Vorlesen

Pilotprojekt "Genderplanning" - Tuttlinger Stadtplanung will künftig Geschlechterunterschiede stärker berücksichtigen- EU fördert Untersuchung


Ob Männer, Frauen oder Kinder - jeder erlebt die Stadt anders. Diese Erkenntnis soll auch bei der Tuttlinger Stadtplanung künftig stärker berücksichtigt werden - "Genderplanning" lautet das Schlüsselwort dazu. An einem entsprechenden EU -Projekt nimmt Tuttlingen als Pilotstadt teil.

Wie muss der ideale Spielplatz aussehen? Wie die optimale Einkaufsstraße, der vorbildliche Parkplatz oder der bestmögliche Veranstaltungssaal? Die Meinungen gehen da auseinander. Und es sind vor allem Frauen und Männer, die die Dinge unterschiedlich wahrnehmen.

Unter dem Begriff "Gender Mainstreaming" wird diese unterschiedliche Sichtweise seit mehreren Jahren untersucht - und über Lösungen nachgedacht. Das englische Wort "Gender" heißt so viel wie "Geschlecht" - und zwar lediglich auf den kulturellen und nicht auf den biologischen Unterschied von Mann und Frau bezogen.

Mit dem "Genderplanning", also der geschlechtsgerechten Planung, macht Tuttlingen nun einen ersten Schritt in dieser Diskussion. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Städtebau - und hier gibt es schließlich in der nächsten Zeit einige Themen zu bearbeiten. Heike Kienzler, Gleichstellungsbeauftragte bei der Stadt Tuttlingen, ist froh, dass das Thema auf diese Weise seinen Weg in die alltägliche Arbeit findet: "Genderplanning funktioniert nur anhand eines konkreten Projekts."

Am Beispiel der Bahnhofsstraße will Stadtplaner Michael Herre die Theorien zum ersten Mal in die Praxis umsetzen. Im Pilotprojekt, an dem Tuttlingen zusammen mit Bregenz, Alberschwende, Wangen und Ravensburg teilnehmen wird, sieht Herre aber auch darüber hinaus eine große Chance: Durch EU-Förderung kostet die Teilnahme die Stadt nur 3000 Euro, dafür werden Experten die gesamte Planung mit begleiten, ihr Fachwissen einbringen und Tipps für künftige geschlechtergerechte Planungen geben. Und die werden immer wichtiger: Denn eine geschlechtergerechte Planung wird künftig zu den Vergabekritierien für EU-Fördermittel gehören.