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Seniorennetzwerk hilft gegen Vereinsamung


Mehr Kontakte für Senioren soll das Seniorennetzwerk schaffen, das Caritas und Diakonie auf Anregung der Stadt Tuttlingen knüpfen. Eine Mitarbeiterin wird dabei das Engagement ehrenamtlicher Gruppen koordinieren: "Das Ehrenamt", so Oberbürgermeister Michael Beck am Mittwoch bei einem Pressegespräch, "braucht hauptamtliche Begleitung"

Seniorennetzwerk
Rufen das Seniorennetzwerk ins Leben (von links): OB Michael Beck,
Pfarrer Richard Grotz, Dekan Frank Morlock, Sozialarbeiterin Ramona Storz,
Susan Stiegler-Irion (Caritas), Michael Wollek (Caritas)

Es gibt Momente, die mehr als nur betroffen machen. "Neulich hat mir ein Mann erzählt, dass er seit einem Jahr kein richtiges Gespräch mehr geführt hat", erzählt Caritas Regionalleiter Michael Wollek. Und der katholische Pfarrer Richard Grotz berichtet von Menschen, die sich unter größten Mühen zum Einkaufen schleppen - weil sie niemanden haben, der ihnen den einen oder anderen Gang abnimmt. In vielen Fällen kommen dabei mehrere Probleme zusammen: "Alterseinsamkeit", so der evangelische Dekan Frank Morlock, "geht oft einher mit Altersarmut." Denn fehlendes Geld schränkt die Mobilität weiter ein - und macht auch die viele Dienstleistungen unerschwinglich, über die man sonst Kontakte knüpft oder pflegt.

Die evangelische und katholische Kirche sowie ihre Sozialverbände Diakonie und Caritas wollen in Tuttlingen das Problem jetzt gemeinsam angehen - mit dem Seniorennetzwerk, dessen Sitz künftig im ebenfalls ökumenisch geführten Haus der Familie eingerichtet werden soll. Die Anregung zu dem Projekt kam von Oberbürgermeister Michael Beck, die Stadt trägt außerdem die Kosten von 20 000 Euro pro Jahr.

Mit diesem Geld wird die Koordinationsstelle finanziert, in der die Sozialarbeiterin Ramona Storz die teils schon bestehenden Gruppen zusammenführen und beraten soll. Denn verschiedene Angebote - zum Beispiel die kirchlichen Besuchsdienste - gibt es bereits. Jetzt geht es darum, Besucher und Besuchte systematisch zusammen zu führen, weitere Ehrenamtliche zu gewinnen und die Helfer für ihre Aufgaben weiter zu qualifizieren. Ziel ist es dann, dass die Helfer in möglichst wöchentlichen Abständen Besuche bei zurückgezogen lebenden Senioren übernehmen. Die Gestaltung der Besuche wird dann gemeinsam von Besuchten und Besuchern besprochen. Und hier ist vieles möglich: vom ausgiebigen Gespräch über gemeinsame Spaziergänge bis hin zu Ausflügen und Veranstaltungsbesuchen.

"Wir wollen mit dem Angebot auch diejenigen erreichen, mit denen wir noch keinen Kontakt haben", sagt Michael Wollek. Das heißt: Jeder kann sich bei Ramona Storz melden, sowohl Menschen, die Hilfe anbieten können, als auch solche, die Ansprache benötigen oder jemanden kennen, dem ein Besuch gut tun würde. Darüber hinaus sollen durch das Netzwerk auch die Senioren aktiviert werden, die selber noch aktiv sind: "Hier gibt es so viele Fähigkeiten", sagt OB Beck, "die unsere Gesellschaft brauchen kann."

Dass dem Netzwerk die Aufgaben ausgehen werden, glaubt keiner der Initiatoren. Schließlich nimmt die Zielgruppe ständig zu: Schon jetzt leben in Tuttlingen 6700 Menschen, die älter als 65 Jahre sind. Bis 2020 werden es voraussichtlich 7400 sein.

INFO:

Eine ausführliche Informationsveranstaltung für interessierte Mitbürger und Mitbürgerinnen, die gerne in diesem Projekt mitarbeiten möchten oder auch besucht werden wollen, findet am kommenden Mittwoch, den 12. März 2008 um 18.00 Uhr im Haus der Senioren, Honbergstr. 10 in Tuttlingen, statt. Außerdem liegt dort, bei Caritas und Diakonie und im Rathaus ein Informationsblatt aus. Ramona Storz ist künftig unter der 07461 / 9 69 71 70 zu erreichen.