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Auch Hören will gelernt sein - Tuttlinger Erzieherinnen werden für Sprachförderung fortgebildet


Nur wer mit Sprache umgehen kann, wird auch ein guter Schüler - vor diesem Hintergrund rückt die Stadt Tuttlingen die Sprachförderung in Kindergärten in den Mittelpunkt. Die Erzieherinnen werden derzeit entsprechend geschult.

Auch Hören will gelernt sein
Will Sprachkompetenz vermitteln:
Prof. Dr. Frans Coninx
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Wenn Prof. Dr. Frans Coninx von der Universität Köln über von Pisa spricht, wird der Bezug zwischen der toscanischen Stadt und dem Bildungsniveau deutscher Schüler auf doppelte Weise deutlich. Klar, da gibt's zum einen die bekannte Studie, die seit fünf Jahren Pädagogen und Eltern schockt. Doch dann ist da noch der schiefe Turm. Und warum ist er schief? Wegen seines schlechten Fundaments. Beim Menschen, so Coninx, ist mangelnde Sprachfähigkeit ein schlechtes Fundament. Denn das führt direkt zur Bildungskatastrophe. Womit der Kreis geschlossen wäre.

Damit Tuttlingens Kinder ein besseres Fundament bekommen, halten Coninx sowie die Ravensburger Sprachtrainerin Uschi Matt Vorträge im Jugendkulturzentrum. Ihr Publikum: Mehr als 120 Erzieherinnen von allen städtischen und kirchlichen Kindergärten. Und ihnen vermittelt Coninx Sätze wie "Hören und Lautsprache sind der Sauerstoff für erfolgreiches Lernen."

Immer mehr Kinder geraten da aber in Atemnot - und es sind nicht nur die Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund, wie Klaus Jansen, der städtische Abteilungsleiter Soziales und Familie betont. "Auch viele Kinder aus deutschen Elternhäusern haben bei der Einschulung Probleme, die deutsche Sprache zu verstehen und zu sprechen". Eine wenig erfolgreiche Schulkarriere ist da vorprogrammiert.

Auch Hören will gelernt sein
Schulungen für Tuttlinger Erzieherinnen: Sprachtrainerin
Uschi Matt und Klaus Jansen, städtischer Abteilungsleiter
Familie und Soziales.


Um diese Defizite auszugleichen, sind die Erzieherinnen gefordert. Und ihnen bringen Coninx und Matt bei, dass Sprachtraining mit Hörtraining anfängt. Gleichzeitig vermitteln sie, wie, man nach dem "Ravensburger Modell" dieses Training spielerisch in den Kindergartenalltag integrieren kann. Spiele wie der "Hörpfad" oder auch spezielle Software helfen dabei.

Die Schulung im Jugendkulturzentrum war aber nur der Anfang: "Sprachförderung soll auf Dauer ihren Platz im Kindergarten haben", sagt Klaus Jansen. Die Erzieherinnen wird das Thema noch eine ganze Weile beschäftigen, die Fortbildung umfasst insgesamt vier ganz- und drei halbtägige Veranstaltungen. 15 000 Euro hat der Gemeinderat allein für 2006 für das Projekt bewilligt - und verschafft den Tuttlinger Erzieherinnen damit ein Angebot, das seines gleichen sucht. "Eine so umfassende und gezielte Förderung", so Jansen. "gibt es weit und breit nicht."