Dornierstraße
Hunderte von Besuchern bei Info-Veranstaltung
Kontroverse Diskussion: OB Michael Beck bei der Info-Veranstaltung in Möhringen.
„Wir müssen alles dafür tun, dass Arbeitsplätze in der Stadt erhalten bleiben – darin sehe ich eine meiner wichtigsten Aufgaben“, so OB Michael Beck. In Zeiten, in denen Konzerne wie Audi, Bosch, VW oder Porsche tausende von Arbeitsplätzen abbauen und ganze Werke schließen, gelte dies besonders.
Beck blickt nochmals auf die Vorgeschichte zurück, unter anderem auf die von ihm eingerichtete Arbeitsgruppe, deren Aufgabe es war, in aller Ruhe über Lösungen nachzudenken. Diese habe man auch gefunden – nur nicht für den Autoverkehr. Hier ließen sich künftige Umwege nicht vermeiden. Letztlich entscheide dies aber der Gemeinderat.
B.Braun Vorstandsmitglied Dr. Jens von Lackum betonte die Bedeutung des Projekts für Aesculap: Zum einen gehe es um bessere Betriebsabläufe: Wenn im Herbst 2027 die Innovation Factory in Betrieb geht, wird sich die Zahl der Fahrten zwischen den Werksteilen fast verdoppeln. Dass dabei eine öffentliche Straße gequert werden muss, werde immer hinderlicher. Noch gewichtiger seien aber die Pläne, das Logistikgebäude zu erweitern. Und da das Gelände größtenteils bebaut und zwischen Bundesstraße und Hang eingekeilt ist, bliebe dafür nur die Fläche der Dornierstraße. Und falls dies nicht möglich sei? Hier war von Lackum eindeutig: „Falls eine Erweiterung in Tuttlingen nicht möglich ist, kommt die Zentrallogistik ins Ausland.“ Dies gelte auch für die bestehende Logistik mit ihren 250 Arbeitsplätzen. Und: „Wenn die Logistik einmal im Ausland ist, wird definitiv nicht mehr in Tuttlingen gebaut – das ist eine wirtschaftliche Tatsache.“
Manuel Holzweißig, bei Aesculap zuständig für Bauwesen und Infrastruktur, ging auf viele Details ein – vor allem beim geplanten neuen Radweg oder auch der bereits gefundenen Lösungen für ÖPNV und Rettungsfahrzeuge, die über das Werksgelände fahren können. Keine Alternative gebe es hingegen für den Autoverkehr – und viele der angedachten Ideen seien unrealistisch: Für einen Tunnel sei die Strecke zu kurz: Wegen der vorgeschriebenen Neigung müssten die Rampen insgesamt 150 Meter lang sein, so dass für den Tunnel nur 50 Meter blieben – zu wenig für das große Logistikgebäude. Bei einer Brücke sei es ähnlich: Da die Logistik über 20 Meter hoch wird, müsste man gigantische Auffahrten bauen – technisch kaum machbar und auf jeden Fall unbezahlbar. Eine Ampel vor dem Werksgelände, die Betriebs- und öffentlichen Verkehr trennt, wurde auch geprüft – und ebenfalls verworfen: Hier drohen endlose Rückstaus.
In der kontrovers und auch emotional geführten Diskussion wurden viele der Themen nochmals angesprochen – unter anderem die verworfenen Tunnel- oder Brückenvarianten wurden mehrfach wieder ins Gespräch gebracht. Die Aussicht, dass sich die Fahrstrecke für einen Teil der Vorstadt-Bewohner verlängern könnte, wurde von vielen als unzumutbar empfunden. Verständnis für die Situation von B.-Braun Aesculap brachte fast keiner der Diskussionsteilnehmer auf – auch nicht auf den Hinweis des Aesculap-Betriebsratsvorsitzenden Ralf Popp, der daran erinnerte, dass Aesculap zu den wenigen Firmen gehört, die gerade zweistellige Summen investieren möchten. „Wir erleben gerader viele Firmen, in denen es ganz anders aussieht.“ Auch die Aussage von Vorstandsmitglied Andreas Hahn, dass ohne Ausbau der Logistik wohl bald 250 Arbeitsplätze abgezogen werden, überzeugte den Großteil der Besucher nicht. Und den Einwand einer Besucherin, dass alle Probleme überschaubar seien, vorausgesetzt, der ÖPNV funktioniere, teilten viele ebenfalls nicht.
Viel Applaus gab es hingegen für einen Fragesteller, der vorrechnete, wie teuer ihn der längere Weg in Anbetracht der aktuellen Spritpreise käme. Zustimmung bekam auch ein Diskussionsteilnehmer, der wissen wollte, „welchen Benefit“ er als Nicht-Aesculap-Mitarbeiter von dem Neubau denn überhaupt habe.
Sie verlassen die Seite der Stadt Tuttlingen, ggf. werden Cookies und Ihre IP-Adresse an den Anbieter übertragen.