Verleihung des Sozialpreises an Tuttila Abenteuerland e.V. - 08. Juni 2010


Meine sehr geehrten Damen und Herren,

herzlich willkommen zur Verleihung des Sozialpreises der Stadt Tuttlingen an Tuttilla Abenteuerland e.V. hier in der Cafeteria von unserem noch ganz neuen Haus der Schüler.

Ganz besonders herzlich begrüße ich diejenigen, für die wir heute zu dieser Sozialpreisverleihung eingeladen haben

- Die beiden Vorsitzenden Daniel Schmidt und Sigrid Kirchner mit den Mitgliedern des Tuttilla Abenteuerland e.V.

Ebenfalls herzlich begrüße ich alle, die sich mit dem Tuttilla Abenteuerland verbunden fühlen:
- die persönlichen Freunde und Förderer von Tuttilla
- die Vertreter der sozialen Organisationen
- und die Vertreter der kooperierenden Schulen.

Meine Damen und Herren,

Familienfreundlichkeit und soziale Gerechtigkeit, Bürgerengagement, Bildung und Integration

All das sind Themen, die mir als Oberbürgermeister für unser Tuttlingen wichtig sind.

All das sind auch Themen, die die Tuttlinger Bürger tagtäglich bewegt – das höre ich aus beinahe jedem Gespräch heraus, das ich führe.

Familienfreundlichkeit und soziale Gerechtigkeit, Bürgerengagement, Bildung und Integration sind aber gerade auch die Themen, die Tuttilla Abenteuerland besonders auszeichnen – ja man kann sagen, Tuttilla Abenteuerland ist mit diesen Schlagworten gleichzusetzen.

Um Tuttilla kurz und prägnant zu definieren könnte man sagen:
Tuttilla ist DIE Möglichkeit für Familien,
egal welcher Herkunft,
ihre Kinder von kompetenten Ehrenamtlichen pädagogisch wertvoll betreut und versorgt zu wissen.

Auf dem Abenteuerspielplatz geht es weder um bloße Beaufsichtigung der Kinder.
Noch geht es um reine eingezäunte Austobe-Fläche, auf denen sich die Kinder aufhalten und die Zeit vertreiben können.
Noch geht es rein darum, die Kinder mit dem Notwendigsten zu versorgen.

Beim Tuttilla Abenteuerland handelt es sich um eine Philosophie.
Um eine eigene, kleine Welt, in der sich die Kinder aufgehoben fühlen;
in der sie Respekt und Zuwendung bekommen;
in der sie sich sinnvoll beschäftigen können. Eine kleine Welt, in der sie fürs Leben lernen können.

Und sie kommen gerne, die Kinder. Wer den Abenteuerspielplatz schon einmal während der Öffnungszeit besucht hat, kann das sofort spüren.
Man spürt die Begeisterung, mit der da Hütten gebaut werden. Jedem kleinen Team gehört eine eigene Hütte, die es ganz nach seinen Vorstellungen bauen und gestalten kann. Richtige kleine Kunstwerke entstehen da.

Man spürt zu Recht den Stolz der Kinder auf ihr Geleistetes, auf ihr eigenes Meisterwerk.

Und man spürt die Lust und die Motivation, beim Erreichten nicht stehen zu bleiben. Ganz im Gegenteil werden sofort wieder neue Pläne geschmiedet – wo kann noch etwas verziert werden oder wie bauen wir den nächsten Stock auf unsere Hütte?

Vorgelebt bekommen die Kinder dies alles vom ehrenamtlichen Team der Betreuer und Organisatoren des Vereins. Dass die Kinder die Chance bekommen, solch erfüllte Tage zu erleben, ist vor allem ihnen zu verdanken.
Ihrer Begeisterung den Kindern etwas zu bieten;
ihrer Motivation, sich im persönlichen Umfeld für eine gute Sache einzusetzen.

Die Idee für einen pädagogischen Abenteuer-spielplatz entstand bereits in den Jahren 1996/97. Sieben Personen waren es, die den Verein dann 1997 gründeten. Weitere zwei Jahre dauerte es – dann konnte die Stadt im Donaupark ein Gelände für den Abenteuer-spielplatz zur Verfügung stellen.
Das Angebot wurde sehr gerne angenommen und so konnte sich der Verein über die Jahre gut entwickeln.
2009 feierte der Abenteuerspielplatz seinen zehnten Geburtstag.

Unzählige Stunden steckt das Team aus gut 20 Ehrenamtlichen heute in das Tuttilla Abenteuerland.
Zu tun gibt es da vieles:
Material für den Hüttenbau, für die Werkstatt oder das Basteln muss beschafft werden.
Der Platz muss gepflegt und instand gehalten werden und der laufende Betrieb muss gesichert werden.
Angebote müssen vorbereitet werden und die Kinder müssen pädagogisch betreut werden, bei all dem, was sie auf Tuttilla machen.

Die Angebote auf Tuttilla sind über die Jahre enorm gewachsen. Hüttenbau, eine Feuerstelle, Eine Werkstatt, eine Seilbahn, ein Kletterspielhäuschen und die Drachenhöhle gibt es dort.

Bei all ihren Aktivitäten sind die Kinder ganz zwanglos sinnvoll beschäftigt und sind in Bewegung. Sie lernen, Körper und Geist einzusetzen und die eigenen Fähigkeiten zu nutzen.

Auf Tuttilla gibt es auch ein kostenloses Mittagessen in Zusammenarbeit mit dem Tafelladen der Diakonie.
Auch dieses wird aber nicht nur zur bloßen Versorgung an die Kinder ausgegeben.

Es gilt auch in Verbindung mit dem Essen Gesamtzusammenhänge zu erfassen und für sich und die anderen Verantwortung zu übernehmen. So wird im Garten begonnen, wo eigenes Obst und Gemüse angepflanzt und geerntet werden kann.
Die eigene Küche lädt dann ein zum Kochen und zum Zubereiten des Mittagessens.
Nebenher lernen die Kinder so auch, was es heißt sich gesund zu ernähren und wie gesundes Essen zubereitet werden kann.

Auch bei der Ferienbetreuung für Grund-schulkinder bietet Tuttilla immer wieder Angebote an. Erst in den Pfingstferien waren auf dem Abenteuerspielplatz beispielsweise die Indianer los. Die Tuttilla-Angebote werden immer wieder sehr gerne angenommen. Sie sind für die Stadt eine große Unterstützung dabei, ein abwechslungsreiches und hochwertiges Programm auf die Beine zu stellen. Denn auch bei der Ferienbetreuung soll nicht nur der Betreuungsaspekt im Vordergrund stehen, sondern das Lernen und Forschen der Kinder.
Die Helfer auf Tuttilla haben also alle Hände voll zu tun.
Warum sie diese Zeit investieren?
Da müssten wir sie am Besten selbst fragen.

Ich könnte mir aber vorstellen, dass sie sagen, weil sie es für die Kinder gern machen. Für alle Kinder und ganz besonders für die Kinder, denen es das Schicksal nicht ganz so einfach gemacht hat.
Die aus einer einkommensschwächeren Familie stammen oder um die sich die Familien nicht so kümmern – oder kümmern können, wie sie es brauchen würden.

Vielleicht wäre ihre Antwort, dass es ihnen etwas gibt, wenn sie die Freude und Begeiste-rung der Kinder miterleben, wenn sie die Dankbarkeit für ein Gespräch, für eine Hilfe, für ein gutes Wort sehen.

Vielleicht würden sie auch sagen, dass sie den Kindern mehr bieten möchten als Fern-seher und Computerspiele. Dass sie ihnen das Kind-Sein ermöglichen möchten. Dass sie sie vorbereiten möchten auf das Leben und seine Aufgaben, dass sie ihnen etwas für später mitgeben möchten.

Vielleicht würden die Helfer auch antworten, dass sie es als ihre Aufgabe sehen, sich für die Gesellschaft zu engagieren. Dass jeder seinen Teil zu einer gerechteren Welt beitragen sollte und dass jeder Verantwortung für seine Mitmenschen übernehmen sollte.

Und hier würde ich den Ehrenamtlichen sofort zustimmen. Unsere Gesellschaft braucht Menschen wie Sie. Und braucht eigentlich noch viel mehr, als es von Ihnen gibt.

Unsere Gesellschaft muss zurück finden von ihrem ich-bezogenen Leben, in der jeder nach dem eigenen Vorteil schaut – in dem jeder noch mehr für sich herausschlagen möchte – in der das Denken herrscht:
„Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht.“

Und alle, die es einmal ausprobieren würden, sich – so wie Sie – für eine gute Sache einzubringen, ein bisschen mehr Nächstenliebe zu leben, würden merken:
Ich verliere dadurch nicht meine Zeit, nicht meine Ziele, nicht mein Geld.
Ich kann nur gewinnen.
Alle würden merken, soziales Engagement gibt eine innere Zufriedenheit, eine Sicherheit, dass es das Richtige ist, wie es kein Geld der Welt tun könnte.

Wer sich in diesem Maße, wie Tuttilla es tut, für die Gesellschaft – in diesem Fall für Tuttlingen und seine Bürger – einsetzt, hat den Dank und die Anerkennung der Stadt verdient.

Ich freue mich, dass ich dem Tuttilla Abenteuerland e.V. den

Sozialpreis der Stadt Tuttlingen

überreichen darf.

Stellvertretend für alle Mitglieder darf ich die beiden Vorsitzenden Daniel Schmidt und Sigrid Kirchner zu mir nach vorne bitten.

Die Urkunde zum Sozialpreis trägt folgenden Text

Beim Preis für ehrenamtliches Engagement im Kultur-, Sport- und Sozialbereich handelt es sich jeweils um ein Kunstwerk – heute ist es eine Arbeit des Leiters unserer Jugendkunstschule, Hans-Uwe Hähn. Ich bin sicher, Sie finden einen Platz dafür.

Ich darf nun alle Mitglieder von Tuttilla einladen, nach vorne zu kommen und sich ins Goldene Buch der Stadt einzutragen.