Tuttlinger Heimatblätter 2006: Beim Sport war Tuttlingen schon 1860 Vorreiter


Drei muskulöse Männer zieren den Titel des Jahrbuchs 2006 der Tuttlinger Heimatblätter, die pünktlich zum zweiten Advent erschienen sind. Das kraftstrotzende Bild macht auf einen Artikel neugierig, der sich mit der Geschichte des Vereinssports im Landkreis Tuttlingen beschäftigt.

Tuttlinger Heimatblätter

Der Autor Christian Kaffenberger recherchierte über dieses Thema für seine Magisterarbeit an der Universität Konstanz. Er fand heraus, dass die 1859 unter dem Einfluss eines Schwäbisch Gmünder Vereins gegründete Tuttlinger Turngemeinde die Ideen des Turnvaters Jahn auch in weitere Städte trug. So wurde beispielsweise 1863 nach einem Besuch der Tuttlinger Turner auch in Spaichingen ein Verein gegründet. Kaffenberger verfolgt die Tendenzen, die auch im Sport immer wieder wechselten, bis in die Gegenwart. So kamen um die Jahrhundertwende die Radfahrvereine oder die Kraftsportvereine auf. Mit den aus England kommenden Ballsportarten wie zum Beispiel Fußball, tat man sich zunächst schwer, da sie mit den Idealen von Friedrich Ludwig Jahn nicht vereinbar schienen.
Drei weitere Artikel des Jahrbuchs beschäftigen sich mit dem Wandel der Kulturlandschaft. Sabine Schellberg rekonstruierte die historische Dorfflur an der Oberen Donau. Erich Kaufmann recherchierte über die Siedlungsgeschichte der Außenhöfe um Tuttlingen, die im 19. Jahrhundert gegründet oder ausgebaut wurden. Dazu gehören, die Talhöfe, die Höfe auf dem Witthoh, im Maiental und Altental. Nahezu alle Höfe, die sich auffallend entlang der Gemarkungsgrenze von Tuttlingen aufreihen, wurden gegründet, als im 19. Jahrhundert der Flurzwang aufgegeben wurde. Dr. Richard Kreidler schildert die Veränderungen in der Waldwirtschaft und im Naturschutz im Spiegel der Biografie seines Vaters des Forstmanns Hugo Kreidler, nach dem eine Hütte auf dem Leutenberg benannt wurde.

Tuttlinger Heimatblätter

Eine interessante Quelle zum spanischen Erbfolgekrieg fand Dr. Rainer Knörle in der Stuttgarter Landesbibliothek. Er wertete die Aufschriebe eines Augenzeugen, des damaligen Diakons Johann Jakob Schmid, aus. Hautnah schildert er, wie sich das Kriegsgeschehen auf die Stadt in den Jahren 1703 und 1704 auswirkte. So berichtet er uns, dass der bayrische Kurfürst Max Emmanuel, der sich auf die Seite der Franzosen geschlagen hatte, sich für das Zusammentreffen der bayrischen und der französischen Truppen Tuttlingen ausgesucht hatte. Er selbst quartierte sich im Gasthof Hirsch ein. Seien es die Plünderungen, die Truppendurchzüge oder die Einquartierungen, alles richtete einen beachtlichen Schaden an, der sich in zwei Jahren auf über 10 000 Gulden belief.

Professor Dr. Günther Reichelt schildert uns in lebendigen Farben Friedrich Freiherr Roth von Schreckenstein, der im 18. Jahrhundert Ortsherr über einen Teil von Immendingen war. Schreckensteins Interesse gingen aber weit über die Ortsgrenzen hinaus. Vielmehr gilt er als "Vordenker und Initiator" (Reichelt) einer umfassenden süddeutschen Naturgeschichte.

Frau Dr. Hildegard Hoika erlebte als dienstverpflichtete Ärztin das Kriegsende 1945 im Tuttlinger Krankenhaus, das bald nach dem Einmarsch der Franzosen geräumt werden musste. Sie schildert ihre Erinnerungen an diese dramatischen Tage.

Die Tuttlinger Heimatblätter 2006 können ab sofort im Buchhandel, an der Rathausrezeption, oder im Museum erworben werden. Das Jahrbuch kostet in gehefteter Form 8,30 Euro, als gebundenes Buch 10,50 Euro.