Verleihung des Sportpreises an Brigitte Breinlinger - 29. Juli 2015


Meine sehr geehrten Damen und Herren,
kurz vor Beginn der Sommerpause darf ich Sie heute zu einer besonderen Veranstaltung begrüßen: Der Verabschiedung von Brigitte Breinlinger, verbunden mit der Verleihung des Sportpreises und der Goldenen Ehrennadel der Deutschen Olympischen Gesellschaft.
 
Ich begrüße dazu meine Kollegen Emil Buschle und Willi Kamm sowie zahlreiche Vertreter des Gemeinderates, die in einer recht spontanen Aktion beschlossen haben, Brigitte Breinlinger mit dem Sportpreis auszuzeichnen.
 
Auch freue ich mich, dass heute mehrere Ehrengeschenkträger unter uns sind. Ein herzliches Willkommen an
Dieter Egle
und meinen Vorgänger im Amt des Oberbürgermeisters, Heinz-Jürgen Koloczek

Zur Ehrung unserer frischgebackenen Sportpreisträgerin sind natürlich auch diejenigen gekommen, die aktiv den Vereinssport in Tuttlingen betreiben. Herzlich willkommen heiße ich die Vorsitzenden des Stadtverbandes für Sport
Ulrich Trommer,
Thomas Waizenegger,
und Norbert Schellhammer

Bis zu ihrer Versetzung in den Ruhestand – die ja streng genommen erst zum 1. August erfolgt – leitete Brigitte Breinlinger unseren Fachbereich Sport, Freizeit und Kultur. Viele ihrer ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind heute hier  - und auf diese Weise kommen wir zu einer ganz besonderen Sportpreisverleihung: Die Zahl der anwesenden Vertreter unserer kulturellen Einrichtungen dürfte höher als bei manchen Kulturpreisverleihungen sein.
 
Ganz besonders aber begrüße ich die Hauptperson des heutigen Abends: Ein herzliches Willkommen an Brigitte Breinlinger und ihren Mann Wolfgang Breinlinger sowie ihren Sohn Tobias Breinlinger mit seiner Freundin Stefanie Lußmann.
 
Meine Damen und Herren,
wie bereits erwähnt: Am 31. Juli wechselt Brigitte Breinlinger von der aktiven Dienstzeit in den Ruhestand. Auf den ersten Blick ist dies Routine. Im Falle von Brigitte Breinlinger war es anders:
 
Ich kann mich an keinen zweiten Fall erinnern, in dem unser sparsamer Finanz- und Personalbürgermeister Emil Buschle mit einer scheidenden Beamtin ernsthaft in Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung treten wollte.

Und mir ist auch kein zweiter Fall in Erinnerung, in dem eine scheidende Mitarbeiterin der Stadtverwaltung parallel zur Abschiedsurkunde auch einen städtischen Ehrenpreis erhält.
 
Bei Brigitte Breinlinger ist es so – so wie bei ihr vieles andere auch außergewöhnlich ist. Und wenn sie heute den Sportpreis der Stadt Tuttlingen und die Goldene Ehrennadel der DOSG erhält, zeigt dies deutlich, welche Wertschätzung sie weit über die Verwaltung hinaus genoss und genießt. Denn eines ist sicher: Wer je mit Brigitte Breinlinger zusammengearbeitet hat, wird nie wieder behaupten, dass Beamten kompliziert und unflexibel seien, dass sie am liebten nur Dienst nach Vorschrift machen und ihnen die Kernarbeitszeiten heilig sind.
 
Dabei begann Brigitte Breinlingers Laufbahn durchaus klassisch. Nach der Volksschule in Liptingen besuchte sie die Höhere Handelsschule in Tuttlingen, 1967 begann sie die Ausbildung im gehobenen Verwaltungsdienst bei der Stadt Tuttlingen, beim Landratsamt und bei der Staatlichen Verwaltungsschule in Haigerloch.
 
Bei der Stadt Tuttlingen nahm sie dann auch ihre erste reguläre Tätigkeit auf: 1972 wurde sie Stadtinspektorin zur Anstellung bei der Stadtkämmerei.
Nach einigen Jahren in Teilzeit startete sie dann ab 1990 richtig durch, wurde stellvertretende Leiterin des Kultur-, Schul- und Sportamtes, wo sie für die Abteilung Schulen verantwortlich war. Ab 1998 übernahm sie dann die Leitung des Amtes, das dann später zum Fachbereich 5 – Kultur, Freizeit und Sport wurde.
 
Über zwei Jahrzehnte hat Brigitte Breinlinger die Tuttlinger Sportentwicklung geprägt. Sie stand dabei in einem schwierigen Spannungsfeld. Denn Sportpolitik funktioniert nur in enger Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt. Und hier stehen auf der einen Seite die Vertreter der Sportvereine, die ihre Freizeit für ihre Leidenschaft opfern, die für ihre Sache brennen und natürlich hoffen, dabei auf offene Ohren zu stoßen. Auf der anderen Seite stehen die Verwaltungsmitarbeiter. Sie sind Teil eines großen Apparats, in eine Hierarchie eingebunden, müssen sich an Weisungen und Gemeinderatsbeschlüsse halten – und vor allem immer die gesamte Stadt mit all ihren vielen Themen, Problemen und Projekten im Auge haben. Hier stets den richtigen Ton zu treffen, zu moderieren und gemeinsam zum Erfolg zu kommen, ist eine kommunikative Herausforderung.
 
Brigitte Breinlinger hat diese Herausforderung über viele Jahre gemeistert. Denn sie war nicht nur für  den Sport zuständig – sie war auf ihre Weise immer auch Sportlobbyistin. Sie trieb viele Projekte aus eigenem Engagement heraus an. Sie betrachtete ihren Beruf nicht nur als Job. Daher konnten die Ehrenamtlichen sich immer sicher sein, in ihr eine Fürsprecherin zu haben - auch wenn es sicher oft Unstimmigkeiten über den richtigen Weg zum Ziel gab. Denn eine einfache Verhandlungspartnerin war sie nie. Durfte sie auch nicht sein. Schließlich musste sie immer auch die gesamtstädtischen Interessen vertreten, die naturgemäß oft von denen eines einzelnen Vereins abweichen. Ihre Arbeit war also ein ständiger Balanceakt – bei dem sie nie abstürzte.
 
In der Zeit, in der Brigitte Breinlinger an der Spitze des Sportamtes stand, machte die Tuttlinger Sportinfrastruktur große Fortschritte:
 
Die Mühlau-Halle wurde vollendet
Nicht nur an der LURS entstanden moderne Schulsportanlagen
Die Hallen beim IKG und in Möhringen wurden generalsaniert
Im Stadion und im Umläufle wurden Kunstrasenplätze angelegt
Tuttlingen wurde Ort sportlicher Großereignisse wie der Gymotion und Run&Fun
Und kurz vor ihrem Abschied schob sie gemeinsam mit der DOSG ein weiteres Projekt an, das wohl bundesweit ein Beispiel werden wird: Den CUBE bei der Karlschule
 
All diese Projekte zeugen von einem guten Miteinander von Haupt- und Ehrenamt. Und oft tragen sie auch die Handschrift Brigitte Breinlingers.
 
Mit mindestens genau so viel Elan wie für den Sport setzte sie sich aber auch für ein zweites Feld ein – für die Städtepartnerschaften. Und auch, wenn Emil Buschles Versuch der Vertragsverlängerung scheiterte: In diesem Teilbereich bleibt uns Brigitte Breinlinger auch künftig erhalten - als Präsidentin der Partnerschaftskommission mit Bex.
 
Auf diese Weise kann sie ein Projekt weiter pflegen, das sie während vieler Jahre mit aufgebaut hatte. Denn wie beim Sport wurde auch bei den Städtepartnerschaften Brigitte Breinlingers Sinn fürs Detail, ihre Ausdauer und ihr Hang zur Perfektion deutlich:
Sie war erst zufrieden, wenn auch die letzten Details stimmig waren – bis hin zur Tischdeko.
Sie telefonierte, organisierte und improvisierte auch noch mitten in der Nacht, wenn irgendwo eine Unterkunft fehlte oder andere unerwartete Probleme auftraten.
Über Termine an Abenden, Wochenenden oder Feiertagen beklagte sie sich nie.
Und wenn Transportfragen zu klären waren, spannte sie auch gerne ihren Ehemann Wolfgang als Fahrer mit ein – ohne das Ehepaar Breinlinger wäre in Draguignan der Nachschub mit Hirsch-Bräu mehr als einmal zum Erliegen gekommen. Ich weiß nicht, ob die Jumelage dies verkraftet hätte… 
 
Wie oft sie während all der Jahre nach Südfrankreich oder in die Schweizer Alpen gereist ist, hat niemand gezählt. Für Brigitte Breinlinger ist dies umso bemerkenswerter, da sie alles andere als ein Reisemensch ist. Sie verreist sogar noch weniger gern als Emil Buschle. Gut informierte Kreise berichten, dass das Ehepaar Breinlinger nur ein mal – vielleicht waren es auch zwei oder drei mal – richtigen Urlaub machte. Also einen Urlaub, in dem man auch fortfährt und sich entspannt – und nicht das Vordach repariert, eine Fassade verputzt oder einen Estrich gießt. Vor ein paar Jahren – so hört man – brach sie sogar ihren bereits angetretenen Sommerurlaub am zweiten Tag wieder ab – das Wetter war zu schlecht für die geplanten Bauarbeiten.
 
Wenn Brigitte Breinlinger in ihrem Ruhestand nun etwas lernen muss, dann ist es, einmal abzuschalten und sich Ruhe zu gönnen. Denn es gibt wohl nur wenige Menschen, die ihr Leben lang von einem solchen Arbeitseifer angetrieben waren, wie sie. Und ihre Tätigkeit bei der Stadtverwaltung – immerhin als Fachbereichsleiterin in verantwortungsvoller Position – war ja nur eine ihrer Aufgaben: Nebenbei erledigt sie bis heute die Buchführung im Autohaus ihres Mannes. Sie kümmert sie um ihren gut 1000 Quadratmeter großen Garten. Und sie packt mit an, wenn am Haus wieder mal was zu Bauen ist. Und da ist sie sehr geschickt: Teppiche, so hört man, verlegt sie ebenso perfekt wie Badezimmerfliesen.
 
Auch gute Freunde  fragen sich oft, wo sie diese Energie hernimmt – und wenn’s sein muss, schon morgens um 6 Uhr Gsälz kocht. Vielleicht liegt die Erklärung in ihrer Kindheit. Als älteste von drei Geschwistern wuchs sie auf einem Bauernhof in Liptingen auf. Harte Arbeit kannte sie also von klein an, die Kinder waren fest als Arbeitskräfte auf dem Hof eingeplant.
 
Brigitte Breinlinger haben diese Erfahrungen geprägt, haben in ihr Fleiß, Ausdauer und Durchsetzungskraft wachsen lassen. Und dann ist sie auch ausgesprochen praktisch veranlagt, hält sich nicht lange an Nebensächlichkeiten auf und kommt gleich zum Kern der Sache. Sogar bei den entscheidenden Fragen des Lebens ist dieser praktische Zug zu spüren. Dass sie als geborene Breinlinger sich für einen Ehemann namens Breinlinger entschied, ersparte ihr hier die lästige Umgewöhnung, die ein neuer Nachname so mit sich bringt.
 
All diese Eigenschaften machten sie zu einer Führungskraft, die lieber selber mit anpackte als nur delegierte und die sich ihren Themen mit ganzer Kraft widmete.
 
Der Tuttlinger Sport profitiert davon bis heute. Und aus diesem Grund erhält sie heute gleich drei Urkunden.
 
Fangen wir mit dem formellen, mit Blick auf die Altersversorgung aber wohl entscheidensten, an:
 
Namens der Stadt Tuttlingen versetze ich Frau Stadtoberamtsrätin Brigitte Breinlinger geb. 30.7.1950 gemäß § 40 Abs. 2 LBG mit Ablauf des 31.7.2015 in den Ruhestand. Für die geleisteten treuen Dienste spreche ich Dank und Anerkennung aus. Tuttlingen, den 29. 7. 2015 – Michael Beck, Oberbürgermeister
Wichtig: Sie ist nur gültig mit der Unterschrift!
 
Über viele Jahre war Brigitte Breinlinger auch Ansprechpartner für die Deutsche Olympische Gesellschaft. Auch von dieser Seite werden ihre Verdienste gewürdigt – und zwar mit der Goldenen Ehrennadel.
Ich verlese auch hier die entsprechende Urkunde:
 
In Anerkennung ihrer Unterstützung unserer Aufgaben im Sinne der Olympischen Idee verleihen wir Frau Brigitte Breinlinger die Goldene Ehrennadel der Deutschen Olympischen Gesellschaft. Frankfurt am Main, 28. März 2015
Das Präsidium der Deutschen Olympischen Gesellschaft – Peter von Löbbecke
 
Und nun zum städtischen Sportpreis, der besonderen Auszeichnung der Stadt Tuttlingen für Verdienste im Sport. Er ist neben dem Kultur- und dem Sozialpreis einer unserer drei Ehrenpreise – und der Urkundentext lautet hier:
 
Das umfangreiche Angebot unserer Sportvereine ist auf das ehrenamtliche Engagement unserer Bürgerinnen und Bürger angewiesen.
Unsere Vereine leben von Menschen, die Zeit und Energie einbringen und so das Leben in unserer Stadt bereichern. Gleichzeitig benötigt der Sport Vorbilder, deren Erfolge andere motivieren.
Die Stadt Tuttlingen fördert daher Engagement im Sport und zeichnet besondere Verdienste aus.
In Anerkennung ihres Einsatzes für den Sport ehrt die Stadt Tuttlingen
BRIGITTE BREINLINGER
mit dem
SPORTPREIS
Tuttlingen, den 29. Juli 2015
Michael Beck
Oberbürgermeister
Der Preis selber ist ein Kunstwerk von Einem Ihrer Mitarbeiter, dem Leiter unserer Jugendkunstschule Hans-Uwe Hähn. Ich bin sicher, Sie werden einen passenden Platz dafür finden.
 
Und als besonderes Geschenk und Dankeschön der Stadt gibt es ein weiteres Kunstwerk: Ein Relief von Roland Martin.