Vom Abortentleerer bis zum Instrumentenmacher - Ausstellung im Fruchtkasten zum Thema "Menschen & Arbeit"


"Menschen & Arbeit" ist das Thema der nächsten Sonderausstellung im Fruchtkasten. Sie ist ab Sonntag, 2. Juli, zu sehen.

Abortentleerer
Der Staatlich geprüfte Abortentleerer Wudi und
seine Gehilfin bei der Arbeit. Ihre Arbeit stinkt ihnen
offensichtlich nicht.

Die Schau zeigt Fotos, Dokumente und Objekte von arbeitenden Menschen aus Tuttlinger Betrieben. Sie dokumentieren Arbeitsvorgänge zeigen aber auch das Verhältnis einzelner Personen zu ihrer Tätigkeit.

In der Bundesrepublik suchen 5 Millionen Menschen Arbeit. Beschäftigung sichert die Lebensgrundlagen aber auch den Wohlstand. Dass für die meisten Menschen neben diesen existenziellen Werten die Arbeit mehr bedeutet, zeigt diese Ausstellung in eindrucksvollen Fotos. Neben Gefühlen wie Freude und Stolz steht in vielen Gesichtern die Identifikation mit dem Geleisteten geschrieben, aber auch Fingerfertigkeit, Präzision Anstrengung und Erschöpfung sind ablesbar. Die Fotos zeigen Menschen beim Umgang mit heißem Eisen in Ludwigstal, beim Galvanisieren von chirurgischen Instrumenten bei der Firma Chiron, Zuschneiden des Leders für Schuhe bei Rieker und vieles. Aber auch der Staatlich geprüfte Abortentleerer Wudi oder der Instrumentenmacher Karl Rieß sind mit Freude bei der Arbeit.

Rieker
Meister und Auszubildender bei der Fa. Rieker

Ein Abschnitt beschäftigt sich im Abschnitt "Arbeit in der NS-Zeit" mit den Themen Reichsarbeitsdienst und Zwangsarbeit. Ab 1935 wurde die Teilnahme am Reichsarbeitsdienst (RAD) für alle männlichen und weiblichen Arbeitskräfte im Alter von 18 bis 25 Jahren Pflicht. In Tuttlingen wurde bereits 1933 der Harresertalweg vom Arbeitsdienst ausgebaut. Ein Stein mit Inschriftplatte blieb als sichtbares Zeichen.

Neben Fotos des Steins belegen Arbeitsbücher aus der NS-Zeit die Arbeit im RAD. Der Besitz eines so genannten Arbeitsbuchs, in dem alle verpflichtenden Arbeitsdienste wie Landjahr oder Reichsarbeitsdienst eingetragen wurden, war obligatorisch. Ohne Arbeitsbuch durfte niemand beschäftigt werden. Ein Ausscheren oder eine Verweigerung dieser Kontrollmechanismen war kaum möglich.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde zudem Zivilbevölkerung aus besetzten Gebieten nach Deutschland deportiert und zur Arbeit gezwungen. Auch in Tuttlinger Betrieben und Haushalten arbeiteten ca. 1600 Menschen, die zum Teil in Lager kaserniert waren. Einige dieser früheren Zwangsarbeiter waren 1995 in Tuttlingen zu Gast. Sie brachten Fotos mit, die damals hier aufgenommen wurden und die jetzt in der Ausstellung zu sehen sind.

Die Schau "Menschen & Arbeit" ist ab Sonntag dienstags, donnerstags, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Über das Stadtfest am 8. und 9. Juli sind die Öffnungszeiten auf 11 bis 19 Uhr erweitert. Der Eintritt ist frei.