200 Jahre Evangelische Stadtkirche: Ausstellung im Fruchtkasten


Am Freitag, 28. April 2017, wird um 19 Uhr die Ausstellung „200 Jahre Evangelische Stadtkirche“ durch Oberbürgermeister Michael Beck und Stadtpfarrer Jens Junginger in der Stadtkirche eröffnet. In die Themen der Ausstellung führt Museumsleiterin Gunda Woll ein. Gezeigt wird die Ausstellung im Fruchtkasten.


 
Die Evangelische Stadtkirche, ein stadtbildprägendes Gebäude, wird 200 Jahre alt. Grund genug der Geschichte des Gebäudes nachzuspüren. Beim Stadtbrand 1803 brannte die vorherige Stadtkirche wie alle übrigen Gebäude des Stadtkerns ab. Im Gegensatz zu Rathaus, Schule und allen übrigen Häusern wurde der Bau der Kirche nicht sofort in Angriff genommen. Erst 1817 zum Reformationsjubiläum konnte die neue Kirche eingeweiht werden. 14 Jahre lang hatte man ein Provisorium genutzt, die sogenannte Bretterkirche.
 
Die Kirche wurde in nicht nur für die Region Tuttlingen schwierigen Zeiten gebaut. Durch einen Vulkanausbruch in Indonesien im Jahr 1815 war es insbesondere in den nördlichen Breiten der Erde zu einer Klimaveränderungen gekommen, die durch Ernteausfälle in den Jahren 1815 und 1816 zu schweren Hungersnöten und Inflation führten. Das Gotteshaus entstand zudem in einer Zeit der politischen Umwälzungen, die auch Kirchengut betrafen, das in den württembergischen Staatshaushalt überführt wurde. Deshalb wurde die Kirche vom Staat Württemberg gebaut, mit Unterstützung der Stiftungspflege und der Stadtgemeinde.
 
Die Pläne zum Kirchenbau entwarf der beim württembergischen Königreich angestellte Bauinspektor Carl Christian Nieffer unter Beteiligung der Landbaumeister Johann Georg Glaser und Johann August von Bruckmann, die Pläne zeichnete der Architekt Philipp Sutor. Es entstand eine recht nüchtern wirkende Rundpfeilerhalle mit Doppelempore, Kanzelwand, Walmdach und steinernem Südturm. So ganz glücklich war man in Tuttlingen weder mit dem Bauverlauf noch mit dem Ergebnis. Da der Bau von Fremden oft als Reithalle oder Fruchtkasten verspottet wurde, dachte man schon bald über Veränderungen nach. Zunächst wurde 1868 der Kirchturm erhöht, 1894 folgte die Ausschmückung der Kanzelwand durch Ölbilder von Rudolf Yelin und umrahmende Fresken von Fritz Hummel.
 
Als sich 1903 der Stadtbrand zum einhundertsten Mal jährte, nahm man den Umbau der Kirche in Angriff. Baurat Heinrich Dolmetsch, sah sich das Gotteshaus an und entwickelte eine Vision, die in Tuttlingen Gefallen fand. Innerhalb von knapp fünf Monaten wurde die Kirche so verändert, dass das heutige Kleinod entstand. Der entscheidendste Eingriff war die Beseitigung des Walmdaches auf der Seite zur Bahnhofstraße und der Bau eines Giebels. Das Jugendstildekor, die großen Fassadenfiguren, die Beseitigung der Doppelempore, die Vergrößerung der Fenster und die Ausmalung schufen einen Kirchenraum, dessen Gestaltung bis heute überzeugt.

Die Ausstellung im Fruchtkasten, Donaustraße 50, dokumentiert mit Ausstattungsgegenständen, Fotos, Predigten und Konfirmationsbildern die Geschichte des Gebäudes und seiner Nutzung. Interessierte können sie zwischen dem 28. April und 6. August 2017 immer dienstags, donnerstags, samstags und sonntags zwischen 14 und 17 Uhr besuchen. Der Eintritt ist frei.