Tuttlingen würdigt berühmten Sohn der Stadt - Roland-Martin-Retrospektive in der Galerie


Tuttlingen würdigt Roland Martin. Ab Freitag ist in der Galerie der Stadt Tuttlingen eine umfassende Retrospektive des Künstlers zu sehen, dessen Arbeiten aus dem Tuttlinger Stadtbild nicht wegzudenken sind.  

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Wie kein anderer prägt Roland Martin mit seiner Kunst das Erscheinungsbild der Stadt Tuttlingen, wo er 1927 geboren wurde. Der einstige Schüler der legendären Bernsteinschule sowie der Kunstakademie Freiburg gilt als herausragender Vertreter der Nachkriegskunst im deutschen Südwesten. Grund genug für die Stadt, ihrem berühmten Sohn eine umfassend angelegte Retrospektive zu widmen. Die Ausstellung in der städtischen Galerie gibt Einblick in sein facettenreiches Lebenswerk von den Anfängen in den 50er Jahren bis heute und hält auch für langjährige Kenner und Verehrer von Roland Martins Kunst überraschende Entdeckungen bereit.
 
Neben seinen figürlichen Werken gibt es in der Ausstellung Aspekte des Künstlers zu entdecken, die ihn von einer weitgehend unbekannten Seite zeigen. Spannende Einblicke verspricht etwa der abstrakte Teil seines Oeuvres mit amorphen Plastiken aus Gips und Beton, durch die er sich als Mitgestalter der informellen Bewegung zu erkennen gibt. Oder seine geschichteten Raumsäulen, die seinen Anteil an der Lichtkinetik- und Op-Art belegen. Außerdem präsentiert die Ausstellung erstmals eine kleine Auswahl noch nie gezeigter Zeichnungen von Roland Martin, meist Ideenskizzen für seine bildhauerischen Werke.
 
Die radikale Wende im Werk von Roland Martin – weg von der Abstraktion, hin zum Figürlichen - vollzog sich am Ende der 1970er Jahre. Seither steht ganz klar der Mensch als typisch feingliedrige, kleine bis lebensgroße Bronzefigur im Mittelpunkt seiner Arbeit. Figuren wie der „Instrumentemacher“ und der „Kannitverstan“ gehören zum Tuttlinger Stadtbild und stehen emblematisch für eine Identität und eine Geschichte. Andere Werke bieten eine einmalige Synthese von Mensch und surreal anmutenden „objets-trouvés“, vorgefundenen Elementen von alten Maschinen und Werkzeugen. Später hat er das nunmehr typische Gestell oder Gerüst erfunden, sinnbildlicher Ort für den Balanceakt des Lebens, auf dem die Menschen – je nach Lebenslage - in die Höhe streben, innehalten, nachdenken, herunterschauen, sich verzweifelt festhalten oder abrutschen. In ihnen steckt die Lebenserfahrung und Menschenkenntnis des inzwischen 88-jährigen Künstlers, der nach wie vor täglich in seinem Atelier arbeitet.
 
Die Ausstellung wurde gefördert von der Kreissparkasse Tuttlingen, der Aesculap AG, KLS Martin und Artregio.
 
Am Freitag, 23. Oktober 2015, 19 Uhr, wird Ausstellung in Anwesenheit des Künstlers eröffnet. Sie ist bis zum 22. November zu sehen.