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Stadt ehrt Ökumenische Initiative Nachtlager für Wohnungslose


"Sie kümmern sich um Menschen, die sonst keine Lobby haben" - so würdigte Oberbürgermeister Michael Beck am Mittwoch die Ökumenische Initiative Nachtlager für Wohnungslose. Im Rahmen einer Feierstunde im Kulturhaus Altes Krematorium wurde die Initiative mit dem Sozialpreis der Stadt ausgezeichnet, der in diesem Jahr erstmals vergeben wurde.

Ökomenische Initiative
Ehrung für die Initiative Nachlager (von links): Ingeborg Storz, OB Michael Beck,
Hans Werner Weidmann



Die Idee war den Initiatoren an einem kalten Februartag im Jahr 1994 gekommen. Wie ergeht es wohl jetzt den Menschen, die kein Dach über dem Kopf hatten, fragten sich einige Tuttlinger, die im Arbeitskreis Frieden aktiv waren. Und sie beschlossen zu handeln. Bereits in der folgenden Saison öffnete das Nachtlager erstmals seine Pforten, damals noch in Wöhrden. Seither bietet es wohnungslosen Menschen während der kalten Monate einen vorübergehenden Unterschlupf - "damit niemand in Tuttlingen erfriert", wie es in einem Infoblatt der Initiative heißt.

Dieses Zitat griff dann auch Oberbürgermeister Michael Beck in seiner Laudatio auf. Dass es auch in einer reichen Stadt wie Tuttlingen Menschen gebe, denen es am nötigsten fehlt, mache betroffen. Um so wichtiger sei es, dass es Leute gibt, die sich auch um diese Menschen kümmern. "Sie sehen nicht weg", lobte Beck. Denn eine Gesellschaft lebe davon dass es Menschen gibt, die sich auch um andere kümmern.

Nachdem in den ersten Jahren der Landkreis für die Gebäude und Nebenkosten des Nachtlagers aufkam, stellt nun die Stadt kostenfrei ein Haus am Seltenbach zur Verfügung und bezahlt auch Strom, Gas und Wasser. Beck: "Wir sorgen für die Heizung, Sie für die menschliche Wärme". Stellvertretend für die rund 30 Mitglieder nahmen Ingeborg Storz und Hans Werner Weidmann von OB Beck den Preis entgegen, eine Grafik von Hans Uwe Hähn.

Im Namen der Kirchen würdigte der evangelische Pfarrer Christoph Rauch die Arbeit der Initiative. Dass es in Tuttlingen mittlerweile mehrere Angebote für Menschen ohne festen Wohnsitz gebe, sei auch der Initiative zu verdanken: "Sie haben hier als Initialzündung gewirkt." Die Initiative sei daher sowohl für christliches als auch für bürgerschaftliches Engagement ein vorbildliches Beispiel.

"Wir wollen entwurzelten Menschen Geborgenheit schenken", erklärte Hans Werner Weidmann von der Initiative Nachtlager. Und mit ein paar Zahlen unterstrich er, wie viele dies bisher waren: In den 168 Öffnungsmonaten gab es 3602 Übernachtungen, insgesamt wurden 484 Männer und Frauen beherbergt.

Umrahmt wurde die Feier vom Blockflötenquartett Caroline Kessler, Jana Winter, Leonie Bumüller, Constanze Martin. Es war übrigens die erste offizielle Feier der Stadt im Kulturhaus Altes Krematorium. Und OB Beck erklärte, dass der Ort für diesen Anlass bewusst gewählt worden sei. Schließlich sei auch das Kulturhaus eng mit dem Engagement aktiver Bürger verbunden. "Ohne Sie", so Beck an die Adresse der Initiative Altes Krematorium, "gäbe es dieses Haus nicht mehr."