Verleihung des Sportpreises 2011 - 04. Juli 2011


Rede von Oberbürgermeister Michael Beck


Meine sehr geehrten Damen und Herren,

zur Verleihung des Sportpreises der Stadt Tuttlingen darf ich Sie herzlich willkommen heißen.

Ich begrüße meine Kollegen
- Emil Buschle
- und Willi Kamm
sowie die Vertreterinnen und Vertreter des Gemeinderats. Auch begrüße ich die anwesenden Führungskräfte der Verwaltung sowie die Mitarbeiter aus dem Sportbereich.

Meine Damen und Herren,

wir vergeben heute den Sportpreis der Stadt Tuttlingen. Folglich begrüße ich

- den Vorstandssprecher des Stadtverbands für Sport Ulrich Trommer
- den Vorsitzenden für Sport des SC 04 Erik Bühler

Ganz besonders willkommen heißen möchte ich aber denjenigen, der heute Abend im Mittelpunkt steht:

Adolf Gerach mit seiner Frau und all seinen persönlichen Gästen.


Meine Damen und Herren,

der Sport, die Bewegung wird in unserer Stadt groß geschrieben.

Sport wird in Tuttlingen auf alle Arten, in jedem Alter und sehr gerne gemeinsam betrieben.

Und der Sport ist Grund für viele Veranstal-tungen im Tuttlinger Kalender das ganze Jahr hindurch.

Meine Damen, meine Herren,

Tuttlingen ist Sportstadt und tausende von Sportler tragen dazu bei.

Es braucht aber auch Menschen, die sich ganz besonders engagieren. Die für einen Verein oder eine Sportart leben. Sie sind es, die dafür gesorgt haben und weiterhin sorgen, dass sich der Vereinssport, der Breitensport in Tuttlingen überhaupt zu dem entwickelt hat, was er heute ist. Einer von diesen Menschen ist Adolf Gerach.

Für ihn hat alles begonnen bei seinem TV Jahn.
Dieser bestand gerade 20 Jahre als Adolf Gerach zur Welt kam. Es war eine Zeit, in der der Verein einen enormen Aufschwung erlebte. In der die schwierige Zeit des Ersten Weltkriegs gerade überwunden wurde.

Es folgte die Zeit des 3. Reichs. Ab 1933 war der TV Jahn verboten – er war schließlich ein Arbeitersportverein. Erst 1950 nahmen alte Sportfreunde des TV Jahn den Sportbetrieb wieder auf.

Und zu diesem Zeitpunkt, er war gerade 19 Jahre alt, startete auch Adolf Gerach seine Karriere beim TV – zunächst als Fußballer und als Turner. Das Leben von Adolf Gerach war ab sofort bestimmt durch den Sport.

Während seiner aktiven Zeit bis 1970 war er für 3 Jahre Jugendtrainer und 11 Jahre Wirt-schaftsführer im Waldheim Duttental. Auch im Vereinsvorstand arbeitete er ab 1952 mit:
 von 1952 bis 1955 war er Schriftführer der Abteilung „Fußball“
 von 1960 bis 1971 hatte er als Kassier des Gesamtvereins die Finanzverantwortung.

Nach Ende seiner Sportler-Karriere übernahm Adolf Gerach ab 1971 die Vereinsführung. Für geschlagene 27 Jahre sollte er dieses Amt inne haben.

Mit dem „Innehaben“ allein war es aber noch lange nicht getan. Seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass der TV Jahn enorm wuchs: Als Adolf Gerach das Amt übernahm, hatte der Verein etwas über 300 Mitglieder. Als er das Amt abgab, waren es 990.

Zielstrebig und stetig – so hat der Vorsitzende den Verein voran gebracht. Und das Voranbringen, das „Noch besser werden“ war ihm in seiner Arbeit immer wichtig.

Ganz neue Bereiche, wie etwa das Volkswandern, wurden unter seiner Führung entwickelt. Einen besonderen Schwerpunkt legte der Verein unter Adolf Gerach auch auf die Ju-gendarbeit. Denn er war sich immer bewusst, wie wichtig der Nachwuchs für die Zukunft ei-nes Vereins ist. Denn ein Verein steht und fällt mit der Nachwuchsgewinnung.

Aber nicht nur der Verein hat von der Jugendarbeit profitiert. Mit Begeisterung haben die Kinder und Jugendlichen das Angebot angenommen.

Zur Abteilung Kinderturnen ist zum Beispiel in einem Bericht von unserem Altstadtrat Herbert Moser im „TV Jahn Echo“ von 1981 zu lesen. Dort berichtet er von Teilnehmerzahlen im Kinderturnen, die seit Anfang der 70er um das sechsfache auf 150 gewachsen seien.

„Hauptaufgabe ist, dass alle Kinder sich wohlfühlen und mit Freude zum Turnen kommen. Der TV Jahn möchte dem Breitensport den Stellenwert einräumen, den er in unserer Gesellschaft verdient hat, nämlich einen vorderen“, schreibt Moser in diesem Bericht auch.

Und spricht damit Adolf Gerach aus der Seele. Auch ihm ging es nie zu allererst um den Erfolg, sondern um die Förderung des Sports für die Allgemeinheit, „um die Gemeinnützigkeit zum Wohle der sporttreibenden Jugend“, wie er einmal schreibt.

Diese Vereinsarbeit ganz alleine konnte freilich auch Adolf Gerach nicht bewältigen. Einen TV Jahn ohne viele andere Helfer und Sportler hätte es nie geben können. Und wie viel En-gagement zur Aufrechterhaltung des Sportbetriebs nötig ist, hat der Verein im Laufe der Zeit immer wieder erfahren.

- Wichtig ist dann aber einer, der den Laden am Laufen hält.
- Einer, der auch einmal kritische Worte findet, wenn nicht alles optimal läuft.
- Und einer, der Durchhalteparolen ausgibt, wenn es schwierigere Zeiten zu bewältigen gibt.

Und hier hat Adolf Gerach seine Arbeit wie nur wenige verstanden. Hier hat er immer wieder Führungsstärke bewiesen.

Bei einer Anekdote, die ich erfahren konnte, machte sich nicht nur die Führungskompetenz, sondern auch seine ausgleichende Art bemerkbar:
Im Jahre 1996 waren die beiden Jugendlei-tungen von TV Jahn und FC 08 im Streit, weil sie sich gegenseitig Jugendspieler abwarben.

Unser damaliger Sportamtsleiter Roland Manz lud deshalb zu einem klärenden Gespräch ins Rathaus ein.
„Das Beste an dem Brief vom TV Jahn war die Briefmarke!“ – war zu Beginn des Gesprächs die hitzige Aussage von Seiten des FC 08.

Adolf Gerach aber schaffte es, die Wogen zu glätten, Frieden zu stiften und erreichte den Abschluss einer Vereinbarung, sich gegenseitig keine Jugendlichen mehr abzuwerben. Die Vereinbarung wurde danach wirklich eingehalten und es entwickelte sich ein sportlich faires, ja sogar ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den Jugendleitungen.

Wir sehen: Sie hatten, lieber Herr Gerach, neben Christel und Ihren beiden Kindern, also eine weitere Familie, Ihre Jahn-Familie, um die Sie sich intensivst gekümmert haben. Und bei denen Sie genau dieselben Aufgaben zu bewältigen hatten wie in einer richtigen Fami-lie.

Und auch wenn Sie es immer gern gemacht haben – vielleicht hat auch bei der Jahn-Familie der altbekannte Spruch für Sie ab und zu gepasst: „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr“.

Aber Adolf Gerach war nicht nur der TV Jahn wichtig: Der gesamte Breitensport – also Sportangebot für Tuttlingen und seine Bürger – lag und liegt ihm ebenfalls am Herzen. Deshalb hat sich Adolf Gerach zusätzlich im Stadtverband für Sport eingebracht. Und wie könnte man es anders erwarten? Wieder war es jahrzehntelanges Engagement – nachhalti-ges Engagement, um es mit einem Modewort von heute zu sagen.

Von 1968 bis 1984 war er Beisitzer im Vorstand des Stadtverbands.
Von 1984 bis 1991 stellte er sich als Kassenprüfer zur Verfügung, um dann für weitere 14 Jahre bis 2005 die selbst Kassierstätigkeit zu übernehmen. Dass das Amt des Kassiers zu denen gehört, die in der Reihe der Vereinsämter mit dem meisten Aufwand verbunden sind, brauche ich Ihnen, liebe Gäste, wohl nicht zu sagen.

Bis heute hat Adolf Gerach sich nicht zur Ru-he gesetzt und mischt vorne mit. Nur, die Ziel-gruppe hat sich etwas verändert: Er leitet bis heute die Abteilung der Coronar Herzsportgruppe, eine Abteilung die ebenfalls 1988 noch unter seinem Vorsitz beim TV Jahn gegründet wurde und inzwischen zum SC 04 gehört.

Adolf Gerach hat sich über ein halbes Jahrhundert für den Sport engagiert.

Er war der Pionier des Breitensports für Tuttlingen.

Adolf Gerach ist Teil der Geschichte der Sportstadt Tuttlingen.

In Würdigung seiner Verdienste für den Sport in Tuttlingen überreiche ich ihm hiermit den

Sportpreis der Stadt Tuttlingen.

Beim Preis handelt es sich um ein Kunstwerk des Künstlers Ralf Behrendt. Viel Freude damit.