Sieben Stolpersteine erinnern an NS-Opfer - Zentralrat der Jenischen dankt OB Beck


Sieben weitere Stolpersteine wurden am Samstag in Tuttlingen verlegt. Erstmals wurde dabei auch zwei Jenischen gedacht. Als Dank für diese Würdigung übergab der Zentralrat der Jenischen eine Ehrenmedaille an OB Michael Beck.



Sie waren Korbmacher, zogen lange über das Land, in Tuttlingen wurde die Familie Berger dann sesshaft: In der Donaustraße, wo heute der Galeriehof ist, lebte die Familie, die dem Volk der Jenischen angehörte. Für die Nationalsozialisten zählten die Jenischen allerdings zu den Minderheiten, die als „Zigeuner“ tituliert, diskriminiert und später brutal verfolgt wurden. Auch zwei Angehörige der Familie Berger überlebten die NS-Diktatur nicht: Josef Berger und sein Sohn Franz Berger wurden im KZ Mauthausen ermordet.

Seit Samstag erinnern zwei Stolpersteine an das Schicksal der Bergers. Und unter den zahlreich erschienenen Gästen war auch eine Delegation des Zentralrats der Jenischen. Sichtlich bewegt bedankten sich Alexander Flügler und Robin Graf bei OB Michael Beck und übergaben eine Ehrenmedaille des Zentralrats: Es sei das erste Mal überhaupt, dass Stolpersteine zur Erinnerung an Jenische verlegt worden seien.

Bereits zum vierten Mal war der Künstler Gunter Demnig am Samstag nach Tuttlingen gekommen. Seit 2016 hat er bereits 27 Stolpersteine in Tuttlingen verlegt. In seiner Begrüßung erinnerte OB Michael Beck daran, dass sich in diesen letzten drei Jahren viel geändert habe: 2016 sei es noch undenkbar gewesen, dass Politiker einer im Bundestag vertretenen Partei das Holocaust-Mahnmal als „Mahnmal der Schande“ oder die NS-Zeit als „Vogelschiss“ bezeichneten. Durch solche Grenzüberschreitungen, so Beck, würde auch die Gedenkkultur verhöhnt, wie sie in Tuttlingen gepflegt wird – und umso wichtiger sei es, auch weiterhin Stolpersteine zu verlegen und die Erinnerung wach zu halten.

Becks Dank galt daher besonders den jungen Leuten, die die Gedenkfeier mit gestalteten: So sorgte Musikschülerin Marie Diesenberger am Saxophon für eine ebenso würdevolle wie nachdenkliche Stimmung. Und Schülerinnen und Schüler des OHG trug die Biographien der Opfer vor, die zuvor der Arbeitskreis unter der Leitung von Museumsleiterin Gunda Woll recherchiert hatte.

Neben den Jenischen Josef und Franz Berger erinnert die Stadt Tuttlingen mit der jüngsten Stolpersteinverlegung an fünf weitere Opfer und Verfolgte des NS-Regimes: So überlebte das Ehepaar Sybilla und Richard Kramer nur dank mutiger Helfer und auch viel Glück: Sie war Jüdin, er blieb ihr trotz massiven Drucks treu und wurde dafür inhaftiert, werden Sybilla Kramer in einem Versteck überlebte. Ermordet hingegen wurden drei weitere frühere Tuttlinger Mitbürger: Franziska Handte, Eugen Menger und Katharina Faude kamen allesamt wegen psychischer Erkrankungen in Kliniken – und wurden von dort aus in Tötungsanstalten Grafeneck und Brandenburg verbracht.