesses persönlich eingreifen konnte. Hier stellte er Collagen her, auf deren Grundlage die Had Gadya-Drucke entwickelt und in einer aufwändigen Kombination von Lithographie, Linolschnitt, Siebdruck, Handcolorierung, Cutout und Collage gedruckt wurden.

Hier wie bei den folgenden Werken nach Literatur war es keineswegs Stellas Absicht, die Geschichten mit seinen Bildern figürlich-szenisch zu illustrieren. Die literarische Vorlage diente lediglich dazu, die Struktur und den Charakter der Geschichte als Katalysator zu verwenden. Das zeigen auch die drei in Zusammenarbeit mit dem Graphiker Kenneth Tyler und seiner Werkstatt entstandenen weiteren Graphikserien, die mit markanten Beispielen in der Ausstellung vertreten sind: die Serie „Italian Folktales“ (1988-89), die „Moby Dick Engravings“ (1989-1993) und die Serie „Imaginary Places“ (1994-99). Von Serie zu Serie kamen andere Elemente hinzu. So wurde die innovative und komplexe Drucktechnik auf noch nie dagewesene Art weiterentwickelt und das Formenrepertoire erweitert. Indem sie die Arbeitsweise Frank Stellas anhand des graphischen Werkes unter die Lupe nimmt, vertieft die Ausstellung in Tuttlingen das Verständnis für Stellas Arbeit als Gesamtes.


Had Gadya, Front Cover

Die Ausstellung legt den Fokus auf die große Bedeutung der Graphik in Frank Stellas Werk, die stets als Versuchsfeld für neue Ausdrucksweisen diente. „Wenn ich ausgreifen und neue Ideen erproben möchte und ich mir dabei auch noch Ergebnisse verspreche, die zukunftsweisende Bedeutung haben, so glaube ich, dass ich mich an die Graphik halten sollte. Das fühlt sich für mich so an, als wäre ich auf eine heiße Ader gestoßen. In der Graphik liegt eine triumphale Qualität, sie brilliert in ihrer Fähigkeit, der eingefangenen Geste der Bewegung eine unmittelbare und eindrückliche Wirkung zu verleihen“, so Frank Stella.

INFO:
Die Ausstellung „Frank Stella – Abstract Narration“ wird am Freitag, den 5. Oktober, um 19.00 Uhr, im Beisein des Künstlers eröffnet. Sie ist bis zum 25. November immer dienstags bis sonntags (auch an Feiertagen) jeweils von 11 bis 18 Uhr in der Galerie der Stadt Tuttlingen, Rathausstraße 7, zu sehen. Der Eintritt ist frei.