Sozialpreis für Marianne Huegel - Lebenshilfe von Beginn an geprägt


Mit dem Sozialpreis der Stadt Tuttlingen wurde Marianne Huegel geehrt. Die Stadt würdigte damit am Montag ihr über Jahrzehnte dauerndes Engagement, vor allem für die Lebenshilfe, zu deren Gründerinnen sie zählt.

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Soziales Engagement gewürdigt: OB Beck übergibt den Sozialpreis an Marianne Huegel.

„Marianne Huegel gehört zu den Menschen, die unsere Stadt über Jahrzehnte positiv geprägt haben - die Tuttlingen wieder ein Stück lebenswerter gemacht haben“, sagte OB Michael Beck bei der Feier im Kulturhaus Altes Krematorium. Und ihr Engagement zeigte sie auf vielfältige Weise: In der katholischen Kirche. In der Stiftung St. Franziskus. Im Gemeinderat. In der Initiative Altes Krematorium. Vor allem aber in der Lebenshilfe. Hier engagiert sich Marianne Huegel bis heute.

Einen Tag nach ihrem 80. Geburtstag erhielt Marianne Huegel aus den Händen von OB Michael Beck den Sozialpreis, einen Druck von Daniel Erfle. Nach der Initiative Nachtlager für Wohnungslose ist Marianne Huegel nun die zweite Trägerin des Preises, mit dem die Stadt seit 2008 herausragendes Engagement im sozialen Bereich würdigt.

In seiner Laudatio zeichnete Beck verschiedene Stationen aus dem Leben Marianne Huegels nach. Nach Tuttlingen kam die gebürtige Singenerin 1960, kurz zuvor hatte ihr Mann die Stelle des Chefarztes am Tuttlinger Krankenhaus angetreten. 1968 wurde sie erstmals in den Kirchengemeinderat von St. Gallus gewählt, ihr Engagement für die Lebenshilfe begann in deren Gründungsphase 1969 – einer Zeit, in der vor allem geistig Behinderte noch keine starke Lobby hatten. Ziel von Marianne Huegel sei es daher nicht nur gewesen, in den Werkstätten des Vereins sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen, sondern auch das Bewusstsein der Bevölkerung zu ändern. Deshalb filmte sie mit der Super-8-Kamera in den Einrichtungen der Lebenshilfe und fuhr über Land, um die Filme in Gemeindezentren und Schulen zu präsentieren.

„Durch ihr Engagement ebneten Marianne Huegel und ihren Mitstreiter damals den Weg für die überaus erfolgreiche Entwicklung der Lebenshilfe“, so Beck. Und dass die Lebenshilfe erst vor kurzem mit den Donauwerkstätten in der Zeughausstraße moderne Räume mitten in der Stadt einweihen konnte, sei die Krönung einer Entwicklung, die von Marianne Huegel ganz entscheidend mit angestoßen wurde.

In ihren Dankesworten ging Marianne Huegel unter anderem auf das gesellschaftliche Klima ein, das Ende der 1960er-Jahre mit Blick auf geistige Behinderte noch herrschte: „Ich wurde oft befremdet darauf angesprochen, warum ich mich hier engagiere“, erzählte sie – und oft war das Befremden mit Kritik verbunden, dass man so viel Geld für Behinderte ausgebe. Hier habe sich viel geändert – auch wenn man noch heute manchmal auf Ewiggestrige stoße. Umso wichtiger sei es ihr, sich auch weiter für die Lebenshilfe zu engagieren. „Dies wird das letzte Ehrenamt sein, das ich abgeben werde.“