Firas Alshater im Jukuz: „Das Gefühl der Freiheit in Deutschland war für mich völlig neu“


Bei Youtube hat er Zehntausende von Fans, am Donnerstag war Firas Alshater im Tuttlinger JuKuz. Vor über 100 Besuchern berichtete er vom Leben zwischen zwei Kulturen – und was von dem, was einem syrischen Flüchtling in Deutschland so auffällt.


Selfie mit dem Autor: Firas Alshater im JuKuz.

Haben die Deutschen wirklich so viel Angst vor Flüchtlingen? Firas Alshater machte die Probe aufs Exempel: Mit verbundenen Augen stellte er sich auf den Alexanderplatz in Berlin, die Arme ausgebreitet, vor sich ein Schild: Wer keine Angst vor ihm habe, möge ihn umarmen. Da stand er nun unter der Weltzeituhr. Und stand. Und stand. Bis einer den Anfang machte. Und dann kam der nächste. Und noch einer. Bald konnte sich Firas Alshater vor Umarmungen nicht mehr retten. Und er hatte eine erste Lektion über das Land gelernt, in dem er seit kurzem lebte: „Die Deutschen brauchen oft lange, bis sie etwas machen. Aber dann sind sie nicht mehr zu stoppen.“

Mit dem Selbstversuch am Alexanderplatz gewann Firas Alshater aber nicht nur neue Erkenntnisse – es war auch der Beginn einer außergewöhnlichen Karriere: Denn ein Video der Umarmungsaktion stellte er ins Netz. Binnen weniger Stunden wurde es zigtausendfach geteilt, was den syrischen Filmemacher dazu inspirierte, seine Laufbahn  in Deutschland fortzusetzen. Über 40 Clips seiner Reihe „Zukar“ gibt es mittlerweile. Sein 2016 erschienenes Buch  „Ich komme auf Deutschland zu“ liegt in dritter Auflage vor. Und bundesweit ist er auf Lesereisen – wie auch am Donnerstag im Jukuz. So abwechslungsreich wie Alshaters Biographie war auch das Publikum. Allein mehrere Dutzend syrische Flüchtlinge waren gekommen. Für die syrische Commnuity in Deutschland ist Alshater schließlich auch ein Sprachrohr – ein Mensch, der ihr Schicksal teilt und es versteht, diese Erfahrungen öffentlichkeitswirksam einem deutschen Publikum zu vermitteln.

Im JuKuz erzählte Alshater von Foltererlebnissen in Syrien und seinen ersten Erfahrungen in Deutschland, passagenweise las er aus seinem Buch, und immer wieder streute er den einen oder anderen Clip seiner „Zukar“-Reihe ein. Was er am meisten an Deutschland schätzt? Zu dieser Frage von Moderator Christof „Stiefel“ Manz musste Firas Alshater nicht lange nachdenken: „Die Freiheit – diese Gefühl, dass mir nichts passieren kann, wenn ich meine Meinung sage, schreibe oder poste, war für mich völlig neu.“