Windkraft

Wichtiger Hinweis

Die Verwaltungsgemeinschaft Tuttlingen sieht derzeit die 3. Offenlage des Flächennutzungsplans für den Verwaltungsraum Tuttlingen 6. Fortschreibung – Teilflächennutzungsplan „Konzentrationszonen für Windenergie“ für Ende Mai/ Anfang Juni 2017 vor.

Standort_Hebsack_-_Wirtenbuehl
Fotovisualisierung eines möglichen Windparks am Beispiel Standort Hebsack–Wirtenbühl Nendingen.

Das Energiekonzept der Stadt Tuttlingen schlägt vor, den Anteil der regenerativen Energien bis 2020 auf 50 Prozent zu erhöhen Ein wichtiger Baustein, um diese Ziele zu erreichen, ist die Windkraft.

Derzeit sieht das Verfahren zur Ausweisung von Windkraft-Konzentrationszonen folgendermaßen aus:
  • Im Rahmen der Fortschreibung des Flächennutzungsplans für die gesamte Verwaltungsgemeinschaft Tuttlingen (VG) wurde untersucht, wo innerhalb der VG Windkraftanlagen möglich wären. Diese Standortsuche wurde intensiv und mehrfach mit den VG-Gemeinden abgestimmt und hat bereits mehrere Verfahrensschritte durchlaufen.
  • Aktuell befindet sich das Verfahren nach der 2. Monatsauslegung (Offenlage). Die dazugehörigen Gutachten, Planungen, sowie die Begründung zum FNP-Entwurf, können Sie mit dem rechts stehenden Link (Flächennutzungsplan für den Verwaltungsraum Tuttlingen 6.Fortschreibung - Teilflächennutzungsplan
    "Konzentrationszonen für Windenergieanlagen") aufrufen

FAQ

Frage:  Wie viel Lärm, welche Geräusche verursachen Windräder?

Antwort: Windkraftanlagen (WKA) verursachen Geräusche durch die vorhandene Mechanik und durch die Drehbewegung der Rotoren (Luftzerschneidung). Bei Windrädern älterer Bauart ist das Rotorengeräusch in der Nähe der Anlage noch deutlich zu hören, vergleichbar der Lautstärke eines normalen Gespräches. Durch die Drehung der Nabe bei Windwechsel können ebenfalls leichte Geräusche entstehen. Die Geräusche nehmen mit zunehmendem Abstand zur WKA deutlich ab. So ist selbst bei älteren und lauteren Anlagen nach 400 Metern nahezu kein Geräusch mehr wahrnehmbar. Neue Anlagen sind zwar deutlich höher, erzeugen aber durch eine schlankere Bauweise und die getriebelose Antriebstechnik dennoch weniger Geräusche als ältere Anlagen.

Frage:  Welche Gefahr geht vom Infraschall durch Windkraftanlagen aus?

Antwort:  Bei Infraschall handelt es sich um Töne, die so tief sind, dass Menschen sie normalerweise nicht wahrnehmen. Nur wenn der Schalldruck (also quasi die Lautstärke) sehr hoch ist, können wir Infraschall hören oder spüren.
Infraschall, also langwelliger Schall unter 20 Hertz, wird zwar von Windrädern erzeugt, allerdings mit so einem geringen Schalldruck, dass dieser in den einzuhaltenden Abständen weder gefühlt, noch gespürt werden kann (beispielsweise im Bauchbereich). Nach Aussage einer Vielzahl von Studien zum Thema Infraschall hat aber nur der Infraschall Auswirkungen auf das Wohlbefinden von Menschen, der tatsächlich im wahrnehmbaren Bereich liegt (siehe hierzu auch die Studie der Bayerischen Landesanstalt für Umwelt + Gesundheit).
 
Neue Studien bestätigen, dass durch WKA erzeugter Infraschall bei Abständen größer 700 Metern nicht mehr vom Infraschall des Windes unterscheidbar ist. Die Abstände von möglichen WKA zur nächsten Wohnbebauung sind in der gesamten VG Tuttlingen deutlich größer als 700 Meter (Zwischenbericht Infraschall von WKA – LUBW BW 2015).

Frage:  Welchen Abstand müssen Windkraftanlagen zur Wohnbebauung haben?

Antwort: Der Gesetzgeber schreibt hierzu in Baden-Württemberg bei 3 Windkraftanlagen einen Vorsorgeabstand von beispielsweise 750 Meter Luftlinie zu geschlossener Wohnbebauung vor, bei 1 Windkraftanlage 500 Meter. Maßgebend ist hierbei der Siedlungsrand. Bei Misch- oder Dorfgebieten sind 500 m Abstand bei 3 WKA einzuhalten. Die einzuhaltenden Abstände variieren also in Abhängigkeit der jeweiligen Baustruktur und der Anzahl der geplanten WKA. Geringere Abstände sind nur im Einzelfall und bei nachgewiesener Einhaltung der immissionsschutzrechtlichen Bestimmungen möglich.
In der Verwaltungsgemeinschaft Tuttlingen liegen die Abstände der vorgeschlagenen Konzentrationszonen gegenüber geschlossenen Siedlungen von Wohngebieten bei mindestens 1.000 m und bei Dorf- Mischgebieten bei über 750 Metern.

Frage  Wie berechnet und verteilt sich die Schallemission von WKA?

Antwort: Das Berechnungsverfahren zur Schallausbreitung nach DIN ISO 9613-2 alternatives Verfahren - erfolgt mit den günstigsten Schallausbreitungsbedingungen bei 10°C, 70% Luftfeuchtigkeit und leichten Mitwindbedingungen in alle Windrichtungen. Maßgeblich für die Beurteilung ist immer die lauteste Nachtstunde. So berechnet das Modell immer für die Anwohner den ungünstigsten Fall. Weiterhin wird hierbei der Dämpfungseffekt durch den Bewuchs (Wald) nicht berücksichtigt, der in der Realität zu einer Lärmreduzierung führt.

Frage  Sind die Immissionsrichtwerte für Wohngebiete ein Mittelwert, und wenn ja, in welchem Zeitraum wird gemittelt?

Antwort  Grundlage für die Lärmberechnung ist die TA-Lärm. Die Beurteilungszeiten sind tags von 6-22 Uhr und nachts von 22-6 Uhr. Die Immissionsrichtwerte für Wohngebiete sind Mittelwerte. Ein möglicher Spitzenwert kann die Richtwerte überschreiten ( siehe TA-Lärm ).

Tagsüber (6.00-22.00 Uhr) werden die Immissionen dieser 16 Stunden zu Grunde gelegt und gemittelt. Für folgende Zeiten werden noch 6 dB Aufschlag eingerechnet, da hier von einer besonderen Ruhebedürftigkeit ausgegangen wird:

1. an Werktagen: 06.00 - 07.00 Uhr, 20.00 - 22.00 Uhr

2. an Sonn- und Feiertagen: 06.00 - 09.00 Uhr, 13.00 - 15.00 Uhr, 20.00 - 22.00 Uhr

Der so gemittelte Wert darf tagsüber in reinen Wohngebieten den Wert von 50 dB (A) nicht überschreiten.

Einzelne kurzzeitige Geräuschspitzen dürfen die Immissionsrichtwerte am Tage um nicht mehr als 30 dB(A) überschreiten.

Nachts (22.00 - 6.00 Uhr) darf der Wert von 35 db nicht überschritten werden.
Hier wird aber nicht die ganze Nacht gemittelt, sondern es wird nur der Durchschnittswert der lautesten Nachtsstunde gewertet.

Einzelne kurzzeitige Geräuschspitzen dürfen die Immissionsrichtwerte in der Nacht um nicht mehr als 20 dB(A) überschreiten.
Frage:  Wie viel Schatten darf eine Anlage auf mein Haus werfen?

Antwort: Entscheidend für eine mögliche Beeinträchtigung durch Schattenwurf sind die drehenden Rotoren. Diese können einen störenden Wanderschatten in Wohn-, Aufenthalts- und Schlafbereichen erzeugen. Gesetzlich erlaubt sind maximal 30 Stunden Schattenwurf im Jahr. Hierbei werden alle Tage und die dabei schatten werfenden Minuten addiert, an denen Windräder theoretisch Schatten auf ein Gebäude werfen könnten. Sollte eine Anlage in der Jahressumme mehr als 30 Stunden Schatten werfen, so kann dies zur Verweigerung oder Auflagen bei der Betriebsgenehmigung führen (Abschaltautomatik der Anlage).

Frage:  Wie viel Platz benötigt eine moderne Windkraftanlage zum Bau und für den dauerhaften Betrieb?

Antwort: Für den dauerhaften Betrieb einer Windkraftanlage werden je nach Anlagentyp rund 2.500 bis 3.500 Quadratmeter Fläche benötigt. Während der Bauphase ist je nach Anlagentyp und Montageart noch eine zusätzliche Montagefläche von 1.500 bis 2.500 Quadratmeter erforderlich. Bei Anlagen im Wald können die Rotorenblätter auch einzeln montiert werden und die dadurch benötigte Montagefläche verkleinert werden. Diese Montagefläche wird danach wieder zurück gebaut und wird wieder Wald oder Wiese/Acker, je nach Standort.
 
Um den gewonnenen Strom in das bestehende Leitungsnetz zu transportieren werden in der Regel Erdleitungen bis zur nächsten Übergabestelle verlegt.

Frage: Kann es durch den Betrieb von WKA zu Tötungen von Vögeln und Fledermäusen kommen?
 
Antwort: Es ist bekannt, dass es so genannte windkraft-relevante Vogel- und Fledermausarten gibt die aufgrund ihrer artspezifischen Flugbewegungen durch WKA gefährdet oder getötet werden können. Um diese Wahrscheinlichkeit besser abzuschätzen und die Risiken für die Tierwelt zu minimieren, wurden durch eine Reihe von Untersuchungen auf  Ebene des Flächennutzungsplanes beispielsweise Lebensräume vom Schwarz- und Rotmilan, aber auch weiterer Vogelarten im Planungsgebiet genauer untersucht. Hierdurch kam es an einigen Konzentrationszonen zu Verkleinerungen der Standortvorschläge oder es wurden konkrete Planungs- und Untersuchungshinweise für die Immissionsschutzrechtliche Genehmigungsplanung formuliert, die für den konkreten Bau von WKA erforderlich ist.

Bei den Fledermäusen wurden potentiell wichtige Lebensräume für Fledermäuse erfasst. Auch diese haben bei den Konzentrationszonen entweder zu Flächenreduzierungen oder Planungshinweisen geführt. Vertiefte Untersuchungen zu Fledermäusen werden bei manchen Konzentrationszonen ebenfalls in den Folgeplanungen erforderlich.
 
Frage: Wird durch den Bau von Windkraftanlagen unsere Landschaft verändert?
 
Antwort: Moderne Anlagen mit durchschnittlichen Nabenhöhen von 130 bis 140 Metern wirken sich auf das Landschaftsbild aus. Dies lässt sich nicht wegdiskutieren, ist jedoch ein wissenschaftlich nicht qualifizierbares Kriterium. Was dem einen gefällt oder energiepolitische Notwendigkeit ist, stellt sich für den anderen als Beeinträchtigung des gewohnten Landschaftsbildes dar.

Durch Visualisierungen aller Standorte (Fotomontagen mit hoher Genauigkeit), kann für alle verbliebenen Standortvorschläge ein erster Eindruck gewonnen werden, wie sich die möglichen WKA in der jeweiligen Landschaft darstellen. In der Regel wurde dabei für jede Konzentrationszone eine Aufnahme aus einer möglichst repräsentativen Lage aufgenommen (Eindruck auf das Ortsbild aus innerörtlicher oder ortsnaher Lage).
 
Da das Landschaftsbild ein nicht qualifizier- und quantifizierbarer subjektiver Prüffaktor ist, gibt es dazu auch nahezu keine gesetzlichen Vorgaben. Im Windenergieerlass, dem Durchführungsregelwerk des Landesplanungsgesetzes zur Planung von Windkraftanlagen, gibt es den Hinweis, dass bei Landschaftsbildern mit herausragender Eigenart und Schönheit diese einer besonderen Betrachtung und Prüfung zu unterziehen sind, wenn es durch den Bau von WKA zu schwerwiegenden Veränderungen dieser Landschaft kommen könnte.  Sollte es sich hierbei allerdings um Standorte mit besonderer Bedeutung für die Windkraft handeln (zum Beispiel besonders gute Windhöffigkeit), so ist dies wiederum in die Gesamtabwägung zu Gunsten der WKA einzubeziehen.
 
Seitens des Regierungspräsidiums Freiburg wurden in der VG Tuttlingen als Landschaftsbilder mit besonderer Eigenart und Schönheit der Hohen Karpfen, sowie der Umlaufberg Honberg genannt.
 
In aus obiger Sicht begründeten Einzelfällen kann es deshalb auch aus Sicht des Landschaftsbildes zu Flächen- oder Anlagenreduzierungen kommen, soweit sich diese nicht bereits aus anderweitigen Gründen ergeben haben. Eine Begrenzung der Anlagenanzahl kann dabei zum einen durch die Reduzierung der Flächengröße einer Konzentrationszone erreicht werden. Bei größeren Konzentrationszonen gibt es die Möglichkeit die Anlagenanzahl durch einen nachgeschalteten Bebauungsplan konkret festzulegen und damit zu begrenzen.