Neue Ausstellung im Fruchtkasten: "Made in Tuttlingen: Leder"


"Made in Tuttlingen: Leder" heißt die neue Ausstellung im Hugo-Geißler-Saal des Fruchtkastens. Eröffnet wird sie am Freitag, 18. April, um 19 Uhr im Rathausfoyer.

Das Tuttlinger Gerberufer erinnert durch seinen Namen an ein Handwerk, das in Tuttlingen das Stadtbild an der Donau prägte und bestimmte: die Gerber. Unter dem Titel "Made in Tuttlingen: Leder" widmet das Museum dem Thema Lederherstellung eine Wechselausstellung. Sie wird am Freitag, den 18. April, um 19 Uhr im Foyer des Rathauses durch Oberbürgermeister Michael Beck eröffnet. Erich Kaufmann und Gunda Woll werden in das Thema einführen. Die Schau ist im Hugo-Geißler-Saal des Fruchtkastens bis 17. August 2008 am Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr zu sehen.

Der Gerbvorgang ist ein Prozess der zu den ältesten Techniken der Menschheit gehört. Mit natürlichen Gerbstoffen wie beispielsweise Rinde wurden Häute in ein Produkt umgewandelt, das zur Bekleidung des Menschen diente. Die Arbeitsvorgänge vom Fleischreste und Haare von der Haut entfernen über den eigentlichen Gerbvorgang bis hin zum Glätten war ein anspruchsvolles Handwerk, das neben vielen Kenntnissen und Fertigkeiten, auch körperliche Kraft und eine unempfindliche Nase erforderte.

Die Gerbereiwerkstätten waren wegen des Wasserbedarf an der Donau angesiedelt. Besonders beim Gerberufer, in Wöhrden und in der Unteren Vorstadt ließen sich viele Betriebe nieder. Die Floße der Gerber in der Donau gehörten zum donauseitigen Stadtbild ebenso wie die zum Trocknen aufgehängten Häute oder die Lohehäufen. Die Lohe ist Baumrinde, die hier in Tuttlingen in besonders großen Mengen vorhanden war, da das Eisenverhüttungswerk Ludwigstal Holzkohle zur Verhüttung benötigte. Die Rinde, die vor der Verarbeitung zur Holzkohle abgeschält wurde, lieferte den ortsansässigen Gerbern einen wichtigen Rohstoff und begünstigte das Handwerk sehr. Dadurch entstanden in Tuttlingen einige bedeutende Gerbereien, die wiederum das Entstehen der Schuhindustrie förderten. Häufig waren es Traditionsbetriebe wie zum Beispiel die kuriose Urkunde zum 259-jährigen Bestehen der Gerberei Braun belegt. Allerdings galten die Gerber im Gegensatz zu den Schuhmachern als vermögend, was durch das Sprichwort "stinkende Hände machen reiche Leut" belegt wird. Aber dies war nicht immer so: Vor allem in der NS-Zeit erhielten kleinere Gerbereien keine Häute mehr zugewiesen und mussten ihren Betrieb einstellen.

In der Ausstellung wird der Arbeitsprozess dargestellt und verschiedene Gerbverfahren beschrieben. Schließlich gab und gibt es in Tuttlingen Rot- und Weißgerber. Es werden Bilder von Tuttlinger Gerbereien und Gerbern präsentiert, das Zunftwesen erklärt und Produkte ausgestellt. Außerdem wird die Entwicklung und der Wandel, den das Handwerk in Tuttlingen erlebte, erläutert.

In dieser Ausstellung wird das Portrait des Tuttlinger Gerbers Georg Friedrich Hilzinger gezeigt werden. Auf seiner Gesellenwanderung kam er weit herum, unter anderem war er auch in Holland. Nach dem Erscheinen von Johann Peter Hebels "Kannitverstan" überlegte man in Tuttlingen, welcher Tuttlinger Handwerksbursche wohl Vorbild für diese Erzählung gewesen sein könnte. Man glaubte ihn in Georg Friedrich Hilzinger gefunden zu haben. Das Portrait, das dieser 1771 von sich malen ließ, befindet sich in Privatbesitz und wird nur während dieser Ausstellung öffentlich zu sehen sein. Es ist zugleich eines der ältesten Portraits, das einen Tuttlinger Bürger zeigt.